Eimeldingen Nicht nur bauen, sondern aufklären

Eimeldingen aus der Vogelperspektive: Bundesstraße und Bahngleise teilen den Ort.Karte: Maps4News/Lorenz Foto: Weiler Zeitung

Mit Blick auf den Verkehr ist Eimeldingen ein heißes Pflaster: Durchschnitten von der B 3 sowie der Bahntrasse und angrenzend an die Autobahn ist die Belastung für die Einwohner hoch. Hinzu kommen Brennpunkte, wie etwa die beengte Situation an der Dorfstraße. Wo man vor diesem Hintergrund mit einem Verkehrskonzept ansetzen kann, was möglich und vor allem realisierbar ist, wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erörtert.

Von Ingmar Lorenz

Eimeldingen. Das Büro „Verkehr mit Köpfchen“ aus Heidelberg hat sich in dem nun vorliegenden Verkehrskonzept für Eimeldingen mit zahlreichen Facetten rund um das Thema Verkehr beschäftigt. Vorgestellt wurde das mehr als 100 Seiten starke Resultat von Mobilitätsexperte Hannes Wöhrle.

Dieser beschrieb zunächst in einer Rückschau, wie man sich als Grundlage vor Ort gemeinsam mit mehreren Gemeinderäten sowie mit Bürgermeister Oliver Friebolin einen Eindruck verschafft hatte. Auch wies Wöhrle nochmals auf die verschiedenen Stationen der Bürgerbeteiligung hin, unter anderem auf den Workshop im Oktober sowie auf die Online-Befragung rund um das Thema Verkehr. Das diesbezügliche Engagement von rund elf Prozent der Eimeldinger Bürger lobt Wöhrle explizit. „Eine so hohe Beteiligung habee ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn noch nie erlebt.“ Die hohe Quote habe nicht nur für viele Anregungen gesorgt, sondern auch deutlich gezeigt, dass der Verkehr für die Eimeldinger ein „brennendes Thema“ sei.

Im nun vorgelegten Konzept wurden die unterschiedlichen Bereiche unter die Lupe genommen, etwa die Wege für Autos, Velos, Laster sowie Fußgänger, aber auch der ÖPNV.

Bei Planung realistisch bleiben

Eine Besonderheit von Eimeldingen sei die Trennung durch die Schneisen Bahntrasse und Bundesstraße. „Daran werden wir auch mit einem Verkehrskonzept nichts ändern“, betonte Wöhrle. Eine Umgehungsstraße müsse man etwa 30 Jahre planen – „und sie würde dann doch nicht kommen“. Stattdessen setze das Verkehrskonzept an anderer Stelle an.

Einer dieser Ansatzpunkte, so Wöhrle, könne die hohe Bereitschaft der Eimeldinger sein, auf das Rad umzusteigen oder zu Fuß zu gehen – wenn die Voraussetzungen dafür entsprechend gut sind.

Gleichzeitig gab sich Wöhrle aber mit Blick auf die Mobilitätswende realistisch. „Die meisten fahren Auto, weil es einfach sehr bequem ist“, betonte er die guten Voraussetzungen in Eimeldingen für den sogenannten motorisierten Individualverkehr.

Auch hinsichtlich des Lastverkehrs durch Eimeldingen und der Taktung des ÖPNV seien der Gemeinde die Hände gebunden. „Das wird an anderer Stelle entschieden“, wies Wöhrle auf die Zuständigkeit in übergeordneten Behörden hin.

Gut 40 Maßnahmen erarbeitet

Was also kann in Eimeldingen konkret hinsichtlich des Verkehrs getan werden? Gut 40 einzelne Maßnahmen haben Wöhrle und seine Kollegen im Verkehrskonzept zusammengefasst. Sechs stellte der Experte in der Sitzung exemplarisch vor. Dabei zeigte sich: Die Gemeinde wird nicht nur auf bauliche Veränderungen setzen müssen, sondern auch auf Aufklärung, Informationen und das Erarbeiten umfassender Konzepte zur Steigerung der Aufenthaltsqualität.

Für die beengte Situation in der Dorfstraße schlagen Wöhrle und seine Kollegen eine Einbahnstraßenregelung vor – zunächst als Versuch, um zu sehen, ob es sich bewährt. Auch sei vorstellbar, in der Gemeinde ein Parkkonzept zu entwickeln, mit dem das Abstellen der Fahrzeuge am Straßenrand besser geregelt und zugleich steuernd in die Verkehrsführung eingegriffen wird.

Darüber hinaus betonte Wöhrle, dass es wichtig sei, die Aufenthaltsqualität zu steigern, indem man Bereiche beruhige und Anreize für das Verweilen schaffe – zum Beispiel durch das Aufstellen von Bänken.

Verwaltung muss gezielt informieren

In der Jurastraße hält der Planer eine bauliche Verengung für umsetzbar, auch wenn Versuche in diese Richtung in der Vergangenheit am Veto der Verkehrsbehörde gescheitert sind. Auf Nachfrage von Gemeinderätin Martina Bleile betonte Wöhrle, dass es Spielraum in der Auslegung der entsprechenden Gesetze gebe. Die Gemeinde müsse ihre Sicht der Dinge gegenüber der Verkehrsbehörde klar kommunizieren.

Die Verwaltung könne zudem durch gezieltes Informieren die Entwicklung in Sachen Verkehr steuern, indem sie etwa Neubürger oder junge Familien über Möglichkeiten für die Nutzung des Velos in der Gemeinde aufkläre.

Für den Bereich vor der Metzgerei an der B 3 ist im Verkehrskonzept zudem ein Flächentausch angeregt. Vorgesehen ist dabei, dass die Radfahrer dann nicht mehr zwischen Straße und Parkplätzen verkehren, sondern die Parkflächen an die Straße rücken und der Radweg zwischen der Metzgerei und den abgestellten Fahrzeugen verläuft.

Lob und Kritik aus dem Ratsrund

Aus den Reihen des Gemeinderats gab es Lob und Kritik für das vorgestellte Konzept.

Martina Bleile kritisierte die aus ihrer Sicht zu wenig erhobenen Grundlagen-Daten und vermisste eine Verkehrszählung.

Birgit Pohl lobte ebenso wie Sven Herfort, dass es gelungen sei, das Thema Verkehr in der Gemeinde aus neuen Blickwinkeln zu betrachten. Zugleich wünschten sich beide Gemeinderäte aber, dass Maßnahmen verfolgt würden, die Verbesserungen für möglichst viele Einwohner bringen.

Wie Bürgermeister Oliver Friebolin abschließend darlegte, würde die konkrete Priorisierung der Maßnahmen letztlich durch den Gemeinderat beschlossen. Danach gelte es, sich mit anderen Ämtern hinsichtlich der Umsetzbarkeit abzustimmen. „Leider sind wir nicht die Genehmigungsbehörde.“

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