Efringen-Kirchen Wie tanzende Lichtreflexe auf dem Grundton

Weiler Zeitung
Die geheimnisvolle Welt der Obertöne öffnete Christian Bollmann bei seinem Konzert in der Kulturscheune Kleinkems. Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Kulturscheune: Obertöne vermitteln Ahnung des Unendlichen / Außergewöhnliches Konzert in Kleinkems

Kleinkems (do). So wie der Regenbogen das Farbspektrum des Sonnenlichts auffächert, können Musikinstrumente oder auch die menschliche Stimme das Spektrum der in einem Ton mitschwingenden Obertöne hörbar machen. Reine Physik? Oder ein magisches sinnliches Erlebnis? Dem Zauber des Resultats tut eine wissenschaftliche Erklärung keinen Abbruch.

Das Publikum in der Kulturscheune durfte beim jüngsten Konzert eintauchen in die Welt der Obertöne, einen aufregenden klanglichen Kosmos, der eine Ahnung des Unendlichen vermittelt. Und wieder einmal profitierte man von den vielen Verbindungen von Hausherr Christian Rabe in die unterschiedlichsten Musikszenen. Diesmal hatte er Christian Bollmann eingeladen, einen Pionier des Obertongesangs in Deutschland, der als klassisch ausgebildeter Musiker bei einer Aufführung von Stockhausens „Stimmung“ den ersten Kontakt zum Obertongesang gefunden hatte.

Hinhören, die Stille ebenso wirken lassen wie den Klang, das ist die Voraussetzung für das Hörerlebnis, das, je länger es dauert, eine desto beruhigendere Wirkung auf Körper und Geist besitzt.

„Nährend und lichtvoll“ in einer Zeit der akustischen Reizüberflutung sei die Wirkung der Obertöne, erläuterte Bollmann zu Beginn. Dass beim Kultivieren der Obertöne auch klangästhetisch herrliche Kunstwerke entstehen, war an diesem Abend mühelos nachvollziehbar, denn Bollmann hatte eine ganze Anzahl von Instrumenten mitgebracht, die mit einem einzigen Ton ein breites Klangspektrum entfalten können. Didgeridoo, chinesischer Gong, Rahmentrommel, Muschelhörner aus Tibet in verschiedenen Größen, eine hölzerne tschechische Hirtenflöte, Klangschalen und anderes mehr.

Zum Schluss stellte er auch noch ein Holzkästchen mit einem zwischen zwei beweglichen Deckeln befestigten Balg vor, ein „Handharmonium“ aus Indien, das einen wunderlich vielstimmigen Laut erzeugt. Ein besonderer ästhetischer Effekt war das elektronisch erzeugte und lange nachklingende Echo der Muschelhörner, das zu einer vielstimmigen, weit tragenden Musik wurde, die durch die Mauern der Scheune hindurch geradewegs ins All zu fließen schien.

In Staunen versetzen konnte einen auch der Gesang des Meisters, der die Obertöne wie Lichtreflexe auf dem Grundton tanzen ließ und mit ihnen eigenständige Melodien und Rhythmen generierte. Besonders deutlich wurde das in einem Stück, wo Bollmann die „Obertonmelodie“ zunächst als einfache Melodie sang und sie danach als echte Obertöne über einem gehaltenen Grundton quasi als Wiederholung entstehen ließ. Und mit dieser Stimme reicht er auch in die unergründlichen Tiefen der rollenden Basstöne, wie sie sich mit der klassischen Gesangstechnik niemals hervorbringen lassen.

Hören, staunen, träumen, meditieren oder einfach genießen: Wie man die notenlose Musik reflektiert, ist jedem selbst überlassen. Sie öffnet auf jeden Fall ungeahnte Weiten und Hörerlebnisse und schärft die Sinne der Wahrnehmung von in Schwingung versetzter Luft.

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