Efringen-Kirchen Das Ende eines Gesangvereins

Weiler Zeitung
Gertrud Bühler (links), Hermann Strohmeier und Wiebke Buschbaum wollen in den kommenden zwölf Monaten als Liquidatoren den Gesangverein juristisch abwickeln. Foto: Marco Schopferer Foto: Weiler Zeitung

Blansingen (mao). Der „Blansinger Gesangverein 1854“ ist nicht mehr. Einstimmig haben am Freitag die 30 anwesenden Mitglieder im „Römischen Hof“ die Auflösung beschlossen und drei Liquidatoren bestellt.

So manchem steckte ein Kloß im Hals und auch Tränen kullerten über einige Wangen, als Pfarrer Michael Donner eine veritable Grabesrede hielt und dabei Fundamentales mitzuteilen hatte: „Gott sandte dem Menschen den Engel des Gesangs“, befand er. Sicher werde mit dem Ende des Gesangvereins der Gesang nicht aussterben, und doch müssten sich viele fragen, „ob wir nicht zu wenig mit unseren Kindern singen“. Vielleicht auch ein Grund dafür, „warum wir heute ein Stück Heimat zu Grabe tragen“. Eine Institution, die eine Säule der Demokratie war, in der Mehrstimmigkeit gewollt und revolutionäre Gedanken gelebt wurden, wie Donner an die Gründungsjahre vieler geschichtsträchtiger Männerchöre erinnerte.

Zuvor schon ging Ortsvorsteherin Andrea Wahler in einer sehr persönlichen Rede auf die Bedeutung des Chors für das Dorf ein. 1854 erstmals im Gemeindearchiv erwähnt, musste immer wieder einmal der Sangesbetrieb eingestellt werden, mitunter probte der Chor nur in den landwirtschaftlich wenig arbeitsreichen Wintermonaten. Der Erste Weltkrieg unterbrach den Sangesbetrieb, und nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde im September 1939 im Protokollbuch nüchtern vermerkt: „Wegen Ausbruch des Krieges und Einzug der meisten Sänger zum Heeresdienst werden die Gesangsstunden bis nach dem Krieg verlegt.“

Die Ortsvorsteherin erinnerte an das erste Winzerfest 1949, die Mitwirkung des Vereins bei der ersten Glockenweihe, ans Vereinsjubiläum, das man 1979 in einem 2000-Personen-Zelt feierte.

1984 zählte der Männerchor noch 33 Aktive, öffnete sich 1992 für Frauen, was das Ende noch einmal für gut 20 Jahre hinauszögerte. 2015 stellte der Chor den Sangesbetrieb ein und lud zu regelmäßigen Stammtischen in den „Römischen Hof“ ein.

„Traurig sind wir heute alle, aber eines ist sicher, der Gesangverein hat bei uns bleibende schöne Erinnerungen hinterlassen, die immer wieder präsent sein werden. Uns allen wird unser Gesangverein fehlen“, sagte Wahler.

Viel Applaus gab es für den letzten Vorsitzenden, Hermann Strohmeier. 30 Jahre lang stand er dem Chor vor, führte den Verein durch Höhen und Tiefen, wie Gemeinderat Gerd Bahlinger in seinen Dankesworten würdigte. Strohmeier bemerkte: „Mindestens 18 Dirigenten haben in den 163 Jahren des Bestehens den Taktstock geschwungen. 14 Vorsitzende leiteten ab 1900 die Geschicke des Vereins.

Fritz Straub versuchte noch, an diesem emotionalen Abend einen zweiten Verein zu gründen, damit zumindest das Vereinsvermögen erhalten bleibt. Doch diese Stimme blieb ohne Widerhall. Einstimmig votierten die Anwesenden für die Auflösung des Gesangvereins, Straub enthielt sich der Stimme.

Gewählt wurden einstimmig zu Liquidatoren: Gertrud Bühler (bisher Schriftführerin), Hermann Strohmeier (bisheriger Vorsitzender) und Wiebke Buschbaum (bisherige Kassiererin). Sie müssen nun ehemalige Geschäftspartner anschreiben und abklären, ob noch Rechnungen offen sind. In einem Jahr wird dann der Verein aus dem Register gelöscht. Dann geht das restliche Vereinsvermögen an die Gemeinde Efringen-Kirchen. Zweckgebunden für „allgemein gemeinnützige und denkmalpflegerische Maßnahmen im Ortsteil Blansingen“, wie es in der Satzung heißt. Die Liquidatoren gehen davon aus, dass es sich um einen niedrigen, vierstelligen Betrag handeln wird.

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