Efringen-Kirchen „Fürenand“ muss sich neu aufstellen

Die Betten werden für 320 Flüchtlinge nicht mehr ausreichen. Foto: Marco Schopferer Foto: Weiler Zeitung

Efringen-Kirchen (mao). Die Flüchtlingszahlen in Efringen-Kirchen steigen; aber auch die Welle der Solidarität wird im Dorf immer größer. Bei einem kürzlichen Treffen der Paten- und Begleitgruppe des Asylkreises „Fürenand“ im Keller des Museums „Alte Schule“ kamen rund 50 Interessierte.

Die meisten waren Neulinge und wollten sich informieren, welche Hilfe die Einheimischen für die Asylbewerber leisten können. Rund 130 Helfer zählt der Freundeskreis in seiner Kartei bereits; und fast tagtäglich werden es mehr. Für Chris Bley, eine der Verantwortlichen, ist das ein „richtig starkes Zeichen in diesen Zeiten brennender Flüchtlingsheime.“

Auch in Efringen-Kirchen hat man Angst vor solchen Situationen. „Wir leisten hier solch eine erfolgreiche Arbeit; das könnte auch rassistische Neider und Hasser anziehen“, heißt es von einem Bürger. Ausdrücklich befürworteten die Anwesenden deshalb, dass der Landkreis nun im Heim einen Sicherheitsdienst rund um die Uhr installiert.

Aber auch sich selbst will der Freundeskreis ganz neu aufstellen. Die Nachricht von 320 in Efringen-Kirchen lebenden Flüchtlingen ab kommenden Mittwoch überraschte. Schon mit 120 Bewohnern in der Flüchtlingsunterkunft hatte man alle Hände voll zu tun, fehlten durchaus auch Begleitpersonen und Fahrer zu Arztterminen, Behördenbesuchen oder auch nur zur Kleiderkammer in ­Istein.

Die dortige Leiterin Hannelore Basset sprach dann auch Klartext: Unter den aktuellen Umständen kämen die Bewohner nur einmal im Jahr in den Genuss eines Kleiderkammerbesuches. Viel breiter müsse die ehrenamtliche Hilfe aufgestellt werden und auch ein besserer Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr geschaffen werden.

Gerade mal zwei übertragbare Monatstickets stehen demnach den aktuell 220 Flüchtlingen zur Verfügung. Gegen ein Pfand von 25 Euro können diese ausgeliehen werden. Mindestens 20 übertragbare Monatsfahrkarten sind nach Einschätzung des Freundeskreises notwendig, um die Fahrten zu Behörden und Ärzten zu organisieren.

Hilfe, die nichts kostet

Ohne größere Kosten sollen dahingegen ganz neue Ideen auskommen. Beschlossen wurde, dass zwei Trainer nun eine eigene Fußballmannschaft ausbilden, um zur Einweihung des Bolzplatzes in ein paar Wochen bei einem Freundschaftsspiel gegen Einheimische anzutreten. Auch suchen die Helfer Musikinstrumente, um eine eigene Flüchtlingsband auf die Beine zu stellen.

Bouleturniere und Männerstammtische sollen darüber hinaus die Integration beflügeln und ein Teil der Willkommenskultur sein. Schon jetzt treffen sich jeden Mittwochmorgen Bewohnerinnen mit deutschen Frauen zu einem zwanglosen Brunch.

Doch ab kommender Woche wird vieles anders. Dann, wenn nicht 179, sondern 320 Bewohner neben dem Katzenbergtunnel wohnen werden und die Zeltsiedlung aufgebaut sein wird. Dann reichen weder die ehrenamtlich organisierten Fahrmöglichkeiten noch die Leihfahrräder für die Flüchtlinge aus.

„Jeder, der helfen kann, ist willkommen, und sei die Hilfe auch noch so klein“, warb Bley um jeden Unterstützer. Gesucht werden Paten, Behörden- oder Arztbegleiter, gelegentliche Fahrer, Mitarbeiter bei der Fahrradwerkstatt und der Kleiderkammer „und alle, die eine Idee haben, aber auch anpacken“, so Bley.

u www.asylkreis-fürenand.de

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