Berlin - Der Glanz der Tablette stammt aus dem Farbtopf. Und damit die Übelkeit, die in der Original-Packungsbeilage als typische Nebenwirkung beschrieben wird, auch einsetzt, wird der Pille ein wenig Arsen zugesetzt. Fertig ist die Medikamentenfälschung für den Online-Handel. Rund die Hälfte der im Internet gehandelten Medikamente sind gefälscht, teilte nun die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden mit. Das bestätigen auch Testkäufe des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker. Weshalb auch die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnt: „Verbraucher, die im Netz verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept kaufen, spielen mit ihrer Gesundheit.“


Welche Medikamente werden oft gefälscht?
Nach Angaben der Bundesvereinigung der Apothekerverbände geht vor allem Gefahr von sogenannten Lifestyle-Medikamenten aus wie Produkten gegen Haarausfall, Schlankheitsmitteln oder Potenzpillen. Ebenfalls Plagiate sind bei Arzneimitteln gegen Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, aber auch für Hormonbehandlungen, Antibiotika und Schmerzmitteln aufgetaucht. Selbst rezeptpflichtige Medikamente der Aids- und Krebstherapien sind ­gefälscht worden.

Was ist an den Fälschungen gefährlich?
Als „gefälscht“ bezeichnet die Weltgesundheitsorganisation WHO Medikamente, ­deren Identität oder Herkunft absichtlich falsch gekennzeichnet sind. Diese können zum Beispiel gar keinen Wirkstoff haben oder überdosiert sein. Bei manchen Mitteln sei wiederum nur die Marke gefälscht, ­Wirkstoff und Dosis seien hingegen korrekt.

Woran erkennen Patienten falsche Pillen?
Problematisch ist, dass der Verbraucher meist gar nicht erkennen kann, ob es sich bei seinem Präparat um das Original oder eine Fälschung handelt. Auch für Experten ist eine Überprüfung oft nur im Labor möglich. Die DGIM rät in jedem Fall von der Einnahme ab, wenn der Beipackzettel fehlt. Auch ungewöhnliche Beschaffenheit oder Farbe können auf eine Fälschung hindeuten. Die Bundesapothekenkammer rät zudem, auf die Wirksamkeit zu achten. Hilft das Medikament plötzlich nicht mehr so richtig, kann dies auf eine Fälschung hinweisen.

Welche Versand-Apotheken sind seriös?

Nach Angaben der ABDA dürfen deutsche Apotheken seit 2004 Arzneimittel versenden. Apotheken mit einer solchen Erlaubnis sind beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information registriert – und zwar mit Name, Internetadresse, Anschrift der Apotheke und der für die Erlaubnis zuständigen Stelle. Ebenfalls angegeben wird, seit wann der Apotheke die Erlaubnis erteilt wurde. Nur die im Register erfassten Versandapotheken dürfen das Sicherheitslogo auf ihren Internetseiten zeigen. Klickt man darauf, öffnet sich die

Webseite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

mit dem zugehörigen Registereintrag. Zudem sollten die Nutzer prüfen, ob die Internetadresse in der Browserangabe auch wirklich mit „versandapotheke.dimdi.de/“ beginnt. Auch sollte die Webseite der Apotheke nur über einen, im Register angegebenen Link geöffnet werden.