Efringen-Kirchen Musikalische Sphären erweitert

Weiler Zeitung, 09.04.2017 22:30 Uhr

Der Isteiner Musikverein erobert sich neue Klangwelten und wildert lustvoll für seine treuen Konzertbesucher in einem bunten Potpourri moderner Blasmusik. Beim Jahreskonzert am Samstag wagte man bewusst Grenzgänge und setzte auf pulsierende Rhythmen mit filigranen Zwischentönen.

Istein. Das Dirigat von Daniel Moroso ist erfrischend anders. Der passionierte Profimusiker aus dem Elsass ist seit 2015 Dirigent und erweitert von Konzert zu Konzert die musikalischen Sphären des Isteiner Musikvereins. Behutsam und doch mit einer gehörigen Portion an Stringenz im Dirigat kitzelt er den Ehrgeiz der Musiker heraus, sich neuen Klangwelten zu öffnen.

Chapeau! Das Ergebnis ist wunderschön. Allein schon das „Italienische Lustspiel Ouvertüre“ setze hohe Maßstab für diesen Abend. Was ruhig mit einem Solo von Klarinetten und Flöten begann, ging über in ein spritziges Glockenspiel und entwickelte sich zu einem grandiosen Finale mit Tenorhörnern, Baritonen und Trompeten. Tief Luft holen, loslassen und wegfliegen – nichts schien an diesem Abend mehr ausgeschlossen.

Und doch blieb das Blasorchester auf dem Boden. Mit „Kyklades“ (von Hardy Mertens) setzen die Musiker einen filigranen Kontrapunkt, um dann mit dem „Paten“ (The Godfather) ganz tief in die Filmmusik mafiöser Geschichten einzutauchen: was für ein musikalisch grandios dargebotener Wechsel sizilianischer Todes- und Lebensfreude.

Die nach der Pause mit „A little Opening“ fortgeführt wurde, wo Trompeten, Posaunen und eine lautstarke Fanfare sich in die mystisch anmutenden Klarinetten zu abtauchenden Klangmelodien verschlungen, was in einem furiosen Trommelwirbel endete. Passend dazu überzeugte im Anschluss „Man of la Mancha“ an der Partitur von „Don Quixote“. Begeisterungstürme des Publikums waren der hochverdiente Lohn.

Mit „Dancing on the Sea-shore“ war das Publikum zum spontanen Tanz aufgefordert, mit „I see you“ entführte man die Besucher in die fremden Planetenwelten von „Avatar“, bevor das Orchester gemeinsam mit den Besuchern ins Drama-Musical „Elisabeth“ eintauchte. Abtauchen ins Reich der Toten, der Isteiner Musikverein setzte damit einen fulminanten Schlusspunkt. Hätten nicht die begeisterten Konzertbesucher Zugaben herausgeklatscht.

Hier wagte man dann doch am Ende eines konzertanten Abends noch einen Schwenk ins Bierzelt. Als Zugabe gab es die Polka „Von Freund zu Freund“ von Martin Scharnagel. Sicherlich ein wohlgemeinter musikalischer Ausblick auf das Sommerfest am letzten Maiwochenende und ein weiterer musikalischer Farbtupfer.

Und noch eine Neuigkeit gab’s: keine Tracht und keine Ansage mit schwäbischen Akzent. Die langjährige Moderatorin Angela Schöllhorn überließ ihrem Sohn Patrick sowie den Jungmusikern Phil Robin Grauer und Lara Boldt die Ansagen. Das Trio führte überaus kurzweilig und informativ durchs Programm.