Fischingen Kleine Gemeinde, große Investition

In Fischingen steht eine ebenso große wie unvermeidliche Investition auf der Agenda. Denn die kleine Gemeinde am Läufelberg muss in Sachen Entwässerung nachbessern. Derzeit deutet alles darauf hin, dass man ein neues Regenüberlaufbecken bauen wird, das mit rund 900 000 Euro zu Buche schlagen könnte.

Von Ingmar Lorenz

Fischingen. Das Für und Wider der vorgelegten Varianten wurde in der rund eineinhalbstündigen Diskussion am Mittwochabend genau abgewogen, eine Entscheidung letztlich aber vertagt.

Im Kern geht es um Folgendes: Im Abwasser-Mischsystem darf in einem festgesetzten Zeitraum nur eine bestimmte Menge Regen- und Abwasser zur Kläranlage weitergeleitet beziehungsweise in den jeweiligen Vorfluter entlassen werden. Das bedeutet, dass ein entsprechendes Beckenvolumen nötig ist, um das Wasser zu sammeln, gerade wenn es heftig regnet.

Da es sich beim Vorfluter in Fischingen um den kleinen Riedmattenbach handelt, muss das Beckenvolumen dort entsprechend groß sein, um bei einer den Vorgaben entsprechenden Wasserweiterleitung an die Kläranlage Überflutungen möglichst vorzubeugen. Denn je kleiner der Vorfluter ist, desto sensibler reagiert er darauf. „Wenn wir direkt am Rhein liegen würden, sähe das natürlich anders aus“, veranschaulichte Moick.

Schmutzfrachtberechnung als Grundlage

Das Landratsamt Lörrach hat nun eine Schmutzfrachtberechnung vorgelegt, auf deren Grundlage unter anderem die nötigen Kapazitäten in den einzelnen Gemeinden in Sachen Beckenvolumen festgesetzt werden.

Für Fischingen ergibt sich daraus, dass das bisher durch das RÜB 27 und den Stauraumkanal bestehende Volumen von insgesamt 111 Kubikmetern nicht mehr ausreicht. Stattdessen ist die Gemeinde dazu verpflichtet, für ein Volumen von 250 Kubikmetern zu sorgen.

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie Ingenieur Benno Moser in der Sitzung darlegte. Zum einen könne man den Stauraumkanal zwischen RÜB 27 und der Messstation neu dimensionieren. Um die vorgeschriebenen 250 Kubikmeter zu erreichen, müsste man aber mit 2000er-Kanalrohren arbeiten. „Das wäre heftig“, so Moser.

Die zweite Möglichkeit bestehe darin ein neues Becken am Standort des RÜB 27 zu errichten, erklärte der Ingenieur. Aus Mosers Sicht sei dies eindeutig die bessere Lösung.

Das Becken würde voraussichtlich eine Länge von 21,5 Metern und eine Breite von 4,5 Metern aufweisen. Im Gegensatz zur Variante mit dem neuen Stauraumkanal müsse man sich bei einem Neubau des Beckens um die Kompatibilität mit der bestehenden Infrastruktur keine Sorgen machen. In einer ersten groben Kostenschätzung wurden 705 000 Euro für den Beckenneubau sowie 165 000 Euro Nebenkosten angesetzt.

Gemeinderäte haken nach

Gemeinderat Axel Zangenberg hinterfragte die vorgestellten Möglichkeiten kritisch. Ihm leuchte nicht ein, wieso die Gemeinde eine Vergrößerung des Volumens von 139 Kubikmetern zu leisten habe. „Noch vor einigen Jahren haben wir lediglich nach 40 Kubikmetern mehr gesucht“, erinnerte Zangenberg.

Gründe für die Zunahme seien, dass sich die Situation durch die Schmutzfrachtberechnung geändert habe und dass die Anforderungen an die Anlagen immer weiter wachsen, hieß es.

Frage nach Ausbau des Trennsystems

Im Lauf der Diskussion wurde zudem die Frage aufgeworfen, ob eine weitere Umrüstung auf das in Fischingen in Teilen ebenfalls bestehende Trennsysteme nicht die Lösung sein könne. Dagegen sprach sich jedoch Bürgermeister Moick aus. Der Grund: Die Bauarbeiten zur Umstellung seien extrem umfangreich. Noch wichtiger aber sei, dass in absehbarer Zeit wohl auch Gemeinden mit reinem Trennsystem neue Becken bauen müssen. Eine entsprechende Vorschrift zum Bau von Regenklärbecken gebe es bereits, allein der Verstoß dagegen werde noch nicht sanktioniert. Darüber hinaus seien Fehlanschlüsse im Trennsystem immer wieder ein Problem, und auch finanziell hätte man in der Gemeinde wohl keinen Vorteil: „Mit 800 000 Euro kommen wir da nicht weit“, so der Bürgermeister.

Anke Hollnagel wollte wissen, ob es nicht möglich sei, über die geforderten 250 Kubikmeter mit dem Landratsamt zu verhandeln. Würde die Zahl kleiner ausfallen, könnte man das Soll gegebenenfalls durch eine Modernisierung der bestehenden Anlagen erreichen, so die Überlegung der Gemeinderätin.

Moser entgegnete, dass das aus seiner Sicht keine Option sei. Man vereinbarte zum Ende der Sitzung jedoch, Matthias Kipf, den Ansprechpartner im Landratsamt, in die Dezembersitzung einzuladen. Kipf soll die Sichtweise der Behörde dann nochmals darlegen, bevor der Gemeinderat sich endgültig entscheiden wird.

Endgültige Entscheidung fällt im Dezember

Der angedachten Möglichkeit, den Bau der Anlage auf die lange Bank zu schieben, erteilte Moick eine klare Absage: Die Gemeinde sei hinsichtlich der geforderten Nachbesserung bereits zehn Jahre im Verzug. „Es ist höchste Eisenbahn.“

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