Efringen-Kirchen Häppchenweise heiße Themen

Zum politischen Rundumschlag holten die Gemeinderäte am Montagabend bei „Politik und Pizza“ im Schulzentrum aus. Denn obwohl verstärkt auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen wurde, kamen letztlich sämtliche Themen zur Sprache, die Efringen-Kirchen derzeit bewegen.

Von Ingmar Lorenz

Efringen-Kirchen. Etwas zaghaft sitzen sich Politiker und Jugendliche an den Tischen zu Beginn noch gegenüber. Die Fragen kommen zunächst vor allem von den Mitgliedern und Kandidaten der verschiedenen Fraktionen. Die Antworten der Jugendlichen fallen eher einsilbig aus. Nach einigen Minuten aber entspannt sich die Situation. Jugendliche und Politiker finden beim Pizza-Essen gemeinsame Themen. Jeweils 15 Minuten setzen sich die Mitglieder einer Fraktion zu einer Gruppe Jugendlicher – anschließend wird gewechselt.

Bevor es allerdings zu den Diskussionsrunden an die Tische geht, haben die 15 anwesenden Kommunalpolitiker die Möglichkeit, sich und ihre Arbeit in jeweils einer Minute vorzustellen. Klimaschutz, sinnvolle Haushaltspolitik und die Bedeutung von Bildung und Schulen kommen dabei zur Sprache. Vor allem aber betonen die Gemeinderäte, dass ihnen an einem funktionierenden Miteinander gelegen ist.

Bedingungen im Juz

Dann kommt die Pizza auf den Tisch und die Diskussionen beginnen. Dabei zeigt sich schnell, dass das Jugendzentrum und dessen Zukunft für viele Jugendliche ein wichtiges Thema ist. Allerdings sind es zunächst vor allem die Politiker, die Fragen dazu stellen. Ganz allgemein will etwa CDU-Fraktionsvorsitzender Reinhard Knorr wissen: „Was macht ihr eigentlich im Juz?“ Die Jugendlichen geben bereitwillig Auskunft und schnell wird klar, dass der Raum von ihnen zwar sehr geschätzt wird, zugleich aber auch einige Defizite aufweist. Denn im Sommer werde die Hitze im Container zum Problem, im Winter die Kälte. Auch die Größe des Raums reiche bisweilen nicht aus.

Schulsanierung

Die Bedingungen im Schulzentrum werden ebenfalls diskutiert. Die Jugendlichen sind erstaunt über die hohen Summen, die für die anstehende Sanierung aufgewendet werden. Im Zuge dessen wird auch das Thema Vandalismus angeschnitten. FDP-Gemeinderat Kevin Brändlin hakt nach: „Was ist aus eurer Sicht das Problem? Woran liegt es, wenn randaliert wird?“ Die Antwort der Jugendlichen bringt eine bislang wenig beachtete Facette des Themas ins Spiel. „Dort, wo es eh schon ranzig aussieht, macht man sich weniger Gedanken.“ Das Verhalten der Krawallmacher sei aber trotzdem nicht in Ordnung, betonen die Schüler.

Kernort und Ortsteile

An einem Tisch mit mehreren älteren Jugendlichen kommt durch eine Diskussion zur Bauplatzvergabe auch die Spannung zwischen Kernort und Ortsteilen aufs Tapet. „Will man überhaupt Zugezogene in den Ortsteilen?“, fragt ein Jugendlicher gerade heraus. „Will Efringen-Kirchen eine offene Gemeinde sein?“ SPD-Gemeinderat Hess betont die Vielschichtigkeit des Themas und erklärt die verschiedenen Blickwinkel. Aus seiner Sicht sei mit dem Thema auch ein Generationenkonflikt verbunden. „Gerade jüngere Leute wechseln heute viel öfter ihren Wohnort.“ Komme man dann in ein Umfeld, in dem Ortsansässigkeit für viele ein wichtiges Kriterium sei, könne das zunächst schwer nachvollziehbar sein. Zugleich betont Hess, dass die Gemeinde mit Blick auf das Zusammenwachsen von Kernort und Ortsteilen aus seiner Sicht noch großen Nachholbedarf habe.

Grenzen des Einflusses

Auch über „Kühl“ wird an einem der Tische diskutiert. „Kann man nicht mehr Druck machen“, wollen die Jugendlichen wissen. Grünen-Gemeinderat Rudi Ritz erklärt, dass die Macht des Gremiums in dieser Hinsicht begrenzt sei. Denn die Entscheidungen würden häufig auf übergeordneter Ebene gefällt. Zugleich aber bricht Ritz eine Lanze für die Kommunalpolitik, denn wenn man immer wieder nachhake und am Ball bleibe, könne man durchaus etwas bewegen. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, fasst Ritz zusammen.

Nach all den politischen Erklärungen kommen von den Jugendlichen dann aber auch noch einige konkrete Wünsche. Manche – etwa eine Schlittschuh-Halle oder ein Schwimmbad – sind nicht realisierbar, andere werden von den Politikern mit Interesse aufgegriffen. Etwa der Wunsch nach einem Bäckerwagen auf dem Schulgelände.

Die Jugendlichen nehmen aus der Veranstaltung mit, dass sie auf jeden Fall von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen werden. Und Mitorganisator Jens Künster, der die Jugendlichen in Efringen-Kichen betreut, will den politischen Austausch fortsetzen. „Runde Tische“ soll es in Zukunft geben und längerfristig vielleicht auch ein Jugendparlament.

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