Efringen-Kirchen „Es findet sich immer eine Lösung“

Die gegenseitigen Hilfeleistungen wie Einkaufen können trotz Corona-Pandemie weiterlaufen. Foto: sba/Roland Weihrauch

Efringen-Kirchen - Vieles ist bei der Zeitbankplus derzeit im „Corona-Schlaf“, vieles läuft aber auch in Pandemie-Zeiten noch. Beim gegenseitigen Geben und Nehmen spielen die dezentralen Strukturen dabei weiterhin eine entscheidende Rolle.

Die vielen Unternehmungen der Zeitbankplus-Mitglieder wie etwa Ausflüge, die Monatstreffen oder auch die Pflanzentauschbörse können aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden, berichtet Marlies Billich vom Efringen-Kirchener Verein. „Das ist natürlich schade“, aber man müsse sich, so gut es geht, mit der Situation arrangieren.

Mut machen via Internet

Der Austausch unter den Mitgliedern habe sich teils auf neue Ebenen verlagert. Man unterstützt sich auf vielfältige Art und Weise und nutzt dabei die zur Verfügung stehenden Mittel der Kommunikation. „Es wurde zum Beispiel einfach ein Frühlingsgedicht per Mail verschickt“, berichtet Billich von einer Aktion, mit der den Mitgliedern Mut in schweren Zeiten gemacht werden soll.

Auch Buchempfehlungen, die per E-Mail verschickt werden, seien ein wichtiger Beitrag. Nicht nur aufgrund ihres praktischen Nutzens bei der Auswahl der Lektüre, sondern auch, weil sie dazu dienen können, untereinander ins Gespräch zu kommen. Wie bei anderen Vereinen spielt auch für die Zeitbankplus die Verlagerung ins Digitale während der Krise eine bedeutende Rolle.

Für die Organisation vieler anderer Aktionen, für die die Zeitbankplus die Schnittstelle darstellt, ist die dezentrale Struktur von entscheidender Bedeutung. So können etwa bei Anliegen von Mitgliedern aus Efringen-Kirchen auch Mitglieder aus Lörrach oder dem Mittleren Wiesental aushelfen. „Es findet sich immer eine Lösung“, sagt Billich. Gleichzeitig betont sie, dass sich diese Lösungen selbstverständlich alle im Rahmen dessen bewegen, was gesetzlich derzeit möglich ist.

E-Rikscha und andere Ideen

Bei der Zeitbankplus in Lörrach sieht es derzeit ähnlich aus: Während Ausflüge und das gemeinsame Treffen nicht stattfinden können, bleiben die gegenseitigen Hilfeleistungen wie Einkaufen und Fahrdienste bestehen. Gut angenommen wird derzeit der Telefondienst. „Damit wollen wir unseren Mitgliedern zeigen, dass wir sie nicht vergessen“, sagt die Vorsitzende der Zeitbankplus Lörrach, Gabi Vögtlin.

Zudem hat sich der Lörracher Verein zwei Diktiergeräte angeschafft.  Nach und nach sollen ältere Bürger zu ihrer Geschichte interviewt werden. „Das soll Abwechslung bieten und gleichzeitig dient es dazu, die Geschichten in einem ,Erzähl doch mal’-Zeitbank-Buch festzuhalten.“

Derzeit sammelt der Lörracher Verein Spenden für eine E-Rikscha, um älteren Menschen eine Ausfahrt zum Arzt, in die Stadt oder einfach an die frische Luft zu ermöglichen. „Das Angebot ist für alle Bürger, die nicht mobil sind“, erklärt die Vorsitzende.

In Kooperation mit der Lörracher Aktion „Boxenstopp“ kochen die Zeitbank-Mitglieder warme Mittagessen für Kinder, die coronabedingt in der Schule keines bekommen. „Wir bieten auch kurzfristige Hilfe für alle Menschen an. Wir lassen keinen hängen“, betont Vögtlin.

Dass die Zeitbankplus so dezentral wie möglich agiert, ist Marlies Billich auch unabhängig von Corona ein großes Anliegen. Denn der Kreis der Personen, die sich gegenseitig unterstützen können, müsse möglichst groß sein.

Dabei betont sie, dass bei der Zeitbankplus nie einseitig agiert wird. Auch wenn ein Mitglied Hilfe etwa beim Einkaufen oder Spazierengehen in Anspruch nehme, bestehe immer die Möglichkeit, etwas zurückzugeben, zum Beispiel Kenntnisse zu einem alten Handwerk oder Ähnliches.

Letztlich aber, so betont Billich, gehen die Kommunikation und die Aktivitäten bei der Zeitbankplus Hand in Hand – gerade während der Corona-Pandemie, in der es einfach auch von großer Bedeutung sein kann, sich gegenseitig aufzumuntern. „Es geht manchmal auch einfach darum zu zeigen, dass man nicht allein ist auf der Welt“, bringt es Billich auf den Punkt. Ideal wäre es für sie daher, wenn es in jedem Ort eine Zeitbankplus geben würde.

Auszeichnung erhalten

Mit Blick auf eine Normalisierung der im Moment noch durch das Corona-Virus bestimmten Situation sei es schwierig, eine Prognose abzugeben, sagt Billich. Auf ein erstes leichtes Aufatmen hofft sie aber im Sommer. Auch 2020 habe unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln im August eine Versammlung stattfinden können. Vielleicht sei dies auch dieses Jahr möglich, hofft sie.

Indes betont Marlies Billich auch besonders die Auszeichnung, die der Zeitbankplus-Verein Lörrach im Rahmen des Wettbewerbs für ein gesundes Miteinander in Baden-Württemberg jüngst gewonnen hat. Denn eben aufgrund der so wichtigen dezentralen Strukturen sei es eine Auszeichnung, über die man sich auch in Efringen-Kirchen oder im Mittleren Wiesental freue.

„Es ist ganz toll, dass die Zeitbankplus und ihr Modell auf der nächsthöheren Ebene Aufmerksamkeit bekommt“, sagt Vögtlin. Bisher blieb die Bekanntheit auf Mitglieder-Ebene. Doch das soll sich künftig ändern: „Es ist mein Anliegen, dass es in jeder Stadt und Ortschaft einen Zeitbankplus-Verein gibt, sodass sich die Menschen über einfache und kurze Wege gegenseitig helfen können – ohne Geld, aber mit hohem Erfolgsfaktor.“

Der Countdown läuft: nur bis zum 22. Mai - Sichern Sie sich Ihre SUPERPRÄMIE! Gleich HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

urn-newsml-dpa-com-20090101-191029-99-500330_large_4_3.jpg

Die neue Landesregierung will mehr Cannabis für den Eigenbedarf tolerieren. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading