Efringen-Kirchen Genossenschaftsgedanke gegen den Marktdruck

Qualitativ gute Zwetschgen brachten den Erzeugern im Markgräflerland gute Preise. Foto: Ralph Lacher Foto: Weiler Zeitung

Blansingen (os). Die Obstbauern im Markgräflerland und im südlichen Südbaden hatten im vergangen Jahr mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. Darunter fielen das Wetter und die Marktbedingungen. Auch die politischen Zwänge wie Pflanzenschutzbeschränkungen, Dokumentationspflicht in Sachen Arbeitszeiten und Mindestlohn sowie die Diskussion um „Pro Biene“ und den Klimawandel plagten die Obstbauern.

Trotzdem war die Stimmungslage beim „Markgräfler Steinobsttag“, von der Kreisobstbauberatung des Kreises Lörrach und dem Kreisobst- und Gartenbauverband aus Schliengen veranstaltet, nicht schlecht. Rund 90 Erzeuger kamen in die Blansinger Wolferhalle, wo neben Fachthemen aus Anbau und Pflanzenschutz vor allem die Marktsituation im Fokus stand.

Der Geschäftsführer des Erzeugergroßmarkts Südbaden (EGRO) und dessen vorgeschalteter Vermarktungsorganisation Obst- und Gemü severtrieb Südbaden (OGS), Lorenz Boll, sprach in seinem Vortrag davon, dass die Erzeuger im schwierigen Jahr 2019 gut gearbeitet hätten und man so dem steigenden Marktdruck einigermaßen begegnen konnte.

Wie Boll ausführte, verlief die Spargelernte als Startprodukt mit 600 Tonnen eigenem Spargel und 2,8 Millionen Euro Umsatz enttäuschend. Die Preissituation sei allerdings hier nicht schlecht gewesen.

Auch bei den Erdbeeren zeigte sich, dass Mindermengen bei entsprechender Qualität durchaus gute Preise erzielen. Mit 2000 Tonnen Erdbeeren lag der EGRO mit 750 Tonnen unter dem Vorjahr. Der Erlös mit 5,5 zu 5,9 Millionen sei nicht so stark wie der Mengenmindererlös gewesen, rechnete Boll hoch.

Diese Entwicklung verzeichnete der Großmarkt auch bei den Steinobstsorten. Bei den Tafelkirschen erlöste der Großmarkt für 540 Tonnen 1,6 Millionen Euro, nur knapp weniger als mit 830 Tonnen in 2018. Ebenso bei den Industriekirschen, wo man für 670 Tonnen in 2019 und damit für 100 Tonnen weniger als im Vorjahr mit 640 000 Euro dasselbe Ergebnis erzielte.

Gute Preissituation

Die gute Preissituation sei auch der Tatsache geschuldet, dass man die gewünschte Qualität nicht nur von den Erzeugern geliefert bekam, sondern ihnen in Efringen-Kirchen erstmals die Möglichkeit gab, ganztags Kirschen zur Kühlung anzuliefern. Außerdem seien die „Schwarzwaldkirschen“ vom Lebensmitteleinzelhandel gut nachgefragt worden.

Zwetschgen vermarktete man im Jahr 2019 mit 2000 Tonnen für 1,7 Millionen Euro. Im Vorjahr habe man mit 3300 Tonnen lediglich 200 000 Euro mehr erzielt. Mirabellen wurden bei 79 Tonnen für 120 000 Euro vertrieben, 2018 hatten 227 Tonnen 300 000 Euro ergeben.

Boll sagte abschließend zur Gesamtsituation des EGRO, dass man mit dem erzielten Geldumsatz von rund 12,8 Millionen Euro angesichts eher schwieriger Witterungsverhältnisse zufrieden sein könne.

Allerdings sei der Umsatzrückgang um die 20 Prozent im Vergleich zu 2018 (damals 15,5 Millionen Euro) hoch. „Wir haben gut gearbeitet und bei unseren Kunden ist die Qualität unserer Erzeugnisse geschätzt“, sagte Boll und blickte verhalten zuversichtlich ins begonnene Jahr.

Einmal mehr betonte er, dass es unabdingbar sei, gemeinsam den Genossenschaftsgedanken hoch zu halten. Der Großmarkt benötige eine kontinuierliche Belieferung durch die Erzeuger. Auch deshalb, weil die großen Ketten im Lebensmittelhandel immer strengere Auflagen macht: angefangen von Lieferzusagen, die bereits im November des Vorjahres für die Ernte des nächsten Jahres angegeben werden müssten. Hinzu kämen das Vornehmen der Qualitätskontrollen bis hin zu solchen, die den Sozialstandard überprüfen.

„Der Preisdruck wird anhalten. Begegnen können wir ihm nur mit einem koordinierten Erzeuger-Vermarkter-Zusammenspiel“, betonte der Geschäftsführer und sagte, dass man um die Bedeutung der Wochenmärkte und der Direktvermarktung wisse.

Trotzdem sei die genossenschaftliche Vermarktung, eben die über den EGRO, das entscheidende wirtschaftliche Standbein der Obst- und Gemüseerzeugung im Markgräflerland und am Kaiserstuhl.

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