Von Jutta Schütz

„Liebe, Lust und Leidenschaft – die Liebe im Mittelalter – allerdings ganz ohne praktische Übungen für die Zuhörer!“: So launig kündigte Museumsleiterin Maren Siegmann ihren Vortrag zum Gelächter von rund 30 Neugierigen an, die zu einem ganz besonders interessanten, aber auch lustigen und manchmal nachdenklich machenden Vortrag in den Museumssaal der Alten Schule gekommen waren.

Efringen-Kirchen. Zum einen Angebetete – wenigstens in der höfischen Literatur –, zum anderen Hexe, Zauberin, Prostituierte, und oft ganz einfach das minderwertige Geschlecht: Frauen hatten nicht viel zu lachen im Mittelalter. Immerhin war die Überbringerin der Liebe als „Frau Minne“ weiblich. Sie ging mit Pfeil und Bogen auf die Jagd – und schoss dem „Opfer“ nicht ins Herz, sondern ins Auge. „Denn das Verlieben geschah natürlich über das Auge, zumindest beim Mann“, berichtete Siegmann.

Herzen konnten aufgespießt und geröstet werden

Das Herz als Symbol der Liebe, taucht übrigens erst seit dem Spätmittelalter vermehrt auf. Viel häufiger ist die rankende Rose zu sehen – Symbol für die angestrebte körperliche Liebe. Beim heute verwendeten gebrochenen Herz als Sinnbild für die verschmähte oder gebrochene Liebe, war das Mittelalter weitaus phantasiereicher. Herzen konnten aufgespießt, ausgepresst, geraspelt, geröstet, gerädert oder eingesperrt werden. Ein Bestseller, verfasst im 12. Jahrhundert, der sich mit vielen Spielarten der Liebe beschäftigte, war „De Amore“ von Andreas Capellanus, seines Zeichens übrigens Geistlicher. „Das entsprach einem Do-it-yourself-Handbuch“, erwähnte Siegmann.

Kriegerisches Vokabular war übrigens in Schriften in Sachen Fraueneroberung gängig – da wurde in gewollt zweideutigen Floskeln, bebildert mit entsprechenden „Comics“, beschrieben, wie man die Minneburg mit Spießen erstürmt – wobei sich die Frauen nur symbolisch wehrten.

Die Rolle der Frau – oft das minderwertige Geschlecht

Die Liebe auf dem Land war eine andere als in der Stadt und damit auch das Zusammenleben von Mann und Frau. Ein mittelalterlicher Hof war nicht alleine zu bewirtschaften, die Landbevölkerung entschied also häufig allein über ihre Ehepartner. Anders in der Stadt: „Paare konnten vor Zeugen sagen ‚Ja, ich will‘ und galten damit als verheiratet. Oft aber waren das die Armen, und die zeugten viele Kinder, die wieder arm waren, also mussten Gesetze her, wer wann wen heiraten durfte. Das Ergebnis war, dass Frau und Mann – ganz modern – Lebensgemeinschaften schlossen, um nicht Strafen ausgesetzt zu werden“, fuhr Siegmann fort. Bei der reicheren Stadtbevölkerung war das anders: Da ging es um Besitz- oder Ansehensvermehrung. Mitgift und Morgengabe wurden ausführlich verhandelt – oft waren es Zweckehen, die geschlossen wurden. Wertschätzung erfuhren die Frauen selten. Sie sollten möglichst Söhne gebären, sie durften geschlagen und anders gezüchtigt werden. Ermorden aber durfte man sie nicht – darauf stand die Todesstrafe, die etwa in Konstanz an einem Gattinenmörder durch Schleifen und Rädern vollzogen wurde.

Sex an Fastentagen und sonntags war Sünde

Spaß an der körperlichen Liebe? Das war von kirchlicher Seite aus verboten – Sex sollte nur der Zeugung von Nachwuchs dienen, also war Geschlechtsverkehr etwa an Fastentagen, an Sonntagen, in den Wochen vor Weihnachten verboten und alles andere als die „Missionarsstellung zum Kindermachen war ebenfalls Sünde, dafür tat man Buße“, schmunzelte Siegmann.

Wenig überraschend: Männer durften sich sexuell betätigen,– da man(n) sonst vom vorzeitigen Tod hätte ereilt werden können. Frauen war das nicht gegönnt. Prostituierte standen als Investition unter dem Schutz eines Hurenwirtes und wurden gut verpflegt und gesundheitlich sowie im Alter versorgt, Städte wie Basel besaßen Hurenhäuser und profitierten anteilig von den Einnahmen. Übrigens: Nur weil Badehäuser und Hurenhäuser später im Mittelalter auf Druck der Kirche geschlossen wurden, konnte sich eine Seuche wie Syphilis so verheerend ausbreiten – die gesundheitliche Überwachung war verloren gegangen.