Efringen-Kirchen Aus der Burte- wird die Mehrzweckhalle

 Foto: Weiler Zeitung

Efringen-Kirchen  - Ein Nationalsozialist oder ein Künstler? Diese Frage, und ob der Name Hermann Burte weiterhin Namensträger für eine Halle und Straße in Efringen-Kirchen bleiben darf, stellte sich der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung.

Bei einer Enthaltung und acht Gegenstimmen sowie zwölf Ja-Stimmen wurde der Antrag der SPD-Fraktion auf „zeitgemäßen Umgang mit dem Namen Hermann Burte in der Gemeinde Efringen-Kirchen“ vom Gemeinderat in der Sitzung am vergangenen Montagabend mehrheitlich angenommen.

Die Halle wird in der Folge nur noch als „Mehrzweckhalle“ bezeichnet und das Straßenschild wird mit einer Zusatzinformation über die Rolle Hermann Burtes während des nationalsozialistischen Regimes versehen.

Meinungen gespalten

Schon während der Diskussion wurde deutlich, dass kein einstimmiges Abstimmungsergebnis zu erwarten war. Die einen sahen in Hermann Burte einen Mitläufer und Opportunisten, in erster Linie aber einen Dichter und Maler, der aufgrund seiner Werke und Verdienste um die alemannische Mundart der Erinnerung würdig sei. Die anderen hingegen sahen einen überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten, der sich nie distanziert habe, und mit seinem Gedankengut vielmehr ein Wegbereiter der nationalsozialistischen Ideologie gewesen sei und daher keine Anerkennung als Vorbild verdiene.

Karl Rühl (CDU) vermisste in der Aufarbeitung des sehr komplexen Themas und in der Debatte eine ausgewogene und objektive Darstellung. So habe Burte beispielsweise auch Werke verfasst, die von den Nationalsozialisten verboten wurden.

Kathrin Thal (Grüne) schloss sich der Einschätzung von Kevin Brändlin (FDP/FB) an, dass der Name Hermann Burte im täglichen Leben insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung nicht wirklich wahrgenommen werde und auch kein Thema sei. Darin liege bereits der erste Fehler. Sie regte an, das Thema auch im Schulunterricht kritisch zu diskutieren sowie sich über einen neuen Namen für die Halle Gedanken zu machen.

Bewusste Namensgebung

Heinz Kaufmann (FDP/FB) erinnerte daran, dass die Ehrenbürgerschaft und Namensgebung seinerzeit zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch Menschen erfolgt sei, die Burte persönlich gekannt hatten. „Das waren rechtschaffende Leute, die ihm diese Ehre nicht hätten zuteil werden lassen, wenn sie der Ansicht gewesen wären, er sei ein Antisemit gewesen“, sagte Kaufmann.

Die Antragsteller hatten im Vorfeld eine große Anzahl von Mitstreitern mobilisiert, die an der Sitzung zugegen waren und ihre Unterstützung bekräftigten.

Marion Caspers-Merk, ehemals parlamentarische Staatssekretärin der SPD, wies auf das Beispiel der Stadt Müllheim hin, die eine Straße nicht nach Hermann Burte benannte und auf den Umstand, dass per Entscheid des Regierungspräsidiums und des Oberschulamts die Benennung von Schulen nach seinem Namen verboten sei.

Um den zeitlichen Rahmen zu wahren, wurde auf Antrag aus der Ratsrunde schließlich mehrheitlich beschlossen, die Debatte zu schließen, wodurch einige Redner nicht mehr angehört wurden, darunter der ehemalige Hauptamtsleiter Walter Silbereisen, der sich zu einigen Punkten äußern wollte.

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