Efringen-Kirchen Große Schritte Richtung Optimismus

Efringen-Kirchen - Als Peter Frankenhauser nach sechs Stunden auf seine GPS-Uhr schaut, zeigt sie eine zurückgelegte Distanz von 50,27 Kilometern an. Aufgrund der Corona-Bestimmungen hat er seinen Langstreckenlauf auf einer selbst gewählten Route in Efringen-Kirchen ohne andere Sportler und ohne Publikum, dafür aber mit reichlich Optimismus und Kampfgeist absolviert. Denn für den Sportler ist klar: „Kein Virus stoppt den Lauf.“

Geplanter Lauf konnte nich stattfinden

Ausschlaggebend für Peter Frankenhausers „Privat-Marathon“ am Samstag – der letztlich zu einem Sechs-Stunden-Lauf wurde – war die derzeitige Corona-Situation. Alles hatte damit angefangen, dass er an einem Lauf in Bonn teilnehmen wollte. „Wie so viele andere Veranstaltungen konnte der aber nicht stattfinden.“

Die Absage kam zu einem – aus sportlicher Sicht – kritischen Moment und fiel genau in die Zeit, in der die Läufer, die sich auf die Teilnahme vorbereiten, ihre maximale Trainingsleistung erreicht haben. Körper und Geist sind auf die anstehenden Höchstleistungen ideal vorbereitet. Wenn dann die Absage kommt, drohe man in ein Loch zu fallen, erklärt Frankenhauser. Für ihn war daher schnell klar: „Ich laufe weiter.“ Nicht nur habe er durch die Corona-Krise mehr Zeit gehabt, auch sei der Sport als Ausgleich für ihn wichtig. „Es ist fast wie eine Art Selbst-Therapie.“

Zunächst fuhr er sein Trainingspensum vor dem Hintergrund der Absage zurück, „irgendwann kam dann aber der Trotz dazu“, beschreibt Frankenhauser den Ehrgeiz, unter wettbewerbsähnlichen Bedingungen laufen zu wollen. Bereits 38-mal habe er eine Strecke in der Größenordnung eines Marathons oder darüber hinaus absolviert. Denn zwei Langstreckenläufe stehen für den Ausdauersportler seit 2001 jedes Jahr auf dem Programm. „Diese Serie wollte ich halten.“ Nachdem der Entschluss gefallen war, stellte sich die Frage: „Wie organisiere ich das?“

Organisation wirft viele Fragen auf

Es galt zunächst, eine Strecke zu suchen, wobei Frankenhauser innerhalb der Grenzen seiner Heimatgemeinde Efringen-Kirchen unterwegs sein wollte. Wo gibt es genügend schattige Abschnitte? Wo halten sich die Steigungen in Grenzen? Es galt bei der Steckenfindung, vieles zu beachten. Mehrmals lief er die Route ab, um sie zu optimieren.

Auch musste sich Frankenhauser überlegen, wie und wo er eine Verpflegungseinrichtung würde unterbringen können. Denn bei einem Lauf dieser Größenordnung müssen dem Körper regelmäßig Flüssigkeit und Nährstoffe zugeführt werden. Dafür fand er eine pragmatische Lösung: Kurzerhand funktionierte er das eigenen Treppenhaus zur Verpflegungsstation um. Zugleich war er damit in Zeiten verschärfter Hygiene-Vorsichtsmaßnahmen auf der sicheren Seite.

Auch musste Frankenhauser sein Trainingspensum wieder erhöhen und abschätzen, wann der ideale Zeitpunkt für den Langstreckenlauf sein würde. Mitte Mai stand für ihn fest, dass er bereit war, und am vergangenen Samstagmorgen ging es dann los. Das Wetter spielte perfekt mit. „Die Eisheiligen sind mir zur Hilfe gekommen“, weist Frankenhauser auf die für die Sportler angenehm kühlen Temperaturen hin.

Anfeuerungsrufe der Zuschauer fehlen

Trotzdem war es ungewohnt, denn ein wichtiges Element fehlte: die Anfeuerungsrufe der Zuschauer. Denn Frankenhauser konnte seinen „Privat-Marathon“ im Vorfeld nicht publik machen. Zu groß war die Sorge mit Blick auf die geltenden Abstands- und Versammlungsregelungen.

Die positiven Auswirkungen durch die Unterstützung der Zuschauer dürfe man bei einem Langstreckenlauf nicht unterschätzen. Dadurch könne man zu Höchstform auflaufen. „Manchmal wird man dadurch bei Wettkämpfen zur richtigen Rampensau“, schmunzelt er.

Angesichts der am Samstag fehlenden Anfeuerungs-Kulisse sei er umso glücklicher, dass es dennoch – im wahrsten Sinne des Wortes – gut gelaufen ist. Die Marathon-Distanz von rund 42 Kilometern hatte er in knapp unter fünf Stunden zurückgelegt. Daraufhin fasste er kurzerhand den Entschluss, das Event zu einem Sechs-Stunden-Lauf zu machen und legte so insgesamt 50,27 Kilometer zurück. Zum Vergleich: In der gleichen Zeit schaffte er in Führt im vergangenen Jahr eine Distanz von 50,94 Kilometer. „Dass die Differenz nur etwas mehr als ein Prozent ausmachen würde, hätte ich nicht gedacht“, freut sich Frankenhauser.

Den Muskelkater habe er inzwischen bereits hinter sich, erzählt er einige Tage danach. „Theoretisch könnte ich schon wieder laufen.“ Allerdings lässt er es nun erst einmal ruhig angehen. Vor allem Gymnastik stehe derzeit auf dem Trainingsplan.

Dass er den Langstreckenlauf vor allem zum Vergnügen und – anders als die Profisportler – ohne Erfolgsdruck ausüben kann, schätzt er sehr. Auch geht es ihm dabei weniger um persönliche Bestzeiten, als um das Erlebnis selbst. „In meinem Alter läuft man keine Rekorde mehr“, sagt der 53-Jährige. Wichtiger sei der Austausch mit anderen Sportlern, die bei einem Langstreckenlauf normalerweise dabei sind. „Wir Läufer sind fast wie eine Familie“, bringt er es auf den Punkt.

Frankenhauser freut sich deshalb auch darauf, dass der abgesagte Lauf in Bonn voraussichtlich im Herbst nachgeholt werden kann. Ein bisschen gesunder Ehrgeiz ist dabei mit im Spiel: Denn dadurch könne er seine zwei Wettkämpfe dieses Jahr dann doch noch absolvieren.

Das Wichtigste war Frankenhauser am Samstag aber, ein Zeichen dafür zu setzen, dass man sich von dem Coronavirus und der damit verbundenen schwierigen Situation nicht unterkriegen lassen darf. Daher auch sein Motto: „In unserer Gemeinde läuft es wieder.“

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