Feldberg Getöteter Auerhahn möglicherweise gequält

So haben ihn viele in Erinnerung: Auerhahn Heini. Foto: Deckert

Freiburg - Die Polizei bittet um Hinweise für die Aufklärung des getöteten Auerhahns am Feldberg. Dass es überhaupt zu der Tat gekommen ist, scheint für einige Kritiker am mittlerweile ausufernden Tourismus zu liegen.

Wurde der getötete Auerhahn vom Feldberg von seinen Peinigern vor seinem Tod auch noch über einen längeren Zeitraum gequält? Diesem Gerücht geht die Freiburger Polizei bei ihren Ermittlungen derzeit nach. "Uns würden Zeugenvideos oder Fotos sehr helfen", sagte Polizeisprecher Jerry Clark.

Angeblich hätten Zeugen das Vergehen gefilmt oder fotografiert. Es gebe mittlerweile eine ganze Reihe von Gerüchten zu dem Fall, meinte Clark. Eines davon besage, dass die beiden 20 und 22 Jahre alten Tatverdächtigen, die das Tier nach eigenen Aussagen "in Notwehr" erschlagen haben wollen, den Vogel über einen längeren Zeitraum gequält hätten. Der Fall hat zuletzt weltweit Aufmerksamkeit erregt: Ein Reporter der "New York Times" habe ihn beispielsweise gefragt, ob Auerhähne dafür bekannt seien, dass sie Menschen attackieren, sagte Clark weiter.

Gegen die beiden Männer aus dem Kreis Waldshut wird nun wegen Tierquälerei und Verstößen gegen das Naturschutzgesetz ermittelt. Ihnen drohen Geldstrafen oder bis zu drei Jahre Haft. Sie selbst haben ausgesagt, dass sie nach dem Vorfall von einer aufgebrachten Menge von zehn Personen angegriffen worden seien. Ganz offensichtlich war bei der Sache reichlich Alkohol im Spiel.

Die Musik an den Hütten beschallt den ganzen Feldberggipfel

Das Laurentiusfest auf dem Feldberg lockt jährlich Zigtausende Besucher zum Wandern und Feiern ins Naturschutzgebiet rund um den höchsten Gipfel Baden-Württembergs. Kritiker sehen in dem Fest längst eine Mixtur aus Ballermann und Oktoberfest mit Lederhose, Dirndl und lauter Musik, bei dem es darum gehe, "von Hütte zu Hütte zu saufen", erklärte der Leiter des Naturschutzzentrums am Feldberg, Stefan Büchner.

Viele Besucher würden schon frühmorgens betrunken anreisen. Die Musik an den Hütten beschalle den ganzen Feldberggipfel und nach dem Fest sei man bis zu zwei Tage damit beschäftigt, den Müll und die leeren Flaschen entlang der Wege aufzusammeln. Er halte nichts von Verbotsdebatten, betonte Büchner. Aber ein Problembewusstsein in Sachen Laurentiusfest sei längst angebracht. "Und vielleicht auch eine Diskussion darüber, wie man das Fest wieder auf ein verträglicheres Maß herunterfahren kann." Hierzu habe er zuletzt sogar Anfragen aus der Landespolitik bekommen, sagte Büchner.

Dass es mit dem Fest mittlerweile ein Problem gibt, ist vielen Akteuren auch außerhalb des Naturschutzes klar, wie Pressesprecher Herbert Kreuz von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) in Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) bestätigt: "Die Entwicklung geht in die falsche Richtung, und das ist bedauerlich." Auch wenn die HTG das Fest weder selbst organisiere noch aktiv bewerbe, wolle man das Gespräch mit den Machern vor Ort suchen.

Gespräche führen will auch Johannes Albrecht (parteilos), der Bürgermeister der Gemeinde Feldberg. Ihm ist aber auch wichtig, dass das Fest nicht grundsätzlich infrage gestellt werden darf. Die Hüttenbetreiber am Feldberg, die das Laurentiusfest organisieren, und mit ihnen auch die Landwirtschaft, seien schließlich "elementar abhängig" davon: "Die Einnahmen des Laurentiusfestes kommen bei den Hütten der Weidegenossenschaften indirekt der Offenhaltung der naturschutzrelevanten Weidfelder und einer ganzjährigen Bewirtung der Besucher des Naturschutzgebietes zugute", erklärte Albrecht.

Im Schwarzwald geht der Bestand seit rund 100 Jahren zurück

Das Laurentiusfest sei "ein Volksfest mit langer Tradition und fester Bestandteil der regionalen Kultur im Hochschwarzwald". Bis zum Herbst wolle man gemeinsam Maßnahmen entwickeln, "welche dem einmaligen Charakter des Festes und dem Naturschutz gerecht werden".

Ins Gespräch kommen will zudem die Höhere Naturschutzbehörde am Regierungspräsidium in Freiburg, die nach der Sommerpause mit der Gemeinde Feldberg wegen des Fests in Kontakt treten und über "Verbesserungsmöglichkeiten beim Laurentiusfest" sprechen will, sagte eine Sprecherin der Behörde. Michaela Sprich, die Wirtin der Todtnauer Hütte, meinte, dass es noch zu früh sei, um über Konsequenzen zu sprechen: "Das ist alles noch ganz frisch, und es ist sehr traurig, dass so etwas passieren musste." Das Laurentiusfest sei eigentlich immer friedlich verlaufen, sagten Sprich und Bürgermeister Albrecht unisono.

Auerhühner sind in Deutschland mittlerweile vom Aussterben bedroht. Im Schwarzwald geht der Bestand seit rund 100 Jahren zurück; Experten gehen davon aus, dass die Population über kurz oder lang ganz verschwinden wird. Der getötete Auerhahn war im Umfeld der Todtnauer Hütte ein bekanntes Tier, das auch Wanderwege nicht scheute und von seinen Fans "Heini" genannt wurde. Erschlagen wurde der Hahn von den beiden Verdächtigen jedoch nicht auf einem Wanderweg, sondern abseits davon. Einer der beiden jungen Männer soll einen Jagdschein haben. Ob er ihn abgeben muss, war beim zuständigen Landratsamt in Waldshut zunächst nicht zu erfahren.

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