Efringen-Kirchen Von Freude bis Entsetzen

Reinhard Knorr (CDU) Foto: Weiler Zeitung

Von Clemens Leutz

Die Sieger freuen sich, die Verlierer sind enttäuscht: Die Reaktionen von Efringen-Kirchener Parteienvertretern fallen so unterschiedlich wie die Wahlergebnisse aus.

Efringen-Kirchen. Reinhard Knorr, CDU-Fraktionssprecher: Der Wahlkreisabgeordnete Armin Schuster habe eine gute Arbeit gemacht, die der Wähler aber nicht entsprechend honorierte. Auch in Efringen-Kirchen zeigte sich der Abwärtstrend der CDU, dennoch schnitt die Partei besser ab als im Landesschnitt. Dass die AfD so viele Stimmen erhielt, sei schon enttäuschend. Doch bereits am CDU-Wahlstand sorgten manche Meinungen und die Verrohung der Sprache für Entsetzen, für viele gebe es keine Tabus mehr.

Armin Schweizer, SPD-Ortsvorsitzender: Das Ergebnis im Land sei bitter, mit demjenigen von vor Ort könne man aber noch recht zufrieden sein. Dass der SPD-Kandidat Jonas Hoffmann, der einen fulminanten Wahlkampf geführt habe, in vier Jahren wieder zur Verfügung stehe und die Oppositionsrolle in der SPD unisono akzeptiert werde, eröffne der Partei im Kreis auch eine Zukunftsperspektive. Auch Schulz habe weiter die Unterstützung der Partei. Mit den ehemaligen SPD-Wählern, die zur AfD abgewandert sind, müsse man in Kontakt kommen, um sie wieder zurückzuholen. Schließlich hätten viele die AfD aus Protest gewählt und nicht etwa, weil sie deren Programm so gut finden.

Kevin Brändlin, FDP-Gemeinderat und Ex-Ortsvorsitzender: Das Ergebnis der FDP im Bund sei „genial“, zumal noch vor vier Jahren alle die Partei für tot erklärt hätten. Offenbar sei die FDP aber doch nicht überflüssig und eine liberale Stimme habe vielen gefehlt. „Richtig toll“ sei auch das Ergebnis in Efringen-Kirchen, wo die FDP in fünf Ortsteilen die zweitstärkste Partei stelle. Und der fusionierte Ortsverein Markgräflerland könne mit Christoph Hoffmann nun sogar einen Bundestagsabgeordneten nach Berlin schicken. Das Ergebnis der AfD sei ein Ausdruck von Protest. Die Partei könnte sich auch wieder relativ schnell selbst zerlegen, zumal der gemäßigte Flügel offenbar immer mehr ins Hintertreffen gerate.

Karl Rühl, CDU-Ortsvorsitzender, Bürgermeisterstellvertreter: Die CDU sei „abgewatscht“ worden, doch in Efringen-Kirchen fielen die Verluste nicht so schlimm aus wie auf Landesebene. Der Ortsverband habe einen sehr aufwändigen Haustürwahlkampf geführt, zwei Stunden lang sei auch Armin Schuster mit dabei gewesen. Dies sei viel effektiver gewesen, als Wahlstände auf dem Rathausplatz aufzustellen. Schlecht gelaufen sei, dass nicht herausgearbeitet werden konnte, wie gut Deutschland dastehe. Die CDU hätte mehr Positives in den Vordergrund rücken müssen. Aber mit Ängsten lasse sich eben trefflich Politik machen.

Franz Kiefer, FDP-Fraktionsvorsitzender: Die Liberalen könnten mit dem Ergebnis insgesamt und in der Gemeinde Efringen-Kirchen zufrieden sein, die Partei habe sich wieder „richtig stabilisiert“. Auf Bundesebene werde hoffentlich die Vernunft siegen, „damit wir eine gute Koalitionsregierung kriegen“. So werde die FDP nicht unterschreiben, dass ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr in Autos eingebaut werden dürfen. Wie beim Strom, sei auch bei Autos ein guter Mix erforderlich. Die Autoindustrie könne Dieselfahrzeuge und Benziner sicherlich „sauberer hinkriegen“.

Bernd Münkel, FDP-Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter: Das Wahlergebnis kam für Münkel nicht überraschend: „Ich freue mich über das Ergebnis für die FDP und für Christoph Hoffmann, dass er es in den Bundestag geschafft hat.“ Der Einzug der AfD sei ein Wermutstropfen, der aber absehbar gewesen sei. Man sollte ihn aber auch nicht überbewerten, „schließlich haben 87 Prozent der Bürger vernünftig gewählt“. Nun müssten sich die etablierten Parteien fragen Um eine Regierung zu bilden, müssten die Politiker nun Verantwortungsbewusstsein beweisen. Neuwahlen wären jedenfalls keine gute Lösung.

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