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Fischingen Die Sorgen der Landwirte

Rolf Rhein
Schön anzuschauen, erfüllen sie ihre Besitzer auch mit Sorgen: Weinberge bei Fischingen. Foto: Beatrice Ehrlich

Bei der Versammlung des FDP-Ortsverbands in Fischingen kommen Sorgen der Landwirte zur Sprache. Der Ärger über viele Vorschriften, weniger Fördergelder und komplizierte Genehmigungsverfahren ist nicht nur bei den Bauern groß.

Die Zukunft der Landwirtschaft in der Region stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu welcher der FDP-Ortsverband Markgräflerland am Montag ins Restaurant Fünfschilling in Fischingen eingeladen hatte. Der Bundestagsabgeordnete und ehemaliger Bad Bellinger Bürgermeister Christoph Hoffmann moderierte. Referenten waren der Landtagsabgeordnete Klaus Hoher und Michael Kauffmann vom Landratsamt Lörrach.

Hoffmann konnte neben einigen FDP-Granden aus den umliegenden Gemeinden vor allem zahlreiche sachkundige Gäste aus Land- und Forstwirtschaft begrüßen. Er betonte, dass Landwirtschaft in Deutschland Landesthema, weniger Bundesthema, aber vor allem ein EU-Problem sei, und übergab das Wort an Klaus Hohler.

Klaus Hohler (FDP) ist im Landtag Baden-Württemberg Mitglied in mehreren Ausschüssen. Selbst Landwirt, zeigte er sich überzeugt, dass Landwirtschaft nach wie vor wichtig für das Land sei. Obwohl die Verhältnisse für die Landwirtschaft extrem schwierig seien, sei deren Bestand akut nicht gefährdet. Als Probleme benannte er die EU-Pläne zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die „schlicht unbezahlbaren“ Mindestlöhne, die „explodierenden“ Betriebskosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Patentlösungen für all diese Probleme gebe es nicht, sagte Hohler, aber es müsse alles getan werden um die heimische Landwirtschaft zu stärken. Leere Regale während der Corona-Pandemie hätten gezeigt, dass regionale Produkte gebraucht werden. Michael Kauffmann, promovierter Forstwirt, ist Leiter des Dezernats Ländlicher Raum beim Landratsamt Lörrach. In seinem Referat beleuchtete er akribisch Bestand, Zustand sowie Probleme der Landwirtschaft im Kreisgebiet Lörrach. Aber auch die Herausforderungen für die Behörden durch all diese Problemen wurden nicht verschwiegen.

Im Kreisgebiet werden laut Kauffmann rund 23 000 Hektar Fläche landwirtschaftlich betrieben. Sie verteilen sich auf Dauergrünland, Getreideanbau, sowie auf Dauerkulturen wie Obstbau oder Reben. Es gibt 992 Betriebe, davon 200 Haupterwerbs- und 792 Nebenerwerbsbetriebe. Ökologisch wirtschaften 167 Betriebe.

Mehr Geld für Öko-Betriebe

Die Problematik für die heimische Landwirtschaft sieht er ähnlich wie schon Hohler zuvor. Positiv sei, dass ökologisch wirtschaftende Betriebe im Rahmen der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ in Europa ab 2023 mit erheblich höheren Fördersätzen rechnen können. Viehhaltende Betriebe würden künftig von einer Mutterkuhprämie oder Prämien für Schaf- und Ziegenhaltung profitieren. Weniger gut sieht es für nicht ökologisch zertifizierte Betriebe aus. Hier sinken die Fördergelder. Ein konventioneller Betrieb verliere dadurch künftig im Jahr rund 200 Euro pro Hektar.

Eine mögliche künftige Einnahmequelle sei der Ausbau der Freiflächenphotovoltaik – Chance und Risiko für die Betriebe zugleich. Weitere Themen waren die steigenden Kosten, stagnierende Erzeugerpreise, neue und schwer zu bekämpfende Schädlinge bei gleichzeitigem Rückgang zugelassener Pflanzenschutzmittel sowie, ganz allgemein, der Klimawandel.

Einen überraschend breiten Raum in der Diskussion nahm das Thema Wolf ein. Im Schwarzwald gibt es laut Kauffmann derzeit zwei Wolfsrüden und eine Fähe, mit Rudelbildung und Familienzuwachs wird im Frühling gerechnet. Die Wolfspopulation sei politisch gewollt, der Herdenschutz gegen Wolfsriss werde zwar gefördert, dieser sei aber derzeit noch mit diversen Problemen behaftet. Fazit der Diskussion sämtlicher übrigen Teilnehmer: Die Ansiedlung des Wolfs im Schwarzwald wird grundsätzlich abgelehnt.

Bauern lehnen Wölfe ab

In der anschließenden Diskussionsrunde meldeten sich zahlreiche der anwesenden Landwirte zu Wort. Das Ergebnis lässt sich kurz und bündig zusammenfassen: Die meisten Bauern sind mit ihrer Situation unzufrieden, frustriert und auch zornig. Lösungen für die zahlreichen Probleme werden von Politik und Verwaltung erwartet.

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