FC Basel FCB: Ciriaco Sforza muss gehen

Gibt beim FC Basel nicht mehr die Richtung vor: Trainer Ciriaco Sforza. Foto: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa Foto: Die Oberbadische

Es sind turbulente Tage derzeit beim FC Basel: Da ist zum einen die Auseinandersetzung zwischen David Degen und Bernhard Burgener um die Besitzverhältnisse des Klubs, zum anderen aber auch das mehr als bescheidene sportliche Abschneiden. Das 1:2 gegen Vaduz bedeutete nicht nur das Abrutschen auf Tabellenplatz fünf, sondern auch einen Negativrekord. Nun hat sich der Verein nach nur zehn Monaten von Coach Ciriaco Sforza getrennt.

Von Mirko Bähr

Basel. Heute, kurz vor 16 Uhr ist es amtlich: „Der FC Basel 1893 trennt sich aufgrund des ausbleibenden sportlichen Erfolgs per sofort von Cheftrainer Ciriaco Sforza“, heißt es in der Medienmitteilung des Vereins. Und weiter: Interimistisch werde die erste Mannschaft bis zum Ende der Saison vom bisherigen Assistenten Patrick Rahmen betreut.

Die Young Boys aus Bern ziehen an der Spitze der Super League-Rangliste dagegen einsam ihre Kreise. Nach dem 3:0 gegen Schlusslicht Sion kommt der Titelverteidiger nach 27 absolvierten Spielen auf ganze 60 Zähler und kann schon nächstes Wochenende gegen den FC St. Gallen die Meisterschaft feiern.

Davon kann man beim FC Basel nur träumen. Von einem Meistertitel sind die „Bebbi“ genauso weit entfernt, wie Degen und Bur- gener von einer Einigung im Machtstreit. Es sieht nicht gut aus. So hat der FCB bereits seine elfte Saisonniederlage kassiert. Das gab es seit der Einführung der Super League noch nie. Interessant auch: Basel gewann nur eines der letzten fünf Heimspiele gegen einen Aufsteiger.

Nur einmal ging Rotblau in den letzten zehn Pflichtspielen als Sieger vom Feld. Sechs Spiele gingen verloren, dazu gesellen sich drei Remis. Das bedeutet nichts anderes, als dass der FC Basel das schlechteste Super League-Team des Jahres und gleichzeitig auch der Rückserie ist.

In der Länderspielpause hatte sich FCB-Besitzer Bur- gener gewünscht, dass das Team ein Zeichen setze. „Der Druck ist da. Ich wünsche mir sportlichen Erfolg“, meinte er bei der Präsentation der Jahreszahlen Ende März. Ein Zeichen war die Last Minute-Pleite gegen den Abstiegskandidaten aus dem Fürstentum Liechtenstein schon. Indes ein negatives.

„Leistungen und Resultate entsprechen nicht den Erwartungen“

„Die Sportkommission kam zum Schluss, dass die Leistungen der Mannschaft und die damit verbundenen Resultate der vergangenen Wochen nicht den Erwartungen entsprachen und deshalb Handlungsbedarf bestand. Es gilt nun, die letzten neun Spiele der Saison mit einem neuen Impuls in Angriff zu nehmen und möglichst erfolgreich zu bestreiten“, schreibt der FCB.

Dies hatte die Sportkommission heute Nachmittag auch Sforza in einem offenen und ehrlichen Gespräch mitgeteilt. Gemeinsam mit Sforza wird auch sein Assistenztrainer Daniel Hasler den Klub verlassen. Rahmen übernimmt. Wer ihm als Assistent zur Seite stehen werde, sei noch Gegenstand von Gesprächen.

Sforza war nach der Niederlage gegen Vaduz natürlich enttäuscht. „Zwei Tore nach einem stehenden Ball, das kann ich so nicht akzeptieren.“ Die von Burgener geforderte Reaktion habe er aber durchaus gesehen. „Es war nicht alles schlecht. Die Spieler haben gezeigt, dass sie wollen. Läuferisch und kämpferisch hat die Mannschaft überzeugt“, meinte er im Anschluss. Einmal mehr wiederholte er, dass man weitermachen müsse und dass erst am Schluss abgerechnet werde.

Deutlicher wurde da schon Fabian Frei: „Es sieht düster aus“, erklärte er. Von einem Tiefpunkt wollte er aber nichts wissen. „In der zweiten Hälfte hatte ich ein gutes Gefühl auf dem Platz, aber am Schluss zieht es sich eben wie ein roter Faden durch die ganze Saison.“

Das juristische Hickhack, die vielen Schlagzeilen und das Getöse rund um die superprovisorischen Verfügung Degens, der damit den Verkauf des Klubs an die Basel Dream & Vision AG verhinderte, gehen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. Sich rein auf das Sportliche zu konzentrieren, ist kaum möglich. Überall wird darüber geschrieben und geredet. „Einen Einfluss auf das tägliche Leben hat es natürlich, wir diskutieren ja auch über das“, sagte Frei. „Aber direkte Auswirkungen auf das Spiel hat das nicht.“

Sforza holt in 31 Pflichtspielen nur 1,35 Punkte

Abrashi ergänzte, dass schließlich jeder Spieler auch dafür bezahlt werde, entsprechende Geräusche ausblenden zu können. Ob das jedem gelingt? Eher nicht. Genauso wenig, wie es Sforza gelang, die Mannschaft sportlich in die richtige Spur zu führen. Es fehlte ein klares Spielkonzept, allein die individuelle Klasse konnte das nicht immer kaschieren. Die Defensive blieb löchrig. Nun zog der Verein die Reißleine.

In 31 Pflichtspielen hatte Sforza bislang das Kommando. 1,35 Zähler holte der FCB in dieser Zeit im Durchschnitt. Das ist laut „Blick“ die schlechteste Bilanz eines FCB-Trainers seit Karl Engel im Jahr 1997.

„Wir bedauern es sehr, dass sein Engagement und seine Leidenschaft zuletzt nicht mit sportlichem Erfolg belohnt wurden und dieser Schritt nun unumgänglich war. Für die kommenden Spiele erwarte ich von der Mannschaft eine positive Entwicklung, einhergehend mit dem unbedingten Leistungswillen, damit wir die Saison entsprechend erfolgreich beenden können“, wird Burgener zitiert.

Sforza selbst verabschiedet sich wie folgt: „Ich durfte beim FC Basel positiv eingestellte Menschen kennenlernen, die den Verein trotz aller Nebengeräusche tagtäglich mitgetragen haben. Das nehme ich mit und wünsche dem FCB viel Erfolg.“

Nachfolger Rahmen wird sich am kommenden Freitag im Rahmen der Medienkonferenz im Hinblick auf das Auswärtsspiel gegen den FC Luzern erstmals öffentlich äußern.

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