Efringen-Kirchen Kommunalpolitik war ein fester Bestandteil im Leben

Heinz Graf, erster Ehrenbürger von Efringen-Kirchen und Träger des Bundesverdienstkreuzes, wird heute 80 Jahre alt. Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Huttingen (aje). Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger der Gemeinde Efringen-Kirchen: Heinz Graf aus Huttingen, der heute 80 Jahre alt wird, kann auf fast 50 Jahre kommunale Arbeit zurückblicken.

Geboren wurde Graf am 24. Juli 1940 und verbrachte seine ersten fünf Lebensjahren in Brombach, bis er nach dem Tod seines Vaters gemeinsam mit seiner Mutter nach Huttingen zog. Nach dem Besuch der Grund- und Hauptschule absolvierte Graf von 1954 bis 1958 eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei den Lonza-Werken in Weil am Rhein und arbeitete anschließend als Mitarbeiter der Betriebsleitung im Kalkwerk Istein.

Es folgte 1960 die Ausbildung zum Sprengmeister. Für die Ausbildung zum Industriemeister zog Graf ab 1962 für drei Jahre nach Wuppertal. Dazwischen – 1963 – heiratete er die Huttingerin Ingrid Holzreiter. Mit ihr bekam er zwei Söhne und eine Tochter. Zur Familie Graf gehören auch vier Enkelkinder.

1965 kehrte der Jubilar ins Markgräflerland zurück. Er wurde zum Vorsitzenden des Männerchors Huttingen, ein Amt, das er fünf Jahre lang ausübte. Im Jahr seiner Rückkehr wurde er auch in den Pfarrgemeinderat Istein/Huttingen gewählt, bei dem er zehn Jahre lang aktiv war. „Ich war schon in jungen Jahren engagiert“, sagt Graf. Denn mit rund 26 Jahren wurde er in Huttinger Gemeinderat gewählt. Er erinnert sich noch gut an die sechs älteren Herren in der Ratsrunde. „Sie waren alle zirka 30 Jahre älter als ich.“

Gemeindereform

Zwei Jahre später wurde er zunächst stellvertretender Bürgermeister, ein Jahr später, 1969, schließlich Bürgermeister von Huttingen. Doch nur bis 1974 sollte Graf dieses Amt innehaben, danach wurde Huttingen zum Ortsteil von Efringen-Kirchen. „Die Gemeindereform war eine schwierige Situation, da viele gegen den Zusammenschluss waren“, erzählt Graf. Auch er sei davon nicht begeistert gewesen und hätte lieber noch einige Jahre länger eigenständig entscheiden wollen. „Als es beschlossene Sache war, habe ich mich auch dafür eingesetzt. Denn ich finde, wenn, dann richtig umsetzen.“

Graf blieb Ortsvorsteher bis 2009. Es sei aber eine große Umstellung für ihn gewesen: „Die Kompetenzen waren anders und wir waren finanziell abhängig. Aber wir Ortsvorsteher hatten noch Glück: Der damalige Bürgermeister hat uns sehr viele Freiheiten gelassen.“ Im Laufe der Jahre habe sich die Zusammenarbeit eingespielt.

In seiner Schaffenszeit als Bürgermeister und Ortsvorsteher kann Graf auf viele Projekte zurückblicken: unter anderem die Erschließung der Baugebiete „Im Dohlenfeld“ sowie „Hinterm Dorf I und II“. Auch für die Neuplanung des Wasser- und Abwassernetzes sowie die Neuverlegung in Huttingen hat er sich eingesetzt. Auch der Ausbau der Ortsstraße und Römerstraße sowie das Anlegen von Gehwegen fielen in seine Zeit, genauso wie der Neubau des Kindergartens und die Errichtung des Jugendraums „Tutti Frutti“.

Doch damit machte seine kommunale Karriere keinen Halt, ab 1980 gehörte Graf auch dem Gemeinderat Efringen-Kirchen an. Zur gleichen Zeit wurde er zudem zum Bürgermeister-Stellvertreter der Gemeinde ernannt.

Von 1989 bis 2004 war er darüber hinaus auf Kreistagsebene aktiv und seit 1994 Fraktionsvorsitzender der CDU/U-Gemeinderats-Fraktion. „Ich habe so viel Politik gemacht, dass ich kaum zu Hause war“, erzählt der nun 80-Jährige. Es sei nicht immer leicht gewesen, dies mit dem Beruf zu vereinbaren. „Aber wenn man mal drin ist, dann macht es auch Spaß“, fügt er hinzu.

Nebentätigkeiten

Neben seiner kommunalen Tätigkeit übernahm er 1990 die Position als Aufsichtsrat-Vorsitzender der Raiffeisenbank Markgräflerland und anschließend auch als Stellvertreter bei der Volksbank Dreiländereck Lörrach. Bereits im Jugendalter trat Graf dem FC Huttingen bei und ist heute noch Ehrenmitglied. Zudem ist Graf auch begeisterter Sänger und lieh dem Gesangverein Huttingen rund 40 Jahre seine Stimme.

2005 beendete Graf seinen beruflichen Werdegang und begann gleichzeitig, sich auch aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen. „Ich bin jetzt ein echter Rentner“, schmunzelt Graf. Seine ungewohnte Freizeit nutzt er zum Fußballspielen und für morgendliche Spaziergänge um das Dorf herum.

Doch ganz sein lassen kann es Graf dennoch nicht, denn man kann ihn noch in der ein oder anderen Sitzung sehen. Aber er sagt auch augenzwinkernd: „Es macht nicht so viel Spaß, wenn man nicht mitreden darf.“ Außerdem gehört er noch dem Seniorenclub Efringen-Kirchen/Bad Bellingen an.

Eine besondere Überraschung boten dem 80-Jährigen 2003 seine ehemaligen Arbeitskollegen von Heidelberg Cement in Istein: „Plötzlich war ein Brief vom Regierungspräsidium in der Post“, erinnert sich Graf. 2004 war es dann soweit und er bekam das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Fünf Jahre später wurde Graf erneut gekürt, nämlich zum ersten Ehrenbürger Efringen-Kirchens. Damals hatte ihn der Ortschaftsrat für die Ernennung vorgeschlagen. Er erinnert sich an die nicht-öffentliche Sitzung des Gemeinderats, als der Antrag zur Abstimmung vorgelegt wurde: „Ich weiß noch, dass alle Parteien sich einstimmig dafür ausgesprochen hatten – Das hat mich echt gefreut.“

Feier zum 80. Geburtstag

Anders als der 70. Geburtstag mit zirka 200 Gästen, muss der 80 coronabedingt kleiner gefeiert werden. Beim heutigen Fest im Haus des Ehepaars können nur 60 Gäste zwischen 18 und 21 Uhr dem Jubilar gratulieren. Doch der Ehrenbürger ist zumindest froh, dass es dabei keine Maskenpflicht geben wird.

Zurückblickend sagt Graf: „Auch wenn durch viele Sitzungen meine Feierabende ausgebucht waren, bin ich stolz auf das, was zu meiner Amtszeit umgesetzt wurde.“

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