Efringen-Kirchen Eine Bank ohne Gewinnstreben

Weiler Zeitung
Marlies Billich hat die Zeitbank für Efringen-Kirchen initiiert.                          Foto: Marco Schopferer Foto: Weiler Zeitung

Efringen-Kirchen (mao). Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, in zwei Wochen soll in Efringen-Kirchen der Verein „Zeitbank plus“ gegründet werden. Möglichst schnell will man dann mit der konkreten Arbeit beginnen, um vor allem die Lebensqualität von Senioren zu steigern.

Die Idee ist bestechend einfach: Senioren helfen mal bei der Kinderbetreuung, Socken stopfen oder klöppeln und werden im Gegenzug von Vereinsmitgliedern zum Arzt oder zum Einkaufen gefahren, bekommen eine Einführung ins Internet und einiges mehr.

Vielfältig kann die gegenseitige Hilfe sein, wenn man weiß, wer ehrenamtlich wo mit anpacken kann. Als Greis ist man nicht nur hilfsbedürftig, sondern kann auch selbst oft noch ein Talent an Jüngere weitergeben. Der Verein „Zeitbank plus“ will hier, wie eine traditionelle Bank, Mittler zwischen Geber und Nehmer sein. Und doch unterscheidet sich der Verein grundsätzlich von einem Kreditinstitut: Es gibt kein Gewinnstreben, keine Zinsen und einen dauerhaften Dispokredit gewährt die „Zeitbank plus“ auch nicht.

„Das muss schon ein möglichst ausgeglichenes System von Geben und Nehmen sein“, sagt die Egringer Initiatorin Marlies Billich. Nur wer aus gesundheitlichen Gründen wirklich nicht kann, darf sich auch mal Zeitstunden von Helfern beim Verein mit harten Euros zukaufen. Das soll aber eher die Ausnahme bleiben.

Besser man spart sich in guten Zeiten ein Guthaben an – ganz wie bei der „echten“ Bank – und greift auf den nicht monetären Notgroschen dann in schlechten Zeiten zurück. Als einzige Währung kennt die Zeitbank allerdings nur die Stunde, keine Minuten noch Tage. „Was nicht in Stunden zu rechnen ist, müssen die Vereinsmitglieder besser unter sich aushandeln“, sagt Billich. Auf- und abrunden muss man ertragen können, für Pfennigfuchser ist das neue Banksystem also nichts. Zeitbankintern gibt es nur Schecks als Zahlungsmittel, die beim Verein eingereicht und den Konten zugebucht werden.

Der neue Bankverein hat nach Ansicht von Marlies Billich einen ganz besonderen Vorteil: Ältere Leute besinnen sich vielleicht auf ein Talent, das sie weiter geben können und bekommen vereinsintern die Hilfe, die sie brauchen. „Sie bekommen so auch wichtige soziale Kontakte“.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Mitgliedschaft bei einem Zeitbankplus-Verein für Ältere darüber hinaus die Familie entlastet, die Lebensqualität in den eigenen vier Wänden erhöht und die notwendige stationäre Pflege durchaus signifikant hinauszögern kann. Und da man selber was gibt, fällt das Empfangen der Hilfe auch leichter.

Angetan ist auch der Landkreis Lörrach von der Idee. Finden sich bis Ende November mindestens 30 Zeitbank-Mitglieder in Efringen-Kirchen, unterstützt der Landkreis das Projekt mit 1000 Euro. Geld, das man fürs Startkapital, beispielsweise für die Zeitgutscheine, gut brauchen kann. Jedes Neumitglied bekommt ein Scheckheft über fünf Stunden geschenkt. 36 Euro kostet die Jahresmitgliedschaft, 60 Euro die Familienmitgliedschaft.

u  Kontakt: Marlies Billich Tel. 07628 / 2271, E-Mail: info@gaestehaus-sonne-egringen.de; Cornelia Merz, Tel. 0176 / 39262459, E-Mail: cornelia-merz@web.de.

Der Verein fördert zivilbürgerliches Engagement nach demokratischen Prinzipien. Zur Verbesserung des sozialen Klimas soll er dazu beitragen, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Alt und Jung durch Strukturen zu überbrücken und Kooperationen an Stelle von Isolation sowie Gemeinwohl an Stelle von Eigennutz zu setzen. Das Wohl und die Würde des Menschen, unabhängig von seinem sozialen Status, sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Der Verein ist überparteilich und überkonfessionell.

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