Efringen-Kirchen Feuchtes Wetter und höhere Preise

Beatrice Ehrlich
Wer selbst Tierfutter anbaute, profitierte 2021 von den höheren Preisen, andere machten empfindliche Verluste. Foto: Fotos: B. Ehrlich   

Die Corona-Krise hat den Landwirten und Winzern im Markgräflerland nur wenig anhaben können: Die Nachfrage nach regionalen Produkten nimmt seitdem eher zu. Trotzdem gibt es auch Sorgen.

Von Beatrice Ehrlich

Rebland. Die steigende Nachfrage nach in der Region hergestellten Produkten stimmt die Landwirte im Rebland positiv. Vor allem bei Sonderkulturen wie Wein und Obst machten den Bauern Frostschäden, Pilzbefall und die Kirschessigfliege dzu schaffen.

Heinz Kaufmann ist Landwirt und Gemeinderat in Efringen-Kirchen. Als Kreisvorsitzender engagiert er sich im Bauernverband BLHV. So ist er immer informiert, wie es bei den Kollegen läuft. Landwirte, die sie sich auf Ackerbau und Grünland spezialisiert haben, und Viehhalter, die ihr Futter selbst anbauen, hätten im vergangenen Jahr keinen Grund zur Klage gehabt, sagt er. Durch die ausgiebigen Regenfälle hätten ausreichende Erträge erwirtschaftet werden können.

Genau umgekehrt sei es im Weinbau gewesen: Zu viele Pilzinfektionen in den Reben hätten den Winzern das Leben schwer gemacht, hinzu kamen Frostschäden im Frühjahr, sowohl beim Wein als auch im Obstbau. Insgesamt könne man aber zufrieden sein, stellt er fest. Die Erzeugerpreise hätten angezogen. Dafür macht er vor allem die Lage am Weltmarkt und Transportengpässe verantwortlich. Umgekehrt würden die Landwirte ihrerseits durch höhere Preise belastet: beim Bauen, beim Kauf vom Dünger, oder wenn sie Futtermittel für Tiere zukaufen müssen. Auch in diesem Jahr sieht Kaufmann Probleme auf die Landwirte zurollen, die eigentlich keine neuen sind: So würden neue Vorschriften im Pflanzenschutzbereich – also zum Einsatz von Spritzmitteln – den Anbau von Sonderkulturen wie Wein und Obst noch schwieriger machen, fürchtet er.

Dies betreffe insbesondere jene Lagen, die an FFH- oder Naturschutzgebiete angrenzten, präzisiert er. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden. Im Markgräflerland gibt es solche Gebiete unter anderem in der Rheinebene zwischen Weil und Neuenburg. Da die Anforderungen an die Erzeuger insbesondere im Bereich Steinobst so hoch seien, fordert er Einfuhrbeschränkungen für Ware aus dem Ausland, die diesen Standard nicht erfüllt.

Für Hagen Rüdlin, geschäftsführender Vorstand der Markgräfler Winzer eG, hat sich die anfangs des Jahres gehegte Hoffnung auf ein Ende der Corona-Krise nicht erfüllt. Die Winzer seien mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert gewesen: Zu den Frostschäden im Frühjahr kam mehr Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wegen des anspruchsvollen Vegetationsverlaufs. Damit einher ging ein „sehr kleiner Herbst“, der die Markgräfler Winzer nun vor das Problem stelle, weniger Wein vermarkten zu können. Schon im Vorjahr lag der Ertrag um 15 Prozent unter dem Zehnjahresschnitt, 2021 sogar 30 Prozent darunter.

Kostensteigerungen bei den „Trockenmaterialien“ – Flaschen, Verschlüsse – hätten auch den Markgräfler Winzern zu schaffen gemacht, so Rüdlin. Dennoch schaue man positiv in die Zukunft: Indem man sich Änderungen im Konsumverhalten anpasse – Stichwort: Online-Vermarktung und Präsenz in Social Media – fühle man sich bestens aufgestellt.

Mit großen Problemen hatte der Huttinger Obstbauer Markus Schörlin am Jahresanfang zu kämpfen. Die Fröste im April hätten bei den Zwetschgen zu einem Totalausfall geführt, bei Kirschen und Birnen zu einer Ertragseinbuße von 50 Prozent. Über eine Rekordernte konnte er sich allerdings bei seinem Paradeprodukt – den Äpfeln – freuen. Die vielen Niederschläge im Sommer, die für die Kirschen leider oft zum falschen Zeitpunkt kamen, hätten den Äpfeln gut getan, auch wenn diese wegen des „dunklen Mais“ kleiner ausgefallen seien als sonst üblich.

Ein sehr persönliches Statement gibt Georg Denzer vom Weingartenhof, Fischinger Gemeinderat und Aufsichtsratsvorsitzender der Markgräfler Winzer eG: Die Frostnächte im April, ein kühler Mai und viele Niederschläge im Sommer hätten 2021 zu einem herausfordernden Jahr werden lassen: „Das war anstrengend, im Weinbau und für die gesamte Landwirtschaft. Doch das ist unser Beruf: mit den Witterungen, die uns die Natur gibt, zu arbeiten.“ Die Arbeit als Landwirt könne viel Freude bereiten, und manchmal einfach auch nicht, so sein Fazit.

Ein Grund zur Freude war für ihn im Jahr 2021, dass die Leute immer mehr regional einkaufen, sei es beim Wein, Obst und Gemüse und vielem mehr. Für das kommende Jahr wünscht sich Denzer, dass jedem weiterhin wichtig ist, woher sein Essen und Trinken kommt.

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