Efringen-Kirchen Verbraucher und Politiker gefordert

Mehr Auflagen und mangelnde Kommunikation: Laut Egro-Geschäftsführer Lorenz Boll sehen sich die Bauern vielen Herausforderungen gegenüber. Symbolbild: sba Foto: Weiler Zeitung

Lorenz Boll, Geschäftsführer des Erzeugergroßmarkts Südbaden (Egro) und dessen vorgeschalteter Vermarktungsorganisation Obst- und Gemüsevertrieb Südbaden (OGS), denkt dieser Tage nicht nur an Erntemengen und das Preisniveau, sondern auch an Gesetze und Konsumverhalten. Sein Fazit: „Es muss sich etwas ändern.“ Denn die Landwirte in der Regio arbeiten unter immer schwierigeren Bedingungen, sagt er.

Von Ingmar Lorenz

Rebland. Lorenz Boll könnte vom Stand der diesjährigen Obst- und Gemüseernte berichten. Er könnte sagen, dass die Spargel und die Erdbeerernte mengenmäßig etwas unterdurchschnittlich waren, dass aber das Preisniveau nicht schlecht war. Er könnte von der noch anstehenden Apfel- und Birnenernte erzählen und davon, dass die Trockenheit aus dem vergangenen Jahr den Anlagen teils noch immer zu schaffen macht.

Aber Boll brennt etwas anderes unter den Nägeln, nämlich die aus seiner Sicht gravierenden gesellschaftlichen und politischen Probleme, die die Landwirte derzeit umtreiben.

Mangelnde Kommunikation auf politischer Ebene

„Es ist eine Entwicklung der vergangenen Jahre“, sagt Boll. Und sollte sich an dieser nichts ändern, sieht er für die Landwirtschaft gravierende Folgen. „Es stehen Existenzen auf dem Spiel.“ Denn auf der einen Seite sehen sich die Bauern mit strengeren Auflagen konfrontiert, andererseits müssen sie mit ihren Produkten auf dem internationalen Markt bestehen. Die Probleme der Landwirte sind deshalb sowohl politischer als auch gesellschaftlicher Natur, erklärt Boll.

Auf politischer Seite fehlt aus Bolls Sicht die Kommunikation. So würden Auflagen und Gesetze gemacht, ohne vorher mit den Landwirten über die Konsequenzen zu sprechen. Boll nennt bei diesem Punkt nicht nur das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und den damit verbundenen Gesetzesentwurf, sondern unter anderem auch die Gesetzgebung zur Arbeitszeit und den Mindestlohn. Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmern seien zwar richtig und wichtig, allerdings müssten sie sich an der Realität der Bauern orientieren.

Denn gerade während der Erntezeit sei es unabdingbar, dass mehr gearbeitet werde. „Das könnten wir im Winter dann wieder ausgleichen.“ Beispielsweise bei der Erdbeerernte sei Zeit ein entscheidender Faktor. An den Ernte-Tagen nicht rechtzeitig fertig zu werden, würde Einbußen bei der Menge bedeuten.

In dieser Hinsicht und auch mit Blick auf die Kontrollen habe man den Landwirten früher mehr vertraut. „Es gab ein Gentleman’s-Agreement“, erklärt Boll. „Das Misstrauen, das den Bauern heute entgegengebracht wird, haben sie nicht verdient.“

Boll sieht deshalb die Politik in der Pflicht. Zumal es die Bauern seien, die für nachhaltige Ernährung sorgen. „Wenn das nicht mehr gewünscht ist, soll man uns das klipp und klar sagen“, macht Boll seinem Ärger Luft.

Wenn aber weiterhin auf regionale Erzeugnisse gesetzt werden soll, müsse die Politik ebenso wie der Handel und die Verbraucher dafür sorgen, dass die Bauern von ihren Produkten leben und mit Freude ihrer Arbeit nachgehen können.

Alle müssen an einem Strang ziehen

Es müsse deshalb auch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Denn das öffentliche Bild der Landwirte habe sich drastisch verändert. „Wenn ich vor 20 Jahren mit dem Laster unterwegs war, haben mir die Leute zugewinkt, heute strecken sie mir den erhobenen Mittelfinger entgegen“, findet Boll deutliche Worte. All das erschwere die Arbeitsbedingungen für die Landwirte zusehends.

Was also tun? Worauf setzt Boll seine Hoffnung? „Es muss wieder einen gesellschaftlichen Vertrag geben“, ist er sich sicher. Denn die Zeiten hätten sich geändert. „Der Verbraucher kauft oft, was da ist“, glaubt Boll. Für die Landwirte sei es enorm schwierig, sich mit ihren Produkten im Supermarkt gegen die billigere importierte Konkurrenz durchzusetzen. Neben dem Verbraucher sei deshalb auch der Einzelhandel und die Politik gefordert, um regionale Produkte zu fördern. „Das muss unser aller Ansinnen sein.“

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