Efringen-Kirchen „Ein Schlag nach dem anderen“

Efringen-Kirchen/Fischingen  - Frostnächte, die die Ernte bedrohen, und nun dürfen aufgrund der Corona-Krise auch keine Saisonarbeiter mehr aus dem Ausland kommen: Die Landwirte trifft es derzeit hart. Unsere Zeitung hat sich bei Betrieben umgehört.

Die Schäden durch den Frost lassen sich noch nicht genau abschätzen, erklärt Obstbauer Kevin Brändlin aus Huttingen. Aber sie seien massiv. „Mit den Aprikosen wird es dieses Jahr nichts mehr“, bedauert er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schon nach der ersten Frostnacht sei es um sie geschehen gewesen.

Er gehe davon aus, dass die Ernte in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfällt. „Aber manchmal hat man auch Glück und die verbliebenen Blüten gedeihen sehr gut und die Fruchtgröße ist optimal.“ Darum wolle er auch nicht komplett schwarzmalen. „Aber es tut weh.“ Dennoch hoffe er bei den Äpfeln und Kirschen das Beste.

Von Tag zu Tag hangeln

Am Mittwoch hat zudem das Bundesinnenministerium beschlossen, die Einreise von ausländischen Saisonkräften vorerst nicht mehr zuzulassen. „Ein Schlag nach dem anderen“, klagt Brändlin. Was das für die Betriebe bedeute, könne man noch nicht abschätzen. „Und auch die Existenz der Arbeiter steht ja auf dem Spiel“, betont er. Alternativen wie 450-Euro-Kräfte seien organisatorisch schwierig. „Wir können nicht jeden Tag mit anderen Leuten arbeiten.“ Im Normalfall kämen Kräfte, die seit Jahrzehnten eingearbeitet sind.

Bei der Gemüseproduktion, etwa beim Spargel, habe er schon reduziert, um das Risiko zu minimieren. „Wir sind Bauern, wir produzieren Essen und das mit Leidenschaft“, stellt Brändlin klar. Aber derzeit könne man sich nur von Tag zu Tag hangeln. „Es wird sich eine Lösung zeigen, wir dürfen den Kopf nicht hängen lassen“, gibt sich Brändlin aber auch zuversichtlich. Und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, die sich nun anbieten, schätze er. „Sie sehen es als Gemeinschafts-Aufgabe“, freut er sich.

"Chance, dass die Menschen aufwachen"

„Jede Krise bietet auch eine Chance“, meint Stefan Fünfschilling vom gleichnamigen Fischinger Betrieb. „Nämlich, dass die Menschen aufwachen.“ Man müsse sich bewusst machen, dass Landwirte Lebensmittel produzieren. „Diese sind lebensnotwendig, und wenn sie erfrieren, entsteht nichts.“ In der aktuellen Situation werde den Menschen hoffentlich bewusst, dass möglicherweise auch aus dem Ausland nichts komme. „Aktuell ist ja die Wirtschaft erfroren.“

In der Landwirtschaft hätten die Verantwortlichen „aufs falsche Pferd gesetzt“. „Tausende Flächen wurden aus der Produktion genommen und für andere Zwecke genutzt.“ Nach der Corona-Krise, aber auch generell gelte es definitiv umzudenken. „Das sage ich schon lange.“

Frostberegnung soll Pflanzen schützen

Fünfschilling setzt in seinen Anlagen auf Frostberegnung, um die Pflanzen zu schützen. Wie groß die Schäden sein werden, vermag auch er nicht zu sagen. „Das war gerade erst der Anpfiff des Spiels. Aber es war der denkbar schlechteste Start.“ Die Situation sei vergleichbar mit dem Frostjahr 2017. Aber die Zeit werde zeigen, wohin der Weg führt. „Es ist noch zu früh, um das sagen zu können.“ Wenn beispielsweise bei den Zwetschgen 90 Prozent der Blüten erfrieren würden, bestehe dennoch mit den restlichen zehn Prozent die Chance auf eine volle Ernte.

Mit Blick auf die Saisonarbeiter schätzt sich Fünfschilling noch glücklich: „Die erste Kultur, die ich ernten werde, ist die Kirsche, in rund drei Monaten. Was bis dahin ist, weiß man ja noch nicht. Aber bei anderen Betrieben sollen Spargel und Erdbeeren geerntet werden. Wenn niemand kommt, kann nicht geerntet werden“, betont der Fischinger Landwirt. „Und wenn das Spiel lange dauert, ist nicht nur die Ernte betroffen, sondern es geht auch ums Aussäen“, beschreibt er die „Kettenreaktion“.

Aber er will sich keinesfalls geschlagen geben: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und man hat jeden Tag die Chance, umzukehren. Wenn man auf eine Wand zufährt, sollte man das auch auf jeden Fall.“

Ebenfalls noch keinen kompletten Überblick hat Andreas Schopferer vom gleichnamigen Obst- und Gemüsehof in Egringen. „Und die Frostgefahr ist ja auch nicht vorüber.“

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