Efringen-Kirchen Umsatz in schwieriger Zeit gesteigert

Siegfried Feuchter
Die Markgräfler Winzer (hier der Weinmarkt in Efringen-Kirchen) schlossen das Geschäftsjahr mit einem Plus ab. Foto: Siegfried Feuchter

In einem schwierigen Marktumfeld mit deutlicher Konsumzurückhaltung, einer stagnierenden Wirtschaft und einer hohen Teuerungsrate ist es der Genossenschaft Markgräfler Winzer in Efringen-Kirchen gelungen, Umsatz und Absatz zu steigern.

Hagen Rüdlin, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Markgräfler Winzer, legte bei der Generalversammlung in Ballrechten-Dottingen trotz der allgemeinen Probleme in der Weinbranche eine zufriedenstellende Bilanz des größten Weinbaubetriebs im Markgräflerland vor.

Die Kostensteigerungen seien auch durch Preiserhöhungen nicht mehr zu decken. Hinzu komme eine gebremste Nachfrage nach regionalen Weinen durch die schwache Konjunktur. Der deutschen Weinwirtschaft mache zu schaffen, dass Weinimporte den Druck auf dem Weinmarkt erhöhen. „65 Prozent aller Haushalte in Deutschland trinken keinen deutschen Wein“, verdeutlichte Rüdlin.

Wie angespannt die Lage ist, zeige auch der Blick nach Frankreich. Dort steht zur Diskussion, ob 20 000 Hektar Reben gerodet werden sollen, um die Angebotsmenge zu regulieren. Zum Vergleich: Baden hat eine Rebfläche von etwas mehr als 15 000 Hektar. Über die aktuelle Situation und die vereinbarte Vertriebskooperation mit der Ersten Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim sprach unsere Zeitung mit Hagen Rüdlin.

Hagen Rüdlin Foto: zVg

Die Weinwirtschaft steht unter Druck durch die hohen Kosten einserseits und den sinkenden Weinkonsum andererseits. Sehen Sie eine Besserung in Sicht?

Es gibt gewisse Indikatoren für eine leichte Besserung. So ist beispielsweise die Inflation rückläufig. Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und Trübsal zu blasen. Wir brauchen eine positive Grundstimmung, dann bessert sich die Lage auch wieder.

Wie verläuft die geschäftliche Entwicklung der Markgräfler Winzer eG?

Das Geschäftsjahr 2023 konnten wir mit einem Umsatz- und Absatzplus von jeweils drei Prozent in einem schrumpfenden Markt erzielen. Und mit unserer relevantesten Markenlinie „MRKGRFLR“ haben wir sogar ein Umsatzplus von 13 Prozent erzielt. Auch haben wir die Erträge für die Winzer gesteigert – und das im dritten Jahr in Folge, zuletzt um 13 Prozent vom Jahr 2022 zu 2023. Unser Rebfläche ist von 2020 bis 2023 von 867 Hektar auf 915 Hektar gewachsen. Eine Neuerung gibt es beim Sortiment. Bei der Markenlinie G’meinwerk bieten wir nun auch einen Chardonnay, einen Sauvignon Blanc und einen Merlot Cabernet Savignon an.

Worauf führen Sie diese positive Entwicklung für die Genossenschaft zurück?

In einem extrem umkämpften Weinmarkt dieses Ergebnis zu erzielen, resultiert vor allem aus unserer 2018 eingeleiteten nachhaltigen und strategisch neuen Ausrichtung, unter anderem mit der Markenlinie „MRKGRFLR“. Unser ausgezeichnetes Abschneiden beim Wettbewerb Mondial du Chasselas mit einem ersten Platz in der Kategorie mit einem Alkoholgehalt 11,0 Volumenprozent bestätigt uns ebenso wie die guten Bewertungen in den bekannten Weinführern. Beispielsweise haben wir 2023 bei Vinum einen Rotweinpreis errungen. Wir können die aktuellen Anforderungen auch deshalb meistern, weil wir rechtzeitig die Weichen in Richtung Digitalisierung gestellt haben.

Die Markgräfler Winzer als größter Weinerzeuger des Markgräflerlands gehen mit der Winzergenossenschaft Schliengen eine Vertriebskooperation ein. Ist das ein erster Schritt zu einer späteren Fusion?

Zum heutigen Zeitpunkt ist die Vertriebskooperation das vorrangige Ziel. Denn es geht darum, dass die WG Schliengen bestehende Kunden mit ihren Weinen bedienen kann. Das gesamte Sortiment ist vollumfänglich lieferfähig – das ist wichtig. Diese Kooperation gilt für den Lebensmittel- und Fachhandel sowie die Gastronomie. In einem nächsten Schritt geht es um weitere Synergien im Bereich des Lagers und der Logistik.

Haben auf dem Weinmarkt vor allem nur noch große Betriebe eine Chance, um die anstehenden Herausforderungen meistern zu können?

Ein klares Nein. Jedoch muss jeder Betrieb erkennen, auf welchem Marktsegment der eigene Fokus liegen sollte. Da in den vergangenen drei Jahren der Weinmarkt extrem aus den Fugen geraten ist, muss sich auch jeder Betrieb die Frage stellen, ob er jede Stufe der Wertschöpfung selber abbilden und finanzieren will. Auch das Kostenmanagement muss tragfähig sein.

Ist das bei den Markgräfler Winzern der Fall?

Ja, wir sind klarer Kostenführer, ohne dabei Qualitätskompromisse zu machen, und haben im Markgräflerland die niedrigsten Kosten pro Liter Wein.

Hagen Rüdlin

Der 47-Jährige
 ist seit neun Jahren Geschäftsführender Vorstand der Markgräfler Winzer eG in Efringen-Kirchen. Vor seinem Engagement in Efringen-Kirchen war der studierte Betriebswirt bei namhaften national und international agierenden Getränkeunternehmen tätig.

Die Markgräfler Winzer eG
 ist mit rund 915 Hektar Rebfläche zwischen Batzenberg im Norden und Grenzacher Hornfelsen im Süden die größte des Markgräflerlands und die zweitgrößte in Baden. Sie hat 857 Mitglieder und beschäftigt 47 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. 

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