Efringen-Kirchen Zwölf Kilometer purer Genuss

Beatrice Ehrlich

Efringen-Kirchen/Bad Bellingen - Publikumsmagnet Gutedelwandertag: Tausende Menschen aus der ganzen Region haben die Gelegenheit genutzt, zwischen Efringen-Kirchen im Süden und Bad Bellingen im Norden zu wandern und einzukehren.

Von Beatrice Ehrlich

Schon vor der Eröffnung um 11 Uhr bei den Markgräfler Winzern sind die ersten Wanderer unterwegs. Von allen Seiten strömen Menschen auf die für Autos gesperrte Strecke. Mit dem Wetter hätten es die Veranstalter vom Verein Markgräfler Wein nicht besser erwischen können: Zwar lacht die Sonne vom Himmel, dennoch kommt man auf der rund zwölf Kilometer langen Strecke höchstens beim langen Aufstieg am Anfang ins Schwitzen, da die ganze Zeit ein leichter Wind weht.

Eröffnung im Hof der Markgäfler Winzer

Die Eröffnung übernimmt die Badische Weinkönigin Katrin Lang aus Ebringen, die sich freut, an diesem Tag in ihrer südbadischen Heimat zu Gast sein zu dürfen. Flankiert wird sie von den Bürgermeistern von Efringen-Kirchen und Bad Bellingen, Philipp Schmid und Carsten Vogelpohl, Markus Büchin als Vorsitzendem des ausrichtenden Vereins sowie Hagen Rüdlin, dem geschäftsführenden Vorstand der Markgräfler Winzer, auf deren Gelände die Eröffnung stattfindet. Mit Wanderstiefeln ausgestattet sind auch Kanderns Bürgermeisterin Simone Penner, Eimeldingens Bürgermeister Oliver Friebolin, der Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann und der Landtagsabgeordnete Jonas Hofmann. Bürgermeister Schmid begrüßt überdies Gäste aus dem benachbarten Frankreich: Carole Tailleux, Bürgermeisterin der Partnergemeinde Bad Bellingens, Petit-Landau, und Bürgermeister Thierry Litzler aus der Isteiner Partnergemeinde Rosenau mit seinen zwei Beigeordneten. Auch Efringen-Kirchens Ehrenbürger Heinz Graf und Bad Bellingens Altbürgermeister Eberhard Stotz haben es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein.

Wanderschuhe an den Füßen, Gutedel im Glas

Die meisten Wanderlustigen hält es nicht lange im Hof der Genossenschaft, die meisten haben sich vorgenommen, die ganze Strecke bis Bad Bellingen abzulaufen – natürlich mit einigen Stationen.

Treue Besucher aller Gutedelwandertage seit zehn Jahren sind zum Beispiel eine Gruppe ehemaliger Ministranten aus Waldshut-Tiengen, die im Schatten der Kastanien bei den Markgräfler Winzern schon die erste Flasche Gutedel zur Stärkung geöffnet haben. Manche Wanderer halten es wie sie, und haben den ganzen Weg entlang die Weingläser in der Hand, um nicht unverhofft ohne einen Schluck Wein dazustehen. Andere haben zu tun: Väter schieben Kinderwagen, in denen oft nicht nur das jüngste Kind der Familie sitzt, sondern das zweitjüngste gleich mit, Mütter tragen Kraxen, in denen der Nachwuchs friedlich schläft. Der Gutedelwandertag, so viel wird deutlich, übt unwiderstehliche Anziehungskraft auf alle Generationen aus: Angefangen von Familien mit Babys, über Jugendliche mit Boom-Box und Fußball und junge Männer und Frauen, die ganze fahrbare, (nicht nur mit Wein) gut gefüllte Theken mit Sonnenschirm mit sich führen bis hin zu den Wanderern in den besten Jahren gibt es einfach keine Altersgruppe, die bei diesem Ereignis nicht vertreten ist.

Bereits um 8.30 Uhr aufgebrochen ist Anita Eichin aus Zell, die mit Mann und Freunden die „einzigartige Atmosphäre“ des Gutedelwandertags genießt. „Das ist einfach etwas anderes als ein gewöhnliches Straßenfest“, schwärmt sie, „die Leute freuen sich, wieder rauszukommen“. Ihre Freundin Annliese Geiss ergänzt, dass der Zug ab Schopfheim proppenvoll gewesen sei.

„Ab Schopfheim war der Zug proppenvoll“

Später, nachdem sie den steilen Anstieg oberhalb Efringen-Kirchens glücklich überwunden haben, bewundern die beiden die einzigartige Aussicht auf die umliegenden Orte, Basel und das Schweizer Jura: „Ein herrlicher Ausblick!“

Aber auch aus der entgegengesetzten Richtung haben sich viele Vatertags-Bummler anziehen lassen. Der 10-Uhr-Zug aus Richtung Freiburg sei, da zu voll, durch Müllheim und Schliengen einfach durchgefahren, bevor er in Bad Bellingen halt machte, heißt es.

Viele Gutedelwanderer sind in Gruppen unterwegs, oft mit eigens designten Motto-T-shirts. Sei es der Motorsportclub Rebland aus Hertingen, dessen Mitglieder im Traktoranhänger angereist sind und vor der Straßensperre ihre Bollerwagen abgeladen haben, Fußballer des FC Neuenburg oder Sänger vom Männergesangverein Tunsel – nahtlos reihen sich alle ein in die nicht endende Menschenschlange, die sich entlang der vorgegebenen Route durch die Weinberge bewegt, vorbei an Kirschplantagen und herrlich blühenden Wiesen mit Margeriten, Mohn und Kornblumen. Oberhalb des Steinbruchs Kapf in Huttingen, der am Weg liegt, lässt eine Frau sehnsüchtig den Blick in die Tiefe wandern: „Das jetzt mit Wasser füllen, und dann reinspringen“, stellt sie sich vor. Vor ihr liegt noch ein Gutteil des Wegs, auch wenn es über Blansingen und Bamlach fast nur noch bergab geht. Lohn für alle Mühe sind die bestens bestückten Verpflegungsstände, an denen außer Wein und Sekt auch kulinarische Köstlichkeiten vom Burger bis zum Bauernhofeis gereicht werden.

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