Efringen-Kirchen Erfahren, was Politik bewirken kann

Landtagsabgeordneter Rainer Stickelberger (links) und der Vorsitzende des SPD-Ortsverbands, Armin Schweizer, gratulierten Julia Schweizer zur zehnjährigen Parteimitgliedschaft. Foto: Joachim Pinkawa Foto: Weiler Zeitung

Von einer vermehrten Zusammenarbeit zwischen politischen Organen und Jugendlichen sollen nach Meinung der SPD künftig in Efringen-Kirchen beide Seiten profitieren. Die Parteien könnten sich dadurch verjüngen, während die Anliegen der Jugend stärker ins öffentliche Interesse rücken

Von Joachim Pinkawa

Efringen-Kirchen. Zur Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Efringen-Kirchen konnte Vorsitzender Armin Schweizer am Donnerstagabend in der TuS-Gaststätte Im Hölzele neben dem Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger auch Fritz Kaspar und Juliana Bieg vom Juso-Kreisvorstand Lörrach sowie Jugendpfleger Jens Künster von der Caritas begrüßen.

Zunächst wurde Rudolf Schmidt als ausgeschiedenes Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Efringen-Kirchen verabschiedet. Schmidt, der seit über zehn Jahren der SPD angehört, Mitglied des Gemeinderats war und mehrere Jahre auch im Vorstand der Ortsgruppe mitwirkte, schied auf eigenen Wunsch aus und wurde für sein Engagement mit einer Laudatio und einem Geschenk von Armin Schweizer gewürdigt. Für zehnjährige Mitgliedschaft in der SPD wurde anschließend Julia Schweizer geehrt.

Nachdem Armin Schweizer kurz einige aktuelle Veranstaltungen reflektierte, artikulierte er die aktuell spannende Stimmung für den Bundesparteitag mit Vorstandswahlen, zahlreichen Anträgen und Diskussionen zur besseren Profilierung der Partei. Mit dem Hinweis auf die „Repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl 2019“, wonach die SPD bei den Wählern im Alter von 18 bis 24 Jahren mit 8,5 Prozent ihren geringsten Stimmenanteil hatte, leitete Schweizer zum Schwerpunktthema des Abends über. Als offene Gesprächsrunde standen die politischen Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche in Efringen-Kirchen zur Diskussion.

Unter Bezug auf Schlagworte wie „Politikverdrossenheit“, „Altherren-Riegen in den Parteien“ und dem Durchschnittsalter von über 60 Jahren bei den Parteimitgliedern der Volksparteien sowie der seit einiger Zeit breit beschworenen Forderung nach „Verjüngung“ für zeitgemäße Politik sagte Schweizer: „Wir müssen auch als Ortsverband unsere Attraktivität updaten und uns um die politische Beteiligung junger Menschen bemühen.“

Eine generelle Politikverdrossenheit junger Menschen wurde in mehreren Meinungsäußerungen mit Hinweis auf die Bewegung „Fridays for Future“ verneint und eher als Parteiverdrossenheit mangels klarer politischer Positionierung der Parteien angesehen.

Verschiedene Formate sollen die politische Teilhabe befeuern

Politische Profilierung generell und insbesondere auch auf lokaler Ebene kristallisierte sich generell heraus. „Wir dürfen die Jugendarbeit nicht überfordern, sondern sollten die eigene Dynamik der jungen Menschen akzeptieren“, formulierte Rainer Stickelberger seine Erfahrungen aus zahlreichen Projekten. Er hinterfragte gleichzeitig die „Jugendansprache“ kritisch: „Sind wir unattraktiv, weil uns die faszinierenden Themen fehlen? Die SPD muss einfach offener werden, auch mal etwas riskieren“, lautete sein Fazit.

Die „jungen“ Gäste aus Jusos und SPD konnten sich den Meinungsäußerungen nicht nur anschließen, sondern mit ergänzenden Erfahrungen und Ansichten beflügeln.

Jugendpfleger Jens Künster führte dazu seine Erfahrungen aus dem Jugendzentrum aus und untermauerte seine Ansichten mit erfolgreichen Projekten, wie einem filmpädagogischen Angebot, Workshops oder einem „Jugend-Hearing“ („Runder Tisch“) und mehr. „Die Jugend hat ein Partizipationsrecht und muss in politische Prozesse eingebunden werden, um Berührungsängste und mangelndes Verständnis abzubauen“, hob Künster hervor.

Der Jugendpfleger bekräftigte diesbezüglich sein Bestreben zur Schaffung eines „Jugendgemeinderats“ oder „Jugendparlaments“ als politische Beteiligungsformen, „bei denen die jungen Menschen direkt erfahren, was Politik bewirken und erreichen kann“.

Formate wie „Politik und Pizza“, das Jugend-Hearing und das Jugendparlament, aber auch eine rege Diskussionskultur mit den Jugendlichen sollen den Prozess befeuern. Die Versammlung war sich einig: „Wir müssen mit den Jugendlichen sprechen, nicht nur über sie.“

Im Anschluss an den offiziellen Teil klang der Abend bei angeregten Gesprächen gemütlich aus.

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