Fischingen Nützlinge unter die Lupe genommen

Nützlinge werden in einer kleinen Dose ausgesetzt. Beim richtigen Klima schlüpfen sie. Foto: Alisa Eßlinger

Fischingen - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veranstaltet derzeit Führungen zum Thema „Insekten – artenreich und unverzichtbar“. In Fischingen wurde im Bioland-Betrieb Hoch-Reinhard über den biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingsinsekten im Glashaus informiert.

Die Schutzmaßnahmen werden präventiv eingesetzt. „Bei einem Befall muss man schnell handeln, damit man nicht allzu viel von der Ernte verliert“, weiß Gärtnermeister Matthias Holthaus. Zum einen kommt es bei der Schädlingsprävention auf das richtige Klima an: Die Sprinkleranlage dient der Luftfeuchtigkeit, bemalte Fenster schwächen die Sonnenstrahlen ab. Die Temperatur ist sehr wichtig, da sonst andere Krankheiten auftreten können. So sollten die Blätter nicht zu lange feucht sein, da sonst die Schädlinge schneller wachsen können, erklärte Holthaus.

Doch das richtige Klima im Glashaus reicht meist nicht aus, um Schädlingsbefall zu verhindern. So sollten sogenannte Insekten-Nützlinge bereits auf der Pflanze sein, bevor der Befall überhaupt auftaucht. In der Gärtnerei sind rund 14 Arten von Nützlingen zu finden.

Blätter werden kontrolliert

Mit einem USB-Mikrostab wird auf der Blattoberfläche kontrolliert, welche Schädlinge sich dort befinden und ob die Nützlinge die Schädlinge auch wirklich fressen. Wenn noch Eier von Schädlingen auf der Pflanze gefunden werden, wissen die Gärtner, dass Nützlinge nachgerüstet werden müssen. „Sie sind sehr praktisch, arbeiten 24 Stunden an sieben Tage die Woche und das ohne Zuschlag“, meinte Holthaus.

So sei zum Beispiel die Gallmückenlarve eine sehr gute Blattlaus-Vernichterin. Auch die australische Marienkäferlarve, die die heimischen Siebenpunktmarienkäfer verdrängt, gilt als sehr guter Nützling. Doch es ist Vorsicht geboten: Eingeflogene Nützlinge können dem Ökosystem auch schaden.

Zudem ist nicht jeder Nützling gegen jeden Schädling einsetzbar. Auch die Beschaffenheit des Blattes wird zu einem wichtigen Faktor, wenn es zur richtigen Einstellung von Schädlingsbekämpfung kommt. So sind Raubmilben eher ungeeignet für den Einsatz gegen Rostmilben, da die Rostmilbe so klein ist, dass sie in den Härchen der Tomatenblätter verschwindet und die Raubmilbe nicht an sie herankommt.

Spritzmittel will der Bioland-Gärtner vermeiden, denn: „Bei Spritzmittel werden nicht nur die Schädlinge bekämpft, sondern auch die Nützlinge sterben dabei.“

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