Efringen-Kirchen Zwei Brüder und ihre Werke

Efringen-Kirchen -  Über ein Jahr ist nun vergangen, seit die Umbenennung der ehemaligen Burte-Halle in Efringen-Kirchen auf Antrag des SPD-Ortsvereins beschlossen wurde. Aktuell sind Kunstwerke Hermann Burtes im Dreiländermuseum im Rahmen der Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus“ zu sehen, die noch bis zum 10. Oktober andauert. Historiker Hubert Bernnat führte jüngst Interessierte durch die Ausstellung.

Für die Gemeinde hat der deutsche Maler und Schriftsteller Hermann Burte eine besondere Bedeutung. In der Straße seines Namens, die von der Hauptstraße in Efringen abzweigt, hat der Künstler von 1956 bis 1958 gewohnt. Ebenfalls 1958 wurde Burte zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.

Diese Ernennung zog in den nachfolgenden Jahren einiges an Kritik nach sich. Denn der Maler gilt spätestens seit 1912 als ein Verfechter der völkischen Ideologie und später als Anhänger nationalsozialistischer Ideen. Die Themenführung durchs Museum solle, so SPD-Ortsvereinsvorsitzender Armin Schweizer, der Aufklärung im Nachgang an die Umbenennung der Halle dienen.

„Zudem sollte sie noch einmal die Hartnäckigkeit der SPD deutlich machen, an der Burte-Verehrung im öffentlichen Raum Kritik zu üben, sei es an seiner Ehrenbürgerschaft, am Namen der Gemeindehalle oder an der nach ihm benannten Straße.“

Im Anschluss an die Führung las Schweizer aus Burtes Gedicht „Im Exil“ vor: „Die Bücher nahmen sie, die lieben Dinge, und schickten mich aus meinem Hause fort. Ich muss die letzten Jahre nun verbringen am herben Rhein, im seelenlosen Ort.“ Diese Worte des Künstlers verdeutlichten erneut, dass es nicht nachvollziehbar gewesen sei, ihm nach dieser Standortbeschreibung die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde zu verleihen, stellte Schweizer klar.

Malstile ähneln sich

Dass die Kunst Burtes kontrovers diskutiert wird, ist auch den Organisatoren und Initiatoren der Ausstellung bewusst. „Es geht nicht darum, Geschehnisse zu bewerten. Vielmehr will die Ausstellung in besonderer Form das Verhältnis von Künstlern zum NS-Regime beleuchten“, erklärt Museumsleiter Markus Moehring. „Der Besucher der Ausstellung soll mit unverstelltem Blick betrachten und sich selbst eine Meinung bilden.“ Alle Künstler dieser Zeit stünden, so der Museumsleiter, in einem Verhältnis zum NS-Regime.

Die Ausstellung erhebe den Anspruch einer Dokumentation, sie will zeigen, wie sich NS-Propaganda auf Kunst und ihr Verständnis ausgewirkt hat. Deshalb haben sich die Organisatoren auch dazu entschieden, die Kunstwerke der Brüder Hermann Burte und Adolf Strübe im selben Raum nebeneinander auszustellen.  Das eine Kunstwerk stammt von Burte, NSDAP-Mitglied und von den Nazis gefeiert. Das andere von seinem Bruder Strübe.

Der Dozent der Berliner Kunsthochschule erduldete die Repressalien und arrangierte sich. Seinem avantgardistischen Stil blieb er aber treu, obwohl dieser von den Nazis kritisiert wurde. „Der eine gilt als Opfer des Regimes, der andere als eng damit verwoben. Wer genau hinsieht, wird erkennen, dass sich der Malstil der beiden Brüder aber dennoch stark ähnelt“, beschreibt Moehring.

Man könne weder vom Kunststil auf die politische Gesinnung des Künstlers schließen, noch umgekehrt von der politischen Einstellung auf den Kunststil oder die Malweise.

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