Efringen-Kirchen Wildkatzen sind zurück im Rebland

Die Wildkatze ist auch in den Wäldern um Efringen-Kirchen wieder heimisch. Foto: sba/Ronald Wittek

Efringen-Kirchen - Sie ist eine Bewohnerin der hiesigen Wälder, die man so gut wie nie zu Gesicht bekommt, deren Anwesenheit aber dennoch für viel Freude sorgt. Nach mehr als 100 Jahren, in denen die Wildkatze in Baden-Württemberg als ausgestorben galt, ist sie seit einiger Zeit auch in den Wäldern im südlichen Rebland wieder beheimatet.

Das heißt zugleich, dass die Maßnahmen von Erfolg gekrönt waren, die dazu beitragen sollten, dass die scheuen Tiere in der Regio wieder heimisch werden. Denn man habe in der Vergangenheit vermehrt dafür gesorgt, dass die Rückkehr der Wildkatze durch die Schaffung von Biotopen begünstigt wird, wofür es auch entsprechende Fördermittel gab, erklärt Revierförster Gerhard Schwab.

Realisiert wurden unter anderem Lichtstellungen in Altbeständen. Die Buche in den hiesigen Wäldern sorge für verhältnismäßig dunkle Bedingungen, an bestimmten Stellen gestaltete man daher hellere Bereiche, die von der Wildkatze bevorzugt werden, erklärt der Revierförster das Konzept.

Besonderes Augenmerk liegt bezüglich der Maßnahmen auf den bestehenden Verkehrswegen – speziell auf den viel befahrenen Straßen wie der A 5 oder der B 317. Denn diese stellen ein Hindernis dar, welches die Tiere kaum überwinden können.

Augenmerk auf Verkehrswegen

„Seit einigen Jahren breitet sich die Wildkatze auf natürliche Weise wieder aus. Eine positive Ausbreitung beziehungsweise Wiederbesiedlung ist allerdings gefährdet durch den Verlust von Tieren durch den Straßenverkehr und durch das Fehlen von Wildtierkorridoren“, erklärt Sabrina Streif vom Arbeitsbereich Wildtiermonitoring und -genetik bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg.

Damit Wildkatzen im Markgräflerland von den Rheinwäldern in die Vorbergzone gelangen, gebe es seit etwa 2016 Bestrebungen, solche Wanderkorridore für die Wildkatze, aber auch für andere Wildtiere zu erhalten oder aufzubauen.

Da die Wildkatzen unter anderem aus dem benachbarten Elsass einwandern, sei es wichtig, diese Querverbindungen gezielt zu schaffen, betont auch Revierförster Schwab. Erfahrungsgemäß würden die Wege, die auf diese Weise für die Wildkatzen entstehen, von den Tieren dann auch genutzt. In ganz Südbaden gebe es inzwischen Korridore, in denen die scheuen Raubtiere ihre häufig langen Strecken zurücklegen können.

Tiere wandern aus dem Elsass ein

Die Bedeutung des linksrheinischen Gebiets für die Ansiedlung der Wildkatze in den hiesigen Wäldern bestätigt die FVA. „Die Wildkatzen breiten sich von Frankreich aus, ein Prozess, der vermutlich schon seit über zwei Jahrzehnten stattfindet“, weiß Streif. Mittlerweile habe es die Wildkatze auch in die Vorbergzone geschafft. „Vor etwa zehn Jahren konnten dort nur Hauskatzen nachgewiesen werden.“

Bereits vor mehr als 100 Jahren verschwand die Wildkatze aus den hiesigen Wäldern. „Jagdliche Verfolgung und der Verlust von Lebensraum waren die Hauptursachen für den starken Rückgang der Wildkatze. In Baden-Württemberg galt sie seit 1912 als ausgestorben“, legt die Expertin dar.

Maßnahmen zeigen zweifelsfrei Wirkung

Dass die ergriffenen Maßnahmen zur Wiederansiedlung der Tiere in der Regio Wirkung zeigen, daran besteht inzwischen kein Zweifel mehr. „Vor kurzem gab es bei Welmlingen einen Totfund“, bestätigt Schwab, dass es im Bereich Efringen-Kirchen zweifelsfrei wieder Wildkatzen gibt. Das gefundene Tier sei an einer Krankheit gestorben.

Durch einen DNA-Nachweis habe festgestellt werden können, dass es sich tatsächlich um eine Wildkatze und nicht etwa um eine verwilderte Hauskatze gehandelt habe. Denn rein äußerlich sind die beiden Arten nur schwer voneinander zu unterscheiden, genetisch sind sie jedoch verschieden, erklärt der Revierförster.

Duftbäume für den Nachweis

Um das Vorhandensein der Wildkatzen zu bestätigen, sei man aber nicht nur auf Totfunde angewiesen, ergänzt Schwab. So gebe es auch speziell mit Baldrian behandelte Duftbäume, an denen sich die Wildkatzen reiben. Dabei bleiben Haare zurück, anhand derer wiederum die DNA der Tiere nachgewiesen werden kann.

Neben der Fauna ist es im Efringen-Kirchener Wald derzeit auch um die Flora gut bestellt. „Sie sprechen mit einem überaus glücklichen Revierförster“, sagt Gerhard Schwab auf die Niederschläge der vergangenen Monate angesprochen. Es sei lang her, dass er einen so grünen Wald gesehen habe. Zwar habe es auch in den vergangenen Jahren, in denen es bei großer Hitze kaum Regen gab, im Efringen-Kirchener Wald stets verhältnismäßig gut ausgesehen, weil die hiesigen Böden diesbezüglich gut sind. Trotzdem: Drei Jahre mit geringen Niederschlägen sind auch dort nicht spurlos an den Bäumen vorübergegangen.

Trotz aller Freude über die Niederschläge der vergangenen Monate bleibt Schwab daher vorsichtig, was die mittelfristige Prognose angeht. Denn so schnell, wie die Wasserreserven jetzt aufgebaut worden sind, können sie im Zweifelsfall auch wieder aufgebraucht sein, mahnt der Revierförster.

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