Efringen-Kirchen Vom Elsass ins Rebland

Ralph Lacher
Auf den sandhaltigen Böden im Rheinvorland, hier mit Blick auf Istein, wird seit knapp 120 Jahren Spargel angebaut. Foto: Lacher

Die Spargelernte dauert gewöhnlich bis Johanni, also bis zum 24. Juni, auch wenn sie dieses Jahr schon etwas früher endete. Über den Anbau und den Aufstieg eines einstmaligen „Luxusprodukts“ im Markgräflerland.

Von Ralph Lacher

Efringen-Kirchen/Fischingen. Früher als „königliches Gemüse“ ein Luxusprodukt, ist der Spargel heute zu einem Alltags-Gemüse im Frühsommer geworden.

Erst seit etwa einem Vierteljahrhundert wird Spargel in großem Stil auf Flächen im Markgräflerland angebaut. Hanspeter Ziereisen, Betreiber des gleichnamigen Spargelhofs und Weinguts in Efringen-Kirchen und den Traditionen von Wein- und Landwirtschaft in seiner Heimat sehr verbunden, berichtet, wie sein Urgroßvater Emil Bürgin im Jahr 1905 mit dem Spargelanbau begann.

„Unsere Böden, vor allem im Rheinvorland, eignen sich mit ihrem Sandgehalt ideal dafür“, so Ziereisen. Diese leichteren, humushaltigen Sandböden sind gut zu bearbeiten, erklärt er. Sie erwärmen sich im Frühjahr schnell, führen zu einem frühzeitigen Austrieb und erleichtern das Stechen. Sein Urgroßvater Emil Bürgin habe die Spargelpflanzen und auch die Tipps für den Anbau aus dem damals noch zum deutschen Kaiserreich gehörenden Elsass, genauer aus Neudorf (Village-Neuf) mitgebracht.

Familien hatten auf ihren Bünden Spargeldeiche

Daraus wurde in Efringen-Kirchen nicht nur in der Familie Ziereisen ein Anbautradtion. Hanspeter Ziereisen erinnert sich an seine Jugendtage in den 1970er Jahren. „Damals hatten viele auf ihren Bünden, wie die kleinen privaten Flächen zum Anbau von Gemüse und Salat heißen, Spargeldeiche.“ Der Spargel, der von seinen Vorfahren angebaut wurde, ging fast ausschließlich an die hiesige Gastronomie. Das behielt sein Großvater Hans Ziereisen ebenso bei wie sein Vater Hansjörg. Im Zuge der stärker werdenden Direktvermarktung ab den frühen 1990er Jahren wurde bei Ziereisens die Spargelvermarktung auf die Privatkundschaft ausgedehnt.

Bis dahin hätte man im Markgräflerland nur in Efringen-Kirchen, im benachbarten Istein und auf den Rheinvorland-Flächen Spargel angebaut. Die meisten privaten Anbauer hätten aufgehört, weil Spargel ein aufwendig zu pflegendes und zu erntendes Gemüse ist, so der Landwirt. Ab etwa Mitte der neunziger Jahre kamen neue Anbautechniken für den Spargel hinzu, im Wesentlichen die Folienabdeckung. Das habe Anbau und Ernte erheblich erleichtert und dafür gesorgt, dass neue Flächen für Spargelanbau genutzt wurden, erzählt Ziereisen.

Dies kann Susanne Denzer vom Fischinger Weingartenhof bestätigen. Ihre Großeltern haben bis in die 1970er Jahre hinein auf kleinen, sandigen Flächen Spargel angebaut. Dann wurde dies zu aufwendig. Erst als die Folienabdeckung aufkam, stieg die Familie Denzer wieder in den Spargelanbau ein. „Der erste Spargel wurde von uns im Jahr 1998 geerntet und vermarktet und ist seither ein wichtiges Produkt“, erklärt Denzer.

Für Lorenz Boll, dem Geschäftsführer des Erzeugergroßmarkts mit Sitz in Efringen-Kirchen (Egro), stellt sich die Situation ähnlich dar. Bis in die 1990er Jahre sei Spargel ein Nischenprodukt gewesen. Die Ernte sei zwar immer noch kompliziert, da sie in Handarbeit erfolge. Durch moderne Techniken sei der Anbau aber heute leichter. Boll schätzt, dass die Spargelfläche im Einzugsgebiet des Großmarkts mit rund 700 Hektar schon seit rund einem Vierteljahrhundert diese Größe hat.

Als der Egro als Zusammenschluss der Großmärkte in Efringen-Kirchen und Oberrotweil Mitte der 1990er Jahre entstand, hatte der Efringen-Kirchener Geschäftsführer Peter Krüger die Spargelfläche noch mit 380 Hektar angegeben. 1990 habe sie sogar erst bei 220 Hektar gelegen, so Krüger damals.

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