FC Basel Mit einem blauen Auge

Ein Verkaufskandidat: Wird Arthur Cabral auch in der kommenden Runde noch das Basler Trikot tragen?Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Seit Samstag dürfen sie also die Beine hochlegen. Akkus auftanken, die Geschehnisse der vergangenen Wochen und Monate verarbeiten und genießen, statt abzuliefern. Die Rede ist von den Profis des FC Basel. Insgesamt zehn Tage ist Nichtstun angesagt. Dann startet ein individuelles Trainingsprogramm.

Von Mirko Bähr

Basel. Klar, das letzte Saisonspiel hat sich Patrick Rahmen natürlich ganz anders vorgestellt. Der vom Interims- zum Chefcoach aufgestiegene Basler in Diensten seines Heimatklubs wollte auch in Sion einen Erfolg feiern. Das deutliche 0:4 war am Ende aber nicht mehr als ein Schönheitsfehler.

Denn: Rahmen hat in den vergangenen Wochen abgeliefert. Innerhalb von zwei Monaten schaffte er es, aus einem Haufen verunsicherter Profis eine funktionierende Einheit zu bilden. Diese ging leidenschaftlich und mit einem Plan zu Werke. Der Lohn: Platz zwei. Allerdings mit weitem Abstand – 31 Punkte – hinter dem Primus Young Boys Bern.

Der zweite Schlussrang war das Minimalziel. Diese Platzierung sorgt für Schadensbegrenzung unter eine Saison, die man durchaus als verkorkst bezeichnen darf. Auf und neben dem Platz lief vieles verkehrt. Erst kurz vor Toreschluss konnte das Ruder herumgerissen werden.

Zunächst musste Trainer Ciriaco Sforza den Hut nehmen. Der Ex-Weltklasse-Profi war überfordert. Die vielen negativen Einflüsse verfehlten ihre Wirkung nicht. Konzept- und ratlos wirkte Sforza, was sich auf das Team übertrug. Es ging in der Tabelle abwärts. Spät, aber nicht zu spät zog die alte Vereinsführung doch noch die Reißleine. Rahmen übernahm gerade noch rechtzeitig. Und leitete nicht nur ergebnistechnisch einen Umschwung ein.

Während es also auf dem grünen Rasen wieder besser lief, kam es auch im Verein zu einem echten Knall. Nach wochenlangem Tauziehen um die Besitzverhältnisse konnten sich Bernhard Burgener und David Degen doch noch einigen. Gerade noch rechtzeitig. Kurz vor dem anberaumten Gerichtstermin.

Burgener und seine Weggefährten, die bei vielen Fans, gerade aus der Muttenzerkurve, ganz und gar nicht ankamen und sogar so einigen unschönen Aktionen ausgeliefert waren, gaben grünes Licht für Degen und seine Mitstreiter. „Einen statt teilen“ lautet das Motto der neuen Führungsriege. Schnell wurde ersichtlich, dass Verantwortung und Arbeit auf viele Schultern verteilt werden sollen. Einen Alleinunterhalter werde es nicht mehr geben: Degen proklamierte Transparenz und machte gleich klar, dass Rahmen weiter an der Seitenlinie stehen wird.

Pünktlich zum Ende der Runde entschuldigte sich der Verein noch offiziell bei Valentin Stocker. Der unter Sforza in Ungnade gefallene Kapitän war in einem Video von Klub-Legende und Ex-Verwaltungsratsmitglied Karli Odermatt angriffen worden. Damit war auch dieses Thema erledigt.

Personelle Veränderungen

Degen & Co., die mit viel Rückenwind in ihre Amtszeit starten, sorgten im ICE-Tempo für weitere Entscheidungen an der personellen Front. CEO Roland Heri ist nun nicht mehr an Bord des FCB, und auch im Nachwuchsbereich wurde an der einen oder anderen Schraube gedreht. Remo Gaugler ist neuer Nachwuchschef. Der 52-jährige Baselbieter übernahm das Amt von Percy van Lierop, der nun als Leiter Ausbildung fungiert.

Und auch die erste Mannschaft wird mit einem veränderten Gesicht in die neue Runde gehen. Die zum 30. Juni auslaufenden Verträge von Luca Zuffi, Aldo Kalulu, Jasper van der Werff, Elis Isufi und Jozef Pukaj wurden nicht verlängert. Außerdem werden die Kaufoptionen bei Timm Klose, Amir Abrashi und Jorge Marco de Oliveira Moraes nicht gezogen. Bei Abrashi sollen indes weitere Gespräche folgen, ebenso bei Leihakteur Darian Males.

Auf der Liste einiger europäischer Klubs tauchen weitere Namen von FCB-Kickern auf, die demnächst das Weite suchen könnten. Verteidiger Eray Cömert ist so ein Kandidat, auch der treffsichere Stürmer Arthur Cabral wird sich gegen einen Wechsel nicht sperren. Silvan Widmer ebenfalls.

So winken auch Transfereinnahmen, die Basel durchaus benötigt. Auch weil der FCB natürlich seine Fühler ausgestreckt hat. Jüngste Gerüchte aus Italien besagen, dass der FCB an Sebastiano Esposito, einem 18-jährigen Mittelstürmer, interessiert ist, der bei Venezia in der Serie B gespielt hat, aber Inter Mailand gehört. Des Weiteren soll der ecuadorianische Stürmer Jordy Caicedo (23) von ZSKA Sofia auf der Wunschliste stehen.

Während seine Spieler also im Urlaub weilen, stehen für Rahmen nun Gespräche mit Spielern und der neuen Führung an, ehe er, so hofft der 52-Jährige, „auch noch ein paar Tage Ferien“ machen kann“.

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