Eimeldingen Zwischen Südbaden und Afrika

Die Biographie gewährt Einblicke in Willy Schneiders bewegtes Leben.Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Zu seinem 80. Geburtstag erscheint die Biographie von Willy Schneider. Er war viele Jahre lang Pfarrer in Eimeldingen-Märkt und Fischingen, ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Staufermedaille und engagiert sich intensiv für ein Hilfsprojekt in Kenia (wir haben berichtet). Gerhard Breuer, der Schneider beim Verfassen der Biographie begleitet hat, stellt das Werk vor.

Von Gerhard Breuer

Rebland. Wenn eine Biographie ein Leben abbildet, dann wird der Mensch, um den es geht, „greifbar“. In diesem Buch ist der Autor überall präsent in seinem „farbigen“ Leben als Missionar, Pfarrer im Markgräflerland und als Mitbegründer eines Kinderdorfs in West-Kenia. Willy Schneider, 26 Jahre Pfarrer in Eimeldingen-Märkt und Fischingen, erzählt auf 320 Seiten von den wichtigen Stationen seines Lebens und dem, was ihn geprägt hat. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und der Staufermedaille nimmt den Leser mit in seine Zeit in Afrika und ins Markgräflerland sowie nach seiner Pensionierung in seine Heimat in der Ortenau.

Eine schöne Kindheit und Jugend verbrachte Willy Schneider im Nordschwarzwald. Mit dem Fahrrad fuhr er sogar bis an den Bodensee. „Gelegentlich hatten wir Glück, wenn wir beim Bauern im Heu übernachten durften, vor allem wenn wir vom Regen komplett durchnässt waren. Wir folgten dann der Einladung der Familie und saßen abends um die große Schüssel in der Mitte des runden Tisches und löffelten daraus die mit Rahm verfeinerte Kartoffelsuppe mit Bauernbrot als Zugabe. Die selbst gemachte Bauernbutter darauf war ein Hochgenuss.“

Keine nackten Pobacken in der Öffentlichkeit

Nach dem Theologiestudium in Neukirchen und Hamburg wollte Willy Schneider Missionspfarrer werden, und so wanderte er Mitte der 60er-Jahre mit seiner Familie aus nach Tansania. Mit einem Schmunzeln berichtet er über den „Wettbewerb“ der Missionsdienste aller Couleur, über die Arbeitseinsätze für Wasser und die großen Bemühungen um die Jugend in den Städten Kenias und auf dem Land. Er beschreibt, wie er in die Glaubenstraditionen des afrikanischen Kontinents hineingewachsen ist und wer ihm dabei half, vor allem sein Massai-Freund Esto Mollel und viele andere. „Esto erzählte uns von der neuen Verordnung der Regierung. Die Massai besuchten wie gewohnt die Stadt Arusha, den Knotenpunkt des Nordens. Der zunehmende Tourismus brachte Probleme mit sich, da Massai in ihrer traditionellen Kleidung beim Gehen einige Pobacken freisetzten, mal die linke, dann die rechte. Das war anstößig, schlecht für das afrikanische Image. Die Regierung sprach ein Verbot aus, die Stadt durfte künftig nur mit Hose und Hemd betreten werden. Fortan half man sich in den Gehöften der Massai. Man kaufte eine Hose und ein Hemd, groß genug. Jeder, der in die Stadt wollte, lieh sich beides aus trotz unterschiedlicher Größe. Nach der Rückkehr landete diese Ausstattung wieder an einem Haken in einer Massai Boma.“

Schneider als engagierter Brückenbauer

Das in Afrika erlebte Gemeinschaftsgefühl übertrug er auf seine Pfarrstelle in Eimeldingen. Er konnte nicht alle Dorfbewohner überzeugen, aber doch sehr viele. Manche sprechen noch heute davon, wie viel „Willy“ ihnen gegeben hat.

„Ein schönes Ereignis war die Gründung eines Dorffestes. Am Anfang war es noch sehr familiär. Wir tanzten auf der Dorfstraße, ich selbst ritt auf einem Zuchthammel von der Säuripsi, im Winkel ausgeliehen. Ich spielte Gitarre, und wir tanzten auf dem Kirchplatz ,Laurentia, liebe Laurentia mein’. Besonders am Abschlusstag, wenn alles aufgeräumt war, traf man sich in guter Laune und wir feierten den Ausklang mit fröhlichem Gesang der Sängerkameraden. ,Holt ihn rauf, den Muskateller’, ,Die Rose von Burgund’. Kaum zu glauben, dass die Senioren bis zum Abschluss sieben Zentner Zwiebeln geschnitten hatten für die Produktion der Ziewelewaie, die es beim Liederkranz Eimeldingen-Märkt zu essen gab.“

Nach seiner Heirat mit Asuna Mufwolobo entstand in Eimeldingen der Verein „Partnerschaft Dritte Welt“ und ein Kinderdorf für Waisen sowie Straßenkinder in der Nähe des Viktoriasees wurde gebaut. Paten und Spender, Workcamps und viele Besuche sorgten dafür, dass diese Verbindung bis heute besteht. Drei Reportagen ergänzen hier die Texte des Autors.

Das Buch von und über Willy Schneider zeigt nicht nur den tatkräftigen Missionar, sondern macht viele Seiten des Menschen und Pfarrers sehr anschaulich erkennbar. So erlebt man die Geschichte des Malaika-Kinderdorfs mit und wird vom Autor, stets gewürzt mit einer guten Dosis Humor, durch Höhen und Tiefen dieses Projekts geführt: „Man kann Afrika nur lieben oder lassen.“

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