Efringen-Kirchen Magnifique!

Weiler Zeitung
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Von Jürgen Scharf

Efringen-Kirchen. Die Kulturscheune in Kleinkems gibt sich in den letzten beiden Konzerten frankophil: Nach „Invitation au Voyage“, einem Liederabend unter anderem mit französischen „Melodies“, stand am Sonntagnachmittag die lichtdurchflutete instrumentale französische Postromantik auf dem Programm des in außergewöhnlicher Quintettbesetzung antretenden Pariser Ensembles „Le Bateau Ivre“.

Zu Beginn war mit Gideon Klein allerdings ein „Ausreißer“ aus dieser französischen Richtung zu hören. Das Streichtrio des jungen tschechischen Komponisten, der wie so viele Musiker ins KZ Theresienstadt deportiert wurde, bevor er mit 25 Jahren in Auschwitz ermordet wurde, ist ein erschütterndes Dokument menschlichen wie künstlerischen Überlebenswillens. Das in Theresienstadt entstandene Manuskript wurde 1944 von einem Freund Kleins gerettet. Überraschenderweise klingt dieses in dunkelster Zeit komponierte Trio aber optimistisch, positiv, tänzerisch und verarbeitet sehr originell die tschechische Volksmusik. „Es ist ziemlich bunt für den Kontext, in dem es geschrieben wurde“, meinen die Musiker des Quintetts, die das Stück in der vollbesetzten Kulturscheune Rabe mit allergrößter Intensität, Energie und Ausdruckskraft gespielt haben. Dynamisch differenziert klang ihre Interpretation besonders an den stilleren Pizzicato-Stellen, ansonsten war sie rhythmisch sehr markant.

In Theresienstadt entstandenes Manuskript von Gideon Klein

Dann hieß es „Bahn frei!“ für die französische Musik. Die sehr spezielle Besetzung des Ensembles mit drei Instrumentenfamilien – Streichern, Zupf- und Blasinstrumenten – schafft die Möglichkeit, die Stücke in kleinerer unterschiedlicher Besetzung aufzuführen.

Herausragend war Gabriel Piernés „Voyage au pays du Tendre“ für Harfe, Flöte, Violine, Viola und Cello. Pierné, bei uns noch immer einer der großen bekannten Unbekannten aus Frankreich, durchquert in diesem musikalischen Fantasieland einen Fluss, der den verschiedenen Etappen einer höfischen Liebe folgt. Das kleinbesetzte Großwerk ist ein apartes Tonbild und wurde von den Solisten Samuel Casale (Flöte), Jean-Baptiste Haye (Harfe), Séréna Manganas (Geige), Valentin Chiapello (Bratsche) und Kevin Bourdat (Cello) höchst souverän und sensibel mit Temperament und Bravour in Klang gesetzt. Überhaupt zeigt die Formation in ihrem Spiel Sensibilität, Verve, ausgesprochene Präzision und perfekte rhythmische Übereinstimmung an allen Pulten.

So auch in dem virtuosen Trio von Jacques Ibert für Geige, Cello und Harfe von 1943, eine Musik voll intensivem französischem elegantem Parfüm, auch etwas von Jazz geprägt, in einer subtilen Klangkombination mit der Harfe, die in Arpeggien und Glissandi ihre Tonwellen ausbreitet.

Das Arrangement von Claude Debussys „Petite Suite“, ursprünglich für Klavier zu vier Händen, war das französische Tüpfelchen auf dem i, ein Stück voller impressionistischem Flair, vor allem die ersten beiden von Paul Verlaine inspirierten Sätze „En bateau“ und „Cortège“. Literatur stand hier Pate, während die letzten beiden Stücke („Menuet“ und „Ballet“) vom französischen Barock angeregt sind.

In diese spezielle Klangwelt konnten die jungen Musiker ihre Zuhörer mit Charme und Raffinement, subtilster Spielweise, Clarté und Esprit, mitnehmen. So verbreitete sich die französische Musik an diesem Nachmittag delikat und kapriziös: ein Konzert für Feinschmecker französischer Klangdelikatessen, die das Besondere suchen. Magnifique!

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