Efringen-Kirchen Voller Poesie und Überraschung

Jonglage mit Klaviermusik zauberten Christian Rabe und Stefan Heidtmann beim Filmmusikabend in der Kulturscheune Rabe. Foto: Jürgen Scharf

Efringen-Kirchen - Stummfilm, Fagott, Klavier, Jonglage, Clownerie und Gedichte: Das alles passt wunderbar unter einen Hut, zumindest wenn es die drei Zauberhüte von Christian Rabe sind, mit denen der Kleinkunstmagier aus Kleinkems so geschickt jongliert. Zum Auftakt in der Kulturscheune war der Hausherr, Musiker und Clown in verschiedenen Rollen zu erleben bei dem Programm mit Stummfilmen, die er zusammen mit dem Kölner Pianisten Stefan Heidtmann live begleitete: Ein bunter Abend voller Poesie und Überraschung, witzig und anregend.

Keine historische Stummfilmbegleitung

Heidtmann macht am Klavier aber keine historische Stummfilmbegleitung, sondern etwas Modernes, eine Mischung aus Klassik, modernem Jazz und Minimal Music, mit eigenen kompositorischen Versatzstücken und freien Elementen. Natürlich wird er auch mal illustrativ dramatisch schneller, etwa wenn die Stummfilmstars vor der Polizei Reißaus nehmen und davon rennen oder wenn, wie in dem berühmten Film „One Week“ mit Buster Keaton,

Man staunt nur so über die artistische Leistung, die die Stummfilmdarsteller von damals mit ihren waghalsigen Stunts und Gags in dieser Hoch-Zeit des Kintopp vollbrachten. Und lacht sich heute noch schief, 100 Jahre danach, wenn Harold Lloyd – neben Charlie Chaplin und Buster Keaton der dritte Starkomiker des Stummfilms, ein Meister des Genres und Könner des Slapsticks – als junger Mann mit Brille nach Erfolg, Glück und einer Frau sucht.

Raffinierter Schachzug

In „The Non-Stop Kid“ (Der Unaufhaltsame) von 1918 macht Lloyd einen ganz raffinierten Schachzug. Er verkleidet sich als Professor Nudel, um seine Angebetete zu erobern, und platzt als falscher Bräutigam in eine feine Teegesellschaft.

Seinen speziellen Brillen-Charakter lebt der Schauspieler auch in einer anderen Kurzfilmkomödie, „Are Crooks Dishonest?“ (Sind Gauner unehrlich?) aus. Hier versuchen Harold und Snub 13 Minuten lang höchst vergnüglich, eine raffinierte Miss Gulasch zu betrügen.

Auch die herrlichen Tricks mit dem Fertighaus auf der Drehscheibe in Buster Keatons „One Week“ und das Chaos, das hier in den Flitterwochen mit Hindernissen angerichtet wird beim Bau einer windschiefen Bretterbude, die zusammenkracht, wenn schließlich der Gegenzug durchs Fertighaus fährt, verblüffen ob ihrer technischen Spielereien und spektakulären Slapstick-Effekte.

Zu all dem muss man die richtigen Töne finden. Und das gelang Fagottist Christian Rabe und Pianist Stefan Heidtmann vortrefflich mit Anklängen an verschiedene Stile und glatten Übergängen, die nicht abrupt waren, sondern fließend, in einer musikalischen Sprache, die völlige Freiheit hatte. Zum Klavier brachte Rabes Fagott auch noch eine andere Klangfarbe und humorige Note ein.

Heidtmann hat nicht nur hörenswerte Piano-Intros zu den Filmen geliefert, sondern sehr pointiert und bluesig zu den Keulen- und Schwarzlicht-Jonglagen von Rabe improvisiert. Man kennt und versteht sich und war auf einer Wellenlänge. Der Jongleur zieht sich um zur nächsten Nummer und die Musik spielt weiter, und so verging die Zeit wie im Flug. Nicht nur, weil Rabe auch mal einen „Flieger“ mit Mütze, Brille und Jonglage-Stäben als Rotoren mimte.

Wie gut er auch schauspielerisch rezitieren kann, zeigt er in „Guckkasten“, einem Gedicht von Friedrich Rückert, das man kennen sollte.

Dass Rabe auch eigene Gedichte schreibt, wussten sicher die wenigsten. An diesem Abend konnte man das hören bis hin zu einem vergeistigten Sonett. Rabe macht sich in seinen Gedichten Gedanken über das Leben heute, die Erziehung, Politik, die digitale Diktatur, und auch vor der obligatorischen Suppe für die „Freunde der Scheune“ gab es frei nach Heinz Erhardt „noch ’n Gedicht...“

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