Eimeldingen Die Kinder stehen im Mittelpunkt

Eimeldingen/Kakamega County -  Zehn Stunden Flug nach Nairobi, dann sechseinhalb Stunden Taxifahrt über Land. Auch in Kenia herrscht Lockdown, alle Inlandsflüge sind gestrichen. Am späten Nachmittag wartet im Gewimmel eines lokalen Marktes der gelbe Bus von „Malaika Children’s Home“, und über der ganzen Szene schwebt der Gesang von vierzig Kindern – „Karibu“ heißt willkommen. Zwei Trommeln sind mit dem Empfangskomitee mitgekommen als Ausdruck der Lebensfreude und Begeisterung.

Kenia in Ostafrika ist in diesen Corona-Zeiten weiter entfernt als sonst. Da sind die 6000 Kilometer zurückzulegen, aber auch die verschiedenen Gesundheitstests zu bestehen. Malaika im Landkreis Kakamega liegt genau am Äquator.

Willy Schneider hatte mit seiner Frau Asuna schon 1979 mit seiner Arbeit für Straßenkinder und Waisen in Kenia begonnen. Da war er noch evangelischer Pfarrer in der Gemeinde Eimeldingen, Märkt und Fischingen (1975 bis 2001). Nach seiner Pensionierung siedelte er in seine Heimat nach Ottenhöfen in der Ortenau über und setzt seine Arbeit für Malaika fort.

Das Kinderdorf Malaika (das Wort bedeutet auf Deutsch „Engel“) besteht aus drei Teilen: Unterkunft, Küche und Mensa für 110 Kinder, der Privatschule für 140 sowie der Krankenstation. Alles wurde durch private Spenden finanziert. Die Gönner, vorwiegend aus Südwestdeutschland, haben zuweilen auch größere Beträge eingezahlt, um zum Beispiel ganze Gebäude zu errichten.

Als 1952 die Schwiegermutter von Willy Schneider, „Mama Maria“, die ersten Kinder von der Straße aufnahm, war das für sie eine Selbstverständlichkeit. „Du bist gesegnet“, sprach sie diesen Kindern ohne Zuhause und Familie zu. Das ist heute noch so. Die Kinder stehen im Mittelpunkt. Bei jeder Gelegenheit, bei vielen Festen, drücken sie durch Musik und Tanz ihre Dankbarkeit aus. Beim Abschiedsfest für Willy und Asuna eine Woche nach Ostern sagte ein zehnjähriges Mädchen: „Mit Malaika habt ihr uns Flügel gegeben, damit wir fliegen können.“

Nächste Generation ist bereit

Inzwischen ist „Malaika Children’s Home“ 25 Jahre alt geworden. Willy Schneider und Asuna denken nicht daran, sich zurückzuziehen. Aber die nächste Generation wird aufgebaut. Thomas Aenis aus Eimeldingen war einer der ersten, die in Kenia an einem Workcamp teilnahmen. „Ich habe Willy für mein Leben sehr viel zu verdanken“, sagt er. 

Heute ist er Doktor der Agrarwissenschaft, sein Arbeitsgebiet ist Landwirtschaftliche Beratung und Kommunikation an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bei Malaika ist er für die Betreuung von Spendern in Deutschland tätig.

Nelpine Aseka (25), selbst im Kinderdorf aufgewachsen, hat in Nairobi studiert. Vor wenigen Tagen ist sie vom Malaika-Komitee als Nachfolgerin von Asuna zur neuen Direktorin bestimmt worden. 2019/20 hat Nelpine Aseka drei Wochen in Deutschland verbracht, Kontakt zu Schulen und Organisationen aufgenommen und ein Netzwerk aufgebaut.

Die Erneuerung und Modernisierung des Kinderdorfes geht zügig voran. Nachdem schon Ende 2019 die Küche des Wohnheims mit Keramikplatten auf einen hohen hygienischen Standard gebracht wurde, folgte 2021 eine Abzugsentlüftung für die (Holz)-Kochstellen. Nebenan ist ein Backhaus im Bau. „Wir wollen unser eigenes Brot backen“, betont Mitgründer Willy Schneider.

Während eine Biogas- und Photovoltaik-Anlage, von Spendern bereitgestellt, schon längere Zeit zur Infrastruktur gehören, ist für die Mitarbeiter jetzt ein Personalhaus mit zwei kleinen Wohnungen im Bau.

In der Schule feierte man ein Ereignis der besonderen Art: die Fertigstellung der Sanitäranlagen mit Jungen- und Mädchen-Toilette und Duschen – ein großer Fortschritt im Sinne von notwendigen Hygiene-Maßnahmen.

Zum 80. Geburtstag von Pfarrer Willy Schneider am 5. Mai wird eine Biografie des Bundesverdienstkreuz-Trägers erscheinen, die er maßgeblich selbst verfasst hat. Rund hundert Personen aus dem Rebland und der Ortenau haben mit ihren Beiträgen die Realisierung ermöglicht. Das Buch mit 352 Seiten wird Anfang Mai ausgeliefert (wir berichten noch ausführlich).

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