Eimeldingen Neue Hoffnung aus zweiter Hand

Was macht ein Unternehmen, das sich auf die Organisation von Veranstaltungen spezialisiert hat, in einer Zeit, in der fast nichts mehr stattfinden kann? Die Antwort liefert „event trend“ aus Eimeldingen. Die Firma hat einen „Second-Hand-Verkauf“ organisiert, um sich so gut wie möglich an die außergewöhnliche Situation anzupassen.

Von Ingmar Lorenz

Eimeldingen. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet Steffen Walden, der die Firma gemeinsam mit seinem Vater, Björn Walden, leitet, wie die neue Geschäftsidee entstanden ist und wie man damit in Corona-Zeiten gegensteuern kann.

Frage: Herr Walden, „event trend“ organisiert Veranstaltungen. Können Sie einige Beispiele geben, um welche Events es sich dabei handelt und wie genau das in „normalen Zeiten“ abläuft?

Das Organisieren von Veranstaltungen als Gesamtkonzept ist nur eine der drei Kernkompetenzen. Unter anderem können dies private Feiern wie beispielsweise Hochzeiten, Geburtstage, Taufen und Konfirmationen aber auch Veranstaltungen für Firmen wie Jubiläen, Produktvorstellungen, Mitarbeiterveranstaltungen oder auch Weihnachtsfeiern sein. Die beiden anderen Kernkompetenzen sind die Eventausstattung – also die Vermietung von Equipment – sowie die Vermietung von Veranstaltungsräumen. Ein normaler Ablauf beginnt bei der Idee des Kunden, eine Veranstaltung durchzuführen. Mit dieser Idee wendet er sich dann an uns.

Frage: Das Veranstaltungs-Verbot ist eine der am längsten bestehenden Maßnahmen in der Corona-Krise. Hatten Sie bereits zu Beginn befürchtet, dass das Verbot erlassen werden könnte, oder kam die Ansage der Regierung dann doch als Schock?

Zu Beginn der Corona-Krise hat man das Ganze noch nicht sehr ernstgenommen. Wir selbst waren zu dieser Zeit noch auf einer Ordermesse in Frankfurt, auf der wir neue Dekorationsartikel und Mobiliar einkauften. Zu dieser Zeit dachte man noch, dass die Hygienemaßnahmen wie Händedesinfektion und ein Verzicht auf das Händeschütteln ausreichen würden. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, wie weit das Ganze führen wird, wäre meine Frage an ihn wohl gewesen, aus welchem Film er diese Idee hat. Im weiteren Verlauf hat sich ein Veranstaltungsverbot dann langsam für Großveranstaltungen abgezeichnet. Als dann aber auch private Veranstaltungen untersagt wurden, war dies schon ein Schock. Unsere Branche war eine der ersten Betroffenen und wird wohl auch eine der letzten sein, die, wenn überhaupt möglich, wieder normal agieren kann.

Frage: Wie und wann zeigten sich die Auswirkungen der Corona-Krise für „event trend“?

Die Auswirkungen wurden schnell klar, begonnen hat alles mit der Basler Fasnacht. Dass hierfür bereits gelieferte Material konnten wir noch am selben Tag aus der Schweiz retournieren. Kurz darauf wurden auch in Deutschland erst Veranstaltungen von 200 Personen, in einem zweiten Schritt von 100 Personen und schließlich ganz verboten. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir keinerlei Umsätze. Uns war dann schnell klar, dass dies keine kurzfristigen Maßnahmen sind und reagierten entsprechend, indem wir versuchten, die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Unsere Firmenfahrzeuge haben wir abgemeldet und die 20 festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, um Kündigungen zu vermeiden.

Frage: Sie haben einen „Second-Hand-Verkauf“ organisiert. Wie kam es dazu?

Aktuell fragen natürlich viele unserer Kunden, ob wir das Geschäft schließen, die Idee für einen Second-Hand-Verkauf hatten wir aber bereits vor einigen Jahren, jedoch hat uns hierfür bislang die Zeit gefehlt. Sicherlich war dieser nicht in diesem Umfang geplant, sondern sollte unseren Kunden Zugang zu günstigen Dekorationsartikeln bieten, welche wir nicht mehr in ausreichender Stückzahl zur Vermietung vorrätig haben oder die dem schnelllebigen Trend im Eventbusiness nicht mehr entsprechen. Da allerdings noch immer nicht klar ist, wann und wie wieder Veranstaltungen durchgeführt werden dürfen, haben wir das Sortiment im Verkauf ausgeweitet auf Mobiliar, Gartenartikel, Beleuchtung und sogar Geschirr, Besteck und Trinkgläser.

Frage: Inwieweit können die Corona-Einbußen dadurch abgefedert werden?

Es zeichnet sich ab, dass wir durch den Verkauf und die beschriebenen Maßnahmen zumindest kurzfristig unsere Fixkosten decken können. Wichtig ist uns erstmal, ohne Fremdkapital in Form von Krediten zur Deckung der aktuellen Kosten auszukommen. Entsprechend werden wir den Verkauf auch solange beibehalten, bis wir wieder gewohnt unserem normalen Geschäft nachgehen können.

Frage: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag durch die Corona-Krise und die Einführung des „Second-Hand-Verkaufs“ verändert?

Der Alltag ist für uns doch ungewohnt, da wir bislang keine großen Berührungspunkte mit einem solchen Verkauf hatten. Natürlich mussten wir auch erstmal die nötige Infrastruktur schaffen. Morgens, bevor der Verkauf startet, bereiten wir alles vor und füllen die Waren im Shop auf, holen für den Verkauf im Außenbereich alles aus der Lagerhalle und dekorieren ein wenig. Zwischen 9 und 12 Uhr und zwischen 14 und 17 Uhr haben wir dann den Verkauf geöffnet und versuchen, die Kunden bestmöglich zu beraten. Selbstverständlich kommen auch immer wieder Anfragen von Kunden, die eigentlich dieses Jahr noch eine Veranstaltung geplant haben. Leider können auch wir nur bedingt Auskunft geben, wie sich das Ganze entwickeln wird.

Frage: Die Landesregierung hat Lockerungen in Sachen Veranstaltungen beschlossen, die ab heute gelten. Wie sehr hilft Ihnen das?

Es ist zumindest ein Lichtblick. Abzuwarten sind hier natürlich die Bedingungen, unter denen die nun wieder erlaubten Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmern durchgeführt werden dürfen. Wer möchte im Kreis seiner Liebsten schon mit Mundschutz und Abstandsregelung feiern?

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