Efringen-Kirchen Größerer Zusammenhalt, aber auf Abstand

Beatrice Ehrlich
Fußball, Blasmusik und Mittagstisch: Trotz Corona war vor allem im Sommer 2021 einiges los. Daran hatten auch die vielen ehrenamtlichen Helfer ihren Anteil. Foto: Fotos: Lacher (2), Ehrlich, zVg

Nicht alles war schlecht in diesem Jahr, trotz Corona. Dennoch ist der Wunsch übermächtig, bald wieder zum normalen Leben zurückzukehren.

Von Beatrice Ehrlich

Rebland. Wir haben Menschen aus Efringen-Kirchen, Eimeldingen und Fischingen gefragt, was gut war, was ihnen Sorgen bereitet oder was sie auch einfach nur nervt.

Andrea Wahler, Ortsvorsteherin in Blansingen: Wir haben viel erreicht in diesem Jahr. Beim Thema Glasfaser, bei den Straßen und Baustellen haben wir große Fortschritte erzielt. Doch es gab auch die negative Seite. Die Dorfgemeinschaft musste auf vieles verzichten, gerade die Älteren. Wir mussten den Neujahrsempfang absagen. Das Zusammenkommen fehlt uns, wir bauen auf das neue Jahr.

Wir hatten 15 Todesfälle, darunter drei „Unikate“, darunter haben alle im Dorf irgendwie gelitten. Sehr glücklich sind wir darüber, dass wir es trotz des Todes von Günter Henn geschafft haben, das Ortsfamilienbuch fertigzustellen. Persönlich war das für mich ein anstrengendes Jahr mit viel Arbeit. Alles war aufwändiger als sonst und auch mir fehlt die Gemeinschaft – die Arbeit ist eintöniger als sonst. Ich bin froh, wenn es jetzt ruhiger wird.

Stephan Windmüller, Vorsitzender und Posaunist beim Musikverein Istein: Positiv war für uns, dass wir von Juni bis Ende November wieder proben konnten. Die Ortsverwaltung hat uns dafür freundlicherweise die Halle zur Verfügung gestellt. Bei einem Platzkonzert auf dem Schulhof im Oktober haben wir dann auch einen Teil unseres Repertoires vorstellen können.

Insgesamt konnte aber das Vereinsleben nicht so stattfinden wie vor Corona: Das Jahreskonzert und das Weihnachtskonzert mussten wir absagen, auch die Feste fehlen, nicht nur wegen dem Geld, sondern auch wegen dem Kameradschaftlichen. Auch das Privatleben war eingeschränkt. Ich bin aber froh, dass wir trotzdem Urlaub machen konnten, statt mit dem Flugzeug in die Ferne ging es bei uns mit dem Auto nach Südtirol, Deutschland und Österreich. Es ist uns gelungen, das Beste daraus zu machen, zumindest im Sommer. Für das kommende Jahr wünsche ich mir, dass wir die Pandemie in den Griff kriegen. Unsere Konzerte und das Sommerfest werden wir wieder planen, sind aber auf eine kurzfristige Absage vorbereitet.

Ingrid Rupp, Köchin beim Seniorenmittagstisch Eimeldingen: Was schön ist: Ich habe das Gefühl, dass der Zusammenhalt größer geworden ist, sowohl in der Familie als auch in der Gesellschaft. Man lenkt den Blick mehr auf das Wesentliche und lässt Bedeutungsloses beiseite. Beim Seniorenmittagstisch war der schönste Moment, als wir im Sommer wieder mit dem Kochen beginnen konnten. Im Grunde war doch im vergangenen Jahr alles auf Corona bezogen. Man sehnt sich nach dem ganz normalen Leben, ohne ständig auf Zahlen zu schauen oder sich fragen zu müssen, ist das Gegenüber jetzt coronafrei oder nicht. Ganz konkret haben wir die nähere Umgebung wieder schätzen gelernt, die Heimat. Urlaube sind geschrumpft, auf ein paar Tage Radfahren, eine Fahrt an den Bodensee, oder ein Treffen mit alten Freunden. Die allgemeine Gelassenheit fehlt mir. Ich fühle mich in meinen persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt: Ob es die Kultur ist oder der Sport – ich freue mich jetzt schon, wieder hinzugehen.

Karl-Friedrich Hess, Gemeinderat in Efringen-Kirchen: Was mich gut stimmt, ist, dass wir beim Ehrenamt so gut bestückt sind, sei es mit der Seniorenbetreuung, den Corona-Impfungen, dem Bürgerbus und ganz, ganz vielem mehr. Ich habe den Eindruck, dass das von der Gemeinde nicht immer hinreichend gewürdigt wird. Da würde ich mir eine bessere Kommunikationsbasis zwischen der Verwaltung und den ehrenamtlich Engagierten wünschen. Wir haben Glück, dass sich Corona nicht so sehr auf unsere Finanzen ausgewirkt hat wie das in anderen Gemeinden der Fall ist, zum Beispiel durch den Wegfall von Eintrittsgeldern. Mit Sorgen blicke ich auf die Personalsituation bei der Ganztagesbetreuung im Kindergarten. Diesem Thema sollten wir mehr Aufmerksamkeit schenken. Als Motivation spielt da bei weitem nicht nur die Bezahlung eine Rolle, sondern auch ein gutes Arbeitsklima und dass die Arbeit Spaß macht.

Michael Frey, Vorsitzender des FC Huttingen: Persönlich und vom Verein her glücklich gemacht hat mich, dass unser bekanntes Grümpelturnier im Sommer neun Tage lang stattfinden konnte. Es waren gut 20 Mannschaften beteiligt, die Huttinger Güggeli kamen wie immer bestens an. Rund 200 Personen waren dafür von der Vereinsseite her im Einsatz.

Wir hatten dafür ein spezielles Hygienekonzept erarbeitet und eine Teststation am Eingang eingerichtet. Die Gästezahl war auf 750 beschränkt. Eine neue Arbeitsstelle ist für mich ein weiterer Grund zum Freuen im Jahr 2021. Auf der anderen Seite belastet uns die Corona-Pandemie: Alles steht, alle Kontakte fehlen. Man lebt damit, hat aber keine Freude daran!

Harald Lehmann, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Fischingen: Am Anfang des Jahres war die Freude groß über den Impfstoff, man hat gehofft, dass es jetzt nur noch bergauf geht. Leider kam es anders. Die strengen Vorschriften treffen uns auch bei der Feuerwehr: Bei Übungen und im Einsatz müssen wir FFP2-Masken tragen und die 2G-plus-Regel einhalten. Die Kameradschaft kränkelt, das macht mir große Sorgen. Aktivitäten wie Grillfeste, Ausflüge und Weihnachtsfeiern sind seit zwei Jahren komplett eingestellt. Auch an die Durchführung des Herbstfests war nicht zu denken, deshalb fehlen uns Einnahmen. Es stellt sich die Frage: Ist ein solches Fest mit Hygienekonzept überhaupt möglich? Unser erster To-go-Verkauf von Suppenfleisch und Hähnchen war zwar sehr erfolgreich, aber kein vollwertiger Ersatz. Persönlich wünsche ich mir, dass ich bald wieder in Österreich Ski fahren kann.

Axel Moick, ehrenamtlicher Bürgermeister von Fischingen: Froh bin ich, dass wir in diesem Jahr geschafft haben, was wir uns vorgenommen haben: Unterhaltsarbeiten und den Gedenkstein für das anonyme Gräberfeld. Was mich nervt: Die Flut an Coronavorschriften. Es ist schwer, sich an alles zu halten. Positiv vermelden kann ich, dass ich nie so wenig krank war wie in diesem Jahr. Die Impfungen habe ich gut vertragen, was der GVV mit seiner Impfaktion auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend.

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