Fußball Das Knie macht nicht mehr mit

Mirko Bähr
Fabio Viteritti im Trikot von Wacker Innsbruck Foto: Archiv

„Ich bin stolz auf meine Karriere und bereue nichts. Ich habe Dinge erlebt, die nicht selbstverständlich sind und die ich nie vergessen werde“, sagt Fabio Viteritti, der seine Profi-Laufbahn beenden und die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen muss.

Von Mirko Bähr

Weil am Rhein. Nach dem zweiten Kreuzbandriss lässt das Knie eine hohe Intensität nicht mehr zu. Aus Tirol, wo er zuletzt für Wacker Innsbruck gegen das runde Leder trat, geht es mit seiner Partnerin zurück in die Heimat. „Ich freue mich sehr, wieder bei meiner Familie und Freunden zu sein.“Statt Trainingsarbeit und das Ziehen der Fäden im Mittelfeld wird sich der 29-Jährige jetzt um eine Ausbildung beziehungsweise Umschulung kümmern. „Jetzt gilt es für die Zukunft etwas aufzubauen“, macht Viteritti deutlich.

Trübsal blasen? Nicht mit ihm. Es geht weiter. Viteritti wird sich durchboxen, alles geben und kämpfen. So wie all die Jahre auf dem grünen Rasen, als er sich nie unterkriegen ließ und dank seines leidenschaftlichen Engagements sich schnell in die Herzen der Fans spielte.

Mit 17 Jahren verließ er den FC Basel und seine Familie in Weil am Rhein, um bei den A-Junioren in Magdeburg seine Karriere zu lancieren. Schnell begeisterte er sich für den Fußball-Osten und ließ sich auch durch einen ersten Kreuzbandriss und weiteren Verletzungen nicht vom Weg abbringen. Die ehrliche, direkte Art, aber auch die große Leidenschaft der Fans für ihre Klubs schätzte Viteritti so sehr, dass es ihn erst vom 1. FC Magdeburg zur TSG Neustrelitz (2014 bis 2016), dann zu Energie Cottbus (2016 bis 2019) und schließlich zum FSV Zwickau (2019 – 2020) zog.

Gerne erinnert er sich an seine Zeit in Cottbus

„Besonders gerne erinnere ich mich an die Zeit in Cottbus. Was wir dort erreicht haben und wie dankbar die Leute in Cottbus waren, bekomme ich heute noch zu spüren. Aus der Lausitz erhalte ich immer wieder Nachrichten von den Fans. Sie schreiben, dass sie mich vermissen. Das freut mich ungemein. Das DFB-Pokal-Spiel gegen den SC Freiburg war mein persönliches Highlight. Da auch noch zu treffen und gegen den Bundeslisten so einen riesigen Kampf hinzulegen, daran denke ich immer wieder zurück“, sagt Viteritti, der 100 Partien für Energie bestritt und dabei 30 Mal ins Schwarze traf. Unter Trainer „Pele“ Wollitz gelang denn auch der Aufstieg ins die 3. Liga.

Nach dem direkten Wiederabstieg heuerte der Mittelfeldmotor dann beim FSV Zwickau an, wo er 30 Partien bei den Sachen bestritt, ehe er das Abenteuer Wacker Innsbruck annahm. Der ambitionierte Zweitligist aus Tirol wollte unbedingt ins österreichische Fußball-Oberhaus. Doch daraus wurde nichts. Viteritti zog sich im Herbst 2021 einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und musste mitansehen, wie Wacker Innsbruck in finanzielle Turbulenzen geriet. Die Suche nach Investoren geriet zu einer Slapstick-Nummer. Die Boulevard-Presse in der Alpenrepublik ließ sich drüber in den vergangenen Wochen und Monaten genüsslich aus.

Viteritti bekam wenig davon mit. Wegen seiner Verletzung erhielt er Krankengeld. „Einige meiner Mitspieler bekamen drei, vier Monate lang jedoch kein Gehalt. Das ist echt schwer“, berichtet der 29-Jährige. „Es ist einfach nur schade, dass einem Traditionsverein wie Wacker so etwas passiert“, findet er. Seit wenigen Tagen ist das Kapitel Profifußball beim FC Wacker Innsbruck Geschichte. Es wurde das Konkursverfahren eröffnet.

Die Zeit in Innsbruck sei dennoch eine schöne gewesen, sagt Viteritti. „Eine tolle Stadt und nette Menschen. Wir hatten uns vorstellen können, sogar langfristig dort zu bleiben. Aber es kam dann eben alles anders“, erklärt Viteritti, der in seiner Fußballerkarriere einige Umzüge mitgemacht hat. Damit ist jetzt Schluss. „Als Fußballer ist es schwierig, sesshaft zu werden. Man wandert von Ort zu Ort, da fällt es schwer, Freundschaften zu schließen. Und die Familie muss auch erst einmal hinten anstehen. „Jetzt geht es aber zurück nach Lörrach und Umgebung, und damit nach langer Zeit zurück in den Schoß der Familie.

Für Viteritti eine wichtige Geschichte. Er ist ein echter Familienmensch, und so ist es nicht verwunderlich, dass er als schwersten Moment seiner Laufbahn den Wegzug nach Magdeburg im Teenager-Alter nennt. „Die Entfernung von sieben Stunden war wirklich hart, aber rückblickend hat mich das auch persönlich gestärkt und selbstständiger gemacht.“

Sportlich gesehen seien es aber die beiden Kreuzbandrisse gewesen, die ihm doch sehr zu schaffen machten. „Diese Zeit zu überstehen, wenn man sechs bis neun Monate nicht mehr das machen darf, was man am liebsten macht, ist brutal schwer“, stellt er fest.

Viteritti, der drei DFB-Pokal-Partien bestritt und dabei zweimal einnetzte, 64 Mal in der 3. Liga auflief und 13 Tore schoss sowie 157 Mal ein Spiel in der Regionalliga Nordost bestritt und 39 Mal ins Gehäuse traf, ist trotz des frühzeitigen Karriereendes mit sich im Reinen. „Wenn ich zurückdenke, huscht mir ein breites Grinsen über das Gesicht.“ Die Tatsache, dass er seine Laufbahn ausschließlich bei Traditionsvereinen verbracht hat, macht ihn dabei besonders glücklich. „Die Fans waren immer der Wahnsinn. Das verbinde ich mit all meinen Vereinen.“

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