Fußball „Das ist schon unglaublich schwer“

Michael Hundt
Für Fabio Viteritti (links) war die Zeit beim FC Energie Cottbus die schönste in seiner Profikarriere.        Foto: Michael Hundt

Als Profifußballer wandelt man oft auf einem sehr dünnen Grat zwischen Erfolg und Misserfolg. Ein Umknicken im Training oder ein Foul während des Spiels und die Profikarriere ist ganz schnell beendet. So auch bei Fabio Viteritti. Mit 29 Jahren ist der gebürtiger Lörracher eigentlich im besten Fußballeralter. Doch aufgrund einer Knieverletzung musste Viteritti seine Profikarriere beenden – und muss sich vollkommen neu orientieren.

Von Michael Hundt

Lörrach. Geboren in Lörrach, aufgewachsen in Weil, in der Jugend beim FC Friedlingen, dem SV Weil und dem FC Basel aktiv gewesen. Mit 17 Jahren wechselte Viteritti in die Jugend des 1. FC Magdeburg, absolvierte dort auch schon Spiele in der ersten Mannschaft. Der Weg in eine vielversprechende Profikarriere schien vorgezeichnet zu sein.

Nach vier Jahren beim FCM folgte ein kurzes Intermezzo bei der TSG Neustrelitz, bevor es für drei Jahre zum FC Energie Cottbus ging. Dort absolvierte Viteritti 100 Spiele für die Niederlausitzer, erzielte dabei 30 Tore – unter anderem auch gegen den SC Freiburg und den VfB Stuttgart in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Publikumsliebling in der Niederlausitz

Beim FCE avancierte er rasch zum Publikumsliebling. Und auch für ihn war die Zeit unter Hans-Dieter „Pele“ Wollitz die wohl prägendste und auch schönste Zeit in seiner Karriere im Profifußball. „Das war wirklich meine schönste Situation. Die war von Erfolg geprägt. Die Menschen dort haben mich von Anfang an geliebt. In der Stadt habe ich mich richtig wohlgefühlt“, beschreibt der Mann aus dem weltoffenen Dreiländereck die Stadt im tiefen Osten.

Nach dem zweiten Kreuzbandriss ist Schluss

Im Sommer 2019 wechselte Viteritti zum FSV Zwickau, wo er einen Zweijahresvertrag erhielt. Zur Saison 2020/21 ging es nach Österreich zum Zweitligisten FC Wacker Innsbruck, bei dem er einen bis Juni 2022 laufenden Vertrag erhielt. Für Wacker kam er in seiner ersten Saison zu 26 Einsätzen, in denen er fünfmal traf. In der Saison 2021/22 absolvierte er sieben Partien, ehe er sich im September 2021 in der Partie gegen den FC Liefering das Kreuzband riss. Von dieser Verletzung erholte sich Viteritti jedoch nie mehr, woraufhin er im Juni 2022 im Alter von 29 Jahren seine Karriere als Profi beendete.

„Nach dem zweiten Kreuzbandriss musste ich zehn Monate pausieren. Im Knie hat sich Narbengewebe gebildet, was operiert werden musste“, beschreibt Viteritti seinen Leidensweg. In der Vorbereitung habe ihn das um drei bis vier Monate zurückgeworfen. „Daraufhin habe ich entschieden, dass ich nicht mehr auf professioneller Ebene Fußball spielen kann, da die Schmerzen zu groß sind.“ Bei den Black Stars Basel hält er sich nun fit und versucht im Berufsleben Fuß zu fassen. Ein Unterfangen, das in der momentanen Zeit nicht leicht ist.

Denn genau hier offenbart sich das Problem, das viele Fußballer nach ihrer Karriere haben: Wie soll es beruflich weitergehen? Weder in der 3. Liga und erst recht nicht in der Regionalliga werden Gehälter gezahlt, von denen sich als Spieler Rücklagen für später bilden lassen.

Viele Profis wissen nach der Karriere nicht weiter

„Ich habe nur einen normalen Schulabschluss, kein Studium absolviert. Mit 29 ist es schon relativ schwer, beruflich Fuß zu fassen“, gibt sich Viteritti selbstkritisch. Da wäre es aus seiner Sicht kontraproduktiv gewesen, noch ein paar Jahre im Profi-Fußball dranzuhängen und auf ein Comeback zu hoffen, das vielleicht nie gekommen wäre. Von vielen ehemaligen Mitspielern hat Viteritti Lob und Anerkennung für seine Entscheidung bekommen.

Praktika sollen jetzt bei der Entscheidung helfen

„Jetzt habe ich die Möglichkeit, etwas für meine berufliche Zukunft zu machen.“ Dass er mit dieser Situation nicht alleine auf weiter Flur ist, weiß der ehemalige Mittelfeldakteur. „Ich glaube, dass andere Fußballer das auch machen sollten und frühzeitig einen Schlussstrich ziehen sollten.“ Viele Fußballer kommen über die 3. Liga nicht hinaus, stehen dann am Ende ihrer Karriere dann vor den gleichen Problemen wie Viteritti.

Was er beruflich nun machen soll und wird, weiß der 29-Jährige noch nicht. „Jetzt stehe ich da und muss was anderes machen. Das ist schon unglaublich schwer für mich“, gibt sich Viteritti selbstkritisch. „Ich möchte jetzt ein paar Praktika machen und schauen, dass ich das Richtige für mich finde. Ich habe echt keine Ahnung, in was ich reinpasse.“

Von seinen Eltern, seiner Freundin und auch von Freunden erhält er den einen oder anderen Tipp, was er machen könnte. „Von jetzt auf gleich zu entscheiden, was ich mein Leben lang dann machen soll, das ist unwahrscheinlich schwer.“

Profikarriere ging zunächst vor

In Magdeburg hätte Viteritti im Nachwuchsleistungszentrum durchaus die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu machen. „Das Problem war, dass ich als A-Jugendlicher schon bei den Herren mitgespielt habe. Ich bin aus der Schule raus und war dann sofort im Profikader.“ Dort hatte er dann sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag Training, konnte und wollte in den Trainingseinheiten nicht fehlen. Zu groß war damals die Angst, aus dem Kader geworfen zu werden.

Mittlerweile ist der ehemalige Profi zu der Erkenntnis gekommen, dass es vielleicht besser ist, mit 25 oder 26 die Karriere zu beenden, wenn man sieht, dass der erhoffte Weg auf der Profilaufbahn doch nicht weiter nach oben führt. „So denke ich jetzt mittlerweile. Leider etwas zu spät“, muss er zugeben.

Was Fabio Viteritti schon immer ausgezeichnet hat: Er ist ein Kämpfer, der seinen Weg immer gefunden hat. Eine Eigenschaft, die ihm nun auch helfen wird, das zu finden, was ihn glücklich und zufrieden macht. Es ist ihm zu wünschen.

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