Efringen-Kirchen Hochleistung auf drei Kontinenten

Stolz präsentiert Eltje Wehrlin-Schmidt ihre vielen Medaillen. Foto: Birgit-Cathrin Duval

Wintersweiler - Sechs Marathonläufe in sechs Weltstädten auf drei Kontinenten – wer die „Big Six“ erfolgreich läuft, wird mit der Sechs-Sterne-Medaille geadelt. Die Wintersweilerin Eltje Wehrlin-Schmidt hat es geschafft: Sie gehört zum Kreis der weltweit 4989 Sportler, die die „Abbotts World Marathon Majors“ erfolgreich absolviert haben.

„Tokio lief wie am Schnürchen, im Ziel hätte ich Bäume ausreißen können.“ Eltje Wehrlin-Schmidt strahlt noch Wochen später übers ganze Gesicht. Der Tokio Marathon war der sechste und letzte Lauf, mit dem sie sich ihren großen Traum erfüllte: Als Finisherin der „Abbott World Marathon Majors“ darf sie die Sechs-Sterne-Medaille ihr eigen nennen – eine Auszeichnung, die bislang nur 313 andere deutsche Sportler mit ihr teilen. Und auch ihre Zeiten der „Abbotts“-Laufserie können sich sehen lassen: Nach dem Marathon in Tokio lag sie mit ihrer Platzierung auf einem beeindruckenden 136. Platz.

New York war die erste Station

Angefangen hatte alles mit der erfolgreichen Teilnahme 2016 am New York City Marathon. Nach 3,52 Stunden lief sie über die Ziellinie und der Entschluss stand fest: Eines Tages die Sechs-Sterne-Medaille der „Abbott World Marathon Majors“ in Händen zu halten. „Laufen ist einfach meins,“ sprudelt es beim Gespräch aus ihr heraus. Groß, schlank, drahtig und kein Gramm Fett: die 43-jährige besitzt die prädestinierte Läuferfigur.

Inzwischen hat sie viele Kontakte in der internationalen Laufszene geknüpft, man kennt sich und reist gemeinsam zu den großen Marathonläufen. Unterstützung erfährt sie von ihrem Ehemann, Dirk Schmidt, der sie zu den Veranstaltungen begleitet.

Eiserne Disziplin führte zum Erfolg

Hinter ihren Erfolgen steckt eiserne Disziplin. „Mein Plan über zwei Jahre und vier Monate hinweg ist voll aufgegangen.“ Denn um die Serie fit und ohne Verletzungen zu laufen, war ein enormes Trainingspensum gefragt. Dafür stand die 43-Jährige sogar im Urlaub früh auf, um auf dem Laufband oder draußen ihre Runden zu drehen. „Mein Mann Dirk und meine Kinder Elias und Mayra begleiten mich oft auf den langen Läufen mit dem Fahrrad.“ Denn ohne den Rückhalt und die Unterstützung der Familie wäre ihre Laufleidenschaft in dieser Form gar nicht möglich, betont Eltje Wehrlin-Schmidt.

Nachdem sie den Boston und Chicago Marathon 2017 erfolgreich beendete, standen 2018 Berlin und London auf dem Programm. Und zuletzt Tokio, Anfang März dieses Jahres, für den sie ein hartes Wintertraining nach einem Zehn-Wochen-Trainingsplan absolvierte. Jede Woche standen laut Laufplan vier Einheiten an, die sich auf bis zu 80 Kilometer summierten. Dazu zählten lange Läufe, Intervalle und schnelle Kurzstrecken. „Der systematische Aufbau der Laufeinheiten ist enorm wichtig“, erklärt Wehrlin-Schmidt, die nichts dem Zufall überlässt. So probierte sie viele Tipps aus, variierte mit Essens- und Trinkgewohnheiten und experimentierte mit unterschiedlichen Sport-BHs und Laufschuhen. „Marathon besteht aus Fleiß, du musst dich durchbeißen können“, lautet eine ihrer Devisen. Dabei spielt die mentale Stärke die wichtigste Rolle: „Dein Kopf sagt dir, da geht noch was, das ist die Kraft, die dich vorwärts bringt, und das macht das Spannende am Laufen aus.“

In Tokio lief es fast wie von selbst

„In Tokio bin ich absolut fit gelaufen“, resümiert Eltje Wehrlin-Schmidt. In Japan genießen Marathonläufer einen enormen Respekt, berichtet sie über ihren Lauf im „Land der aufgehenden Sonne“. „Ich war völlig ruhig und überhaupt nicht nervös“, obwohl sie in der Nacht wegen des Jetlags nur zwei Stunden geschlafen hatte. „Ich habe meine Hausaufgaben zu 100 Prozent gemacht, das gab mir ein gutes Gefühl.“ Ganz anders verhielt es sich mit dem Wetter: Vom Start weg war es mit fünf Grad extrem kühl und regnerisch. Kurzerhand passte sie ihre Renntaktik den klimatischen Bedingungen an und sorgte dafür, dass auch der Spaß nicht zu kurz kam: „Die Zuschauer feuern dich an, rufen deinen Namen, ich bin mit soviel Freude gelaufen und hatte nicht mal alle Reserven aufgebraucht, und das trotz acht Kilometern Gegenwind.“

Beeindruckt zeigte sie sich von der enormen Sauberkeit der Stadt während des Marathonlaufs, an dem über 37 000 Läufer, darunter 176 Deutsche, an den Start gingen. Noch während des Laufs wurde der Müll aus Trinkbechern und Essensresten blitzblank aufgeräumt.

Nach 3,50 Minuten rauschte Eltje Wehrlin-Schmidt überglücklich ins Ziel und durfte neben ihrer Tokio Medaille die „ Six Star Abbott Finisher Medaille“ entgegennehmen. Alle sieben Medaillen stecken in einem extra angefertigten antiken Holzrahmen, der zu Hause einen Ehrenplatz einnimmt.

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Für dieses Jahr hat sie sich keine neuen Marathonläufe zum Ziel gesetzt. Auf den Lorbeeren ausruhen kommt für sie allerdings nicht in Frage. Erst neulich stand sie bei einem Zehn-Meilen-Lauf in der Schweiz als Zweite auf dem Siegertreppchen. Gibt es wirklich keine neuen Ziele? „An der Schnelligkeit feilen und weiter Spaß haben, wenn ich meine Schuhe schnüre und raus in die Natur laufe“, sagt sie und ihre blauen Augen blitzen schelmisch auf, und damit steht fest, dass sie lauftechnisch noch viele Ziele vor Augen hat.

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