Efringen-Kirchen Turnschuhe vom Osterhasen?

Der Masernausbruch Anfang April im Flüchtlingsheim in Efringen-Kirchen hatte weitreichende Auswirkungen. Erst am Samstag konnten die Kinder auf die Suche nach Ostereiern gehen, die Freude war aber dennoch riesig. Foto: Marco Schopferer Foto: Weiler Zeitung

Von Marco Schopferer

Efringen-Kirchen. Feste kann man feiern, wie sie fallen und wenn die Masern sie verhindern, dann eben nachholen. Erst am Samstag feierte man in der Gemeinschaftsunterkunft deshalb den Besuch des Osterhasens – die Freude und funkelnden Kinderaugen waren ungetrübt.

Es ist nicht einfach, den eierlegenden Osterhasen Kindern aus einem anderen Kulturkreis zu vermitteln. Tabea Hugenschmidt vom Flüchtlingskreis „Fürenand“ gibt sich alle Mühe. Man sei hier in Deutschland und da glauben die Menschen das eben so. „Er kam ja leider etwas zu spät, aber heute ist er da“, sagt sie und ein Flüchtlingsvater übersetzt fleißig. Es gebe jedenfalls einen Osterhasen, er komme eigentlich immer zu Ostern oder eben – wie jetzt – auch mal etwas später.

Danach geht alles recht schnell: Wir hier in Deutschland haben jedenfalls einen Osterhasen, der für die kleinen Kinder in Eimerchen Süßigkeiten – und für die „Großen“ schuhgroße Kartons auf einem benachbarten Hügel verteilt. Wer die Süßigkeiten findet, kann sie behalten. Die Schuhe tragen Namen, damit sie auch passen. Soweit ist alles gut organisiert und funktioniert mit kleinen Abstrichen auch.

Die Kinder stehen in den Startlöchern und schon vor dem Startschuss zur Ostereiersuche scheint die Luft zu brennen. Irgendwas Großes liegt in der Luft, flauschiger Osterhase hin oder her. Ein Vater ruft seinem Sohn letzte Tipps zu. Danach das heißersehnte Signal zur Suche. Nur die Kleinsten dürfen zunächst los, mühsam kraxeln sie den kleinen Hang hinauf, stolpern angefeuert von den Eltern an Schokoeiern und Riegeln vorbei, ganz auf die Suche nach dem „großen“ Süßigkeitenkorb fixiert. Die Kleinen stopfen sich auf dem Weg die Taschen voll und auch schon die ein oder andere Süßigkeit direkt in den Mund. Danach kommen die Jugendlichen, professionalisieren durchaus etwas die Suche und „grasen“ systematisch den schlammigen Hügel ab.

Die Turnschuhe sind natürlich die Trophäe für die Kinder und auch Tabea Hugenschmidt kann es kaum fassen. Das Sportfachgeschäft Gemo in Weil am Rhein spendete 50 Paar Sportschuhe, „das ist der Hammer, ich kann es immer noch nicht fassen“, freut sich Hugenschmidt am Samstag. Und die funkelnden Kinderaugen nach der etwas kuriosen Ostereiersuche geben ihr recht. Noch nie zuvor hat ein Osterhase Süßigkeiten und Turnschuhe vorbeigebracht. Darf er aber ruhig wieder einmal machen, waren sich die Kinder einig.

Das von Christen gefeierte Osterfest hat natürlich nichts mit Osterhasen und bunt gefärbten Eiern zu tun, wobei auch der Osterhase auf eine durchaus respektabel lange Geschichte zurückblicken kann.

Der Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau soll laut dem Lexikon Wikipedia im Jahr 1682 in der Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“ erstmals den Osterhasen erwähnt haben.

Dass der allerdings die Eier versteckt und die Kinder danach im hohen Gras suchen, nannte er „eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“.

Seither werden also in unserem Kulturkreis alljährlich Kinder durch Büsche und halbhohes Frühlingsgras gejagt. Weniger zur Freude der Kinder übrigens, sondern eher zur Belustigung der Erwachsenen – jedenfalls nach Ansicht des schon oben genannten Medizinprofessors, der dies vor 333 Jahren beobachten haben will.

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