Fröhnd Bürgermeister sieht „katastrophale“ Finanzlage

Blutspenderehrung in Fröhnd: Markus Kiefer, Stefanie Kummerer und Susanne Lais (von links).Foto: Hans-Jürgen Hege Foto: Die Oberbadische

Fröhnd (hjh). Was die Spatzen längst unüberhörbar von den Dächern pfeifen, machte das Landratsamt im Schreiben zum Haushalt der Gemeinde Fröhnd an den Bürgermeister für das Jahr 2021 amtlich: Fröhnd hat kein Geld, kann auf Jahre hinaus keine ausgeglichenen Ergebnisse aufweisen und muss laut Landratsamt nun „schnellstmöglich Mittel und Wege finden, die erforderliche Mindestliquidation zu erreichen“. Dabei, so verlas Bürgermeister Michael Engesser Passagen aus dem Lörracher Brief in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, dürfe auch das Tafelsilber des 500-Seelen-Dorfes nicht außer acht gelassen werden. Es ist also ernst.

„Ich halte es für geboten, auf unsere katastrophale Lage aufmerksam zu machen“, gab Michael Engesser zu Protokoll. Er sei nun drei Monate im Amt und hoffe, inzwischen alle Baustellen entdeckt zu haben, sagte er, um dann an Projekte wie die Straßensanierungen beispielsweise im Bereich Oberhepschingen oder die gesetzlich vorgeschriebenen Abwasserkanaluntersuchungen, die seit 2017 fällig seien und bisher nicht in Angriff genommen wurden, zu erinnern. „Wir bräuchten 150 000 bis 200 000 Euro gesicherte Mehreinkünfte pro Jahr, um über die Runden zu kommen und wenigstens Teile des Schuldenbergs abzutragen“, betonte der Bürgermeister, der im Lauf der Sitzung klarzumachen versuchte, dass seine Bemühungen um Reduzierung der Telefon- und Internetkosten „bei Weitem nicht ausreichen, um die aufgetretenen Löcher in der Gemeindekasse nachhaltig zu stopfen“.

Auch der einstimmig gefasste Beschluss, in den Teilorten Künaberg und Holz die Straßenbeleuchtungen statt auf herkömmliche Art mittels Batterie mit Sonnenkollektoren zu betreiben, dürfte da nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Nach Engessers Berechnungen würden so rund 4000 Euro eingespart. Die Gesamtkosten von etwa 6000 Euro für fünf Leuchten seien aber ebenso wenig im Haushalt vorgesehen wie die teurere Lösung.

Das alles diskutierte Michael Engesser an offensichtlich falscher Stelle. Wo seine Kollegen landauf, landab versuchen, Sparkonzepte im Rahmen von Klausurtagungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und/oder bei Bürgerversammlungen mit den Einwohnern zu entwickeln, war der „aktuelle Zwischenbericht“ über die finanzielle Situation der Gemeinde weit hinten auf der Tagesordnung und damit der existenziellen Bedeutung für die Zukunft des Dorfs sicherlich nicht eben angemessen platziert.

Andiskutiert wurden auch Ausgleichsstockmittel für den Straßenausbau, die aber erst beantragt werden können, wenn der Antrag mit der aktuellen Planung gestellt wird. Und deren Aktualisierung würde weitere 9000 Euro, „also ebenfalls Geld, das wir nicht haben, aber vorstrecken müssten, kosten.“ Ein Dilemma, das in absehbarer Zeit auch nicht mit der Einnahmenquelle „Wald“ zu beheben sein wird, wie Michael Engesser trotz einiger Einwände seines Gremiums befürchtete. Da räumte er der Realisierung seiner „recht günstig zu finanzierenden Vorschläge“ von einem Bestattungsareal (Friedberg) und der Einrichtung einer gebührenpflichtigen Abstellmöglichkeit für Wohnmobile in exponierter Lage wesentlich größere Chancen ein, umgesetzt zu werden. Aber auch das Für und Wider zu diesen Ideen wollten die Ratsmitglieder lieber an anderer Stelle noch einmal ausführlich unter die Lupe nehmen.

 Zu Beginn der Gemeinderatssitzung waren verdiente Blutspender geehrt worden: Markus Kiefer (25 Spenden), Stefanie Kummerer und Susanne Lais (jeweils zehn Spenden).

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