Efringen-Kirchen Drei Zugaben für jubelndes Publikum

Ines Bode
Oliver Kugel schilderte die Geschehnisse um die personifizierte vierbeinige Klugheit – dem gestiefelten Kater. Foto: Ines Bode

Das Jahreskonzert des Musikverein Egringen beschäftigte sich mit Mythen und Legenden.

Wenn die Mitglieder des Musikvereins Egringen um ihren Dirigenten Carl-Philipp Rombach zum Jahreskonzert einladen, darf es räumlich drei Nummern größer sein: Das Equipment wird in die benachbarte Mehrzweckhalle verfrachtet – diese war dann entsprechend voll besetzt und das jubelnde Publikum verlangte drei Zugaben.

Größer fiel auch das Motto aus: „Von Mythen und Legenden, von der Sonne und vom Kater“ – also der gestiefelte Kater. Bloß ein Märchen könnte man sagen. Dagegen sprechen zweihundert Illustrationen und hundert Übersetzungen von dem gewieften Helden. Soviel Ansehen erforderte einen Erzähler. Gewonnen wurde Oliver Kugel, der im Kostüm erschien und im Ohrensessel las. Er schilderte die Geschehnisse um den Müllersohn, der personifizierten vierbeinigen Klugheit und um „monsieur le marquis de Carabas“.

Die Partitur verstand sich aufs Storytelling: Dramatisch der Tod des Müllers, dessen ungerechtes Erbe letztlich Auslöser der Handlung war, und weiter das Skizzieren des Mächtigen mit schweren gediegenen Klängen, das Bad und die auftauchende Kutsche, die ein Überschlagen der Ereignisse malen. Zwischendrin suggeriert die Tonsprache, den Kater förmlich stiefeln zu sehen. Tempo scheint das Stilmittel, wenn der Antagonist sein Köpfchen benutzt. Klarinetten und Flöten dominieren den Siegesmoment mit der Maus, und dann folgt im Prinzip die Blitzhochzeit, wahrlich rasant interpretiert. Überhaupt scheint der Dirigent ein Faible für den triumphalen Schlussakkord zu haben, wie sich vernehmen ließ.

Die große Liebe

Zum Auftakt des Konzerts gab es das Strauss’sche Zarathustra, das man wieder öfter hört. Mit der Folge, dass man sich an den mit Verve geschwungenen Becken erfreuen kann. Das dritte Stück hieß „Der Traum des Oenghus“. Sprecherin Ronja Frey kündigte ein Poem an, das in Irland spiele, doch aus deutscher Notenschmiede stamme. Inhalt: Ein Königssohn sucht und findet die große Liebe. 45 Sekunden lang leitet das kaum hörbare Streicheln der Pauken ein – Schlagen wäre das falsche Wort. Den Zuhörer zieht es in den Bann und er lernt das melodische Leitmotiv kennen. Das Orchester meisterte die höchst anspruchsvolle Dynamik, die Flöte den Solopart der Angebeteten.

Vorhang auf

Nach der Pause hieß es „Vorhang auf“ respektive „Curtain up“, wie man am Broadway sagt. Um die Ecke, sprich in Manhattan, lebte lange der Komponist, der sechs Genres in ein Stück packte, Alfred Reed. Heraus kam ein typischer Broadway-Slang mit Walzer, Swing, Latin und Jazz. Ronja Frey zufolge erfordere das Werk eine große Instrumentierung, die mit den fünfzig Aktiven gegeben ist. Ein ungewöhnlich starkes Orchester, und „hintedra sind nomol sechzig Musiker“, wie der Vorsitzende Martin Frey mit seinen Zöglingen addierte.

Sturmgott wütet

Weiter ging es mit dem Holländer Eric Swiggers, der die japanische Legende von Amaterasu, der Sonnengöttin, schrieb. Tempo, urplötzliche Pause, erneutes Tempo, es war ein arges Gewüte des Sturmgottes, dem wiederum zarte Sequenzen der Sonne folgten. Wohl dem, der über ein Fagott verfügt, das mit Flöte und Pauke ein feines Solo spielte – den Tanz der Amaterasu.

Klassiker in Vollendung

Dann kam Mary Poppins. 2018 erschien der Musikfilm, in dem erneut Dick van Dyke mitmischt, 97 Jahre alt und nach wie vor aktiv. Das Medley warf einmal mehr die Frage auf, warum nur ein, zwei Songs zum Hit wurden, wobei es weitere mit Potenzial gibt.

Das Egringer sinfonische Blasorchester setzte den Klassiker vollendet um und so angetan, rief der Saal nach drei Zugaben.

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