Efringen-Kirchen Stolpersteine: ein neuer Anlauf

Jutta Schütz
Prinzipiell auf verschiedenen Untergründen möglich: Stolpersteinverlegung durch Gunter Demnig, hier in Müllheim. Foto: Jutta Schütz

Geht es nach dem Willen eines neu gegründeten Arbeitskreises, könnte auch Efringen-Kirchen bald zu den 1200 deutschen Kommunen gehören, in denen „Stolpersteine“ im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden.

Von Jutta Schütz

Efringen-Kirchen - Ziel eines „offenen Arbeitskreises“, der am Dienstagabend erstmals zusammenkam, ist unter anderem, die Bürger besser über diese besondere Art des Gedenkens zu informieren. Am Ende soll die Erkenntnis stehen: „Ich stolpere und verbeuge mich“, wie Gemeinderätin Anja Schaffhauser aus einer Dokumentation zum Stolperstein-Projekt zitierte.

Seit rund 15 Jahren strebt der SPD-Ortsverein Efringen-Kirchen mit seinem Vorsitzenden Armin Schweizer an, zum Gedenken an die deportierten jüdischen Mitbürger Stolpersteine verlegen zu lassen. Dies aber nicht als „Steinsammlung“ am Rathausplatz, sondern wie in anderen Kommunen auch, dort, wo die Deportierten und Ermordeten zuletzt lebten. Unterstützt wird der Ortsverein vom Förderkreis „Museum Alte Schule“. Der Einladung zum „offenen Arbeitskreis“ waren einige Gemeinderäte, interessierte Bürger und Mitglieder des Museumsvereins gefolgt. Eingeladen war zudem Marianne Merschhemke, die im Schopfheimer Arbeitskreis Stolpersteine aktiv ist und Tipps in Sachen Recherche und Öffentlichkeitsarbeit aus der eigenen Erfahrung einbrachte.

Finanzierung über Spenden

Stolpersteine würden über Spenden finanziert, erinnerte Schweizer zum Einstieg. Wolle man die Steine im öffentlichen Raum verlegen, bedürfe es einer Genehmigung. Da Teile des Gemeinderats und auch der Bevölkerung dem Projekt kritisch gegenüberstünden, könne man vielleicht damit starten, erste Steine auf Privatgrund zu verlegen, wofür es keine Genehmigung brauche, war ein Vorschlag aus der Runde. Sehr enttäuscht zeigten sich Schweizer und die ebenfalls anwesende SPD-Politikerin Marion Caspers-Merk darüber, dass Museumsleiterin Maren Siegmann nicht gekommen war. Eine von ihr verfasste Expertise, in der sie sich dem Vernehmen nach kritisch äußert, liege aber der Verwaltung vor. „Wir hätten gerne mit ihr diskutiert“, so die beiden Politiker.

Als problematisch werde immer wieder die Verlegung von Stolpersteinen im Asphalt angeführt. Dies aber vor dem Hintergrund, dass in etlichen Städten – etwa im benachbarten Müllheim – Stolpersteine von Künstler Gunter Demnig bereits in Asphalt verlegt wurden. Stolpersteine würden zudem immer auch nachverlegt, berichtete Marianne Merschhemke. Man fange mit Personen an, deren Geschichte ziemlich vollständig vorliege und recherchiere dann weiter.

Keine Schuldzuweisung

Immer wieder im Raum stehe auch die berühmt gewordene Argumentation von Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde München. Diese hatte Stolpersteine als „unwürdiges Gedenken im Straßenschmutz“ bezeichnet, bei dem die Namen jüdischer Opfer mit Füßen getreten würden. Das konnten die Anwesenden nicht nachvollziehen und erinnerten hier beispielsweise an die jüdische Gemeinde in Lörrach, die das Verlegen von Stolpersteinen ausdrücklich unterstützt. Der zweite Vorsitzende des Museumsförderkreises, Joachim Gröbke, hält die Stolperstein-Aktion grundsätzlich für wichtig, äußerte aber auch Verständnis für Bürger, die aufgrund der vor ihrem Haus verlegten Steine Ressentiments befürchten. Man müsse darüber aufklären, dass es nicht um den Begriff Schuldzuweisung gehe, sondern um das Gedenken an Menschen, stimmten Caspers-Merk, Francois Labbé und Gemeinderat Karl-Friedrich Hess überein.

Im Anschluss wurden erste Aufgaben verteilt: Neben der Kontaktaufnahme mit dem Schulzentrum und der Erstellung einer Homepage wird ein Recherche-Team um Caspers-Merk, die selbst Historikerin ist, die Arbeit aufnehmen.  Das nächste Treffen des Arbeitskreises ist für den 27. September geplant.

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