Fußball „Der Schiri hat das Spiel entschieden“

Ridje Sprich (blaues Trikot), hier im Laufduell mit dem Bad Bellinger Mike Muser (links), entscheidet das Hochrhein-Derby mit seinem Treffer zum 2:1 in der 85. Minute. Foto: Uli Nodler

Bad Bellingen - Der Favorit hatte die Nase vorne. Wenn es am Ende auch nicht unverdient war, so siegte Titelanwärter SV Weil am Samstag im Landesligaderby beim VfR Bad Bellingen in Überzahl doch etwas glücklich mit 2:1. Bedient war nach einem spannenden Match Werner Gottschling: „Der Schiri hat das Spiel entschieden“, schäumte der VfR-Trainer.

Was war geschehen? In der 67. Minute wurde Yannik Domagala von Yannik Weber auf dem rechten Flügel ungefähr 20 Meter in der Weiler Hälfte gefoult. Als der Bad Bellinger nach dem Pfiff von Schiedsrichter Daniel Roeder liegen blieb, ging Weber auf Domagala zu, es gab einen Kontakt. Domagala schnellte darauf hin hoch und ging auf Weber los, ohne ihn zu berühren. Roeder zeigte Domagala Rot, Weber verschonte er.

Für Gottschling war diese Entscheidung nicht nachvollziehbar: „Der Weiler greift Yannik an den Hals. Der dann nur aufsteht und einen Schritt auf ihn zumacht. Der Schiri zückt Rot und der Linienrichter steht fünf Meter daneben und sagt nichts. Er muss alles gesehen haben. Das ist sehr bitter. Immer wieder werden wir benachteiligt.“ Auch Weils Coach Tobias Jehle hielt die Entscheidung für überzogen. „Eine Gelbe Karte hätte es auch getan.“

Zunächst lief alles nach Plan für den „Underdog“. Der erste gelungene Angriff des Gastgebers führte in der 4. Minute zur Führung. Jakob Hugenschmidt setzte sich auf dem linken Flügel durch und seinen perfekt getimten Flankenball hämmerte der auf der rechten Seite mitgelaufene Antrija Micic in die Maschen.

Der frühe Treffer in diesem Hochrhein-Derby pushte den Gastgeber und steigerte die Unsicherheit beim SVW. Die dokumentierte sich vor allem in der Inkonsequenz vor dem Bad Bellinger Tor. Zunächst scheiterte Marvin Stöhr (16.) aus drei Metern an Torwart Sven Rodehau, der reaktionsschnell abwehrte. In Minute 25 köpfte Tschira nach einer Flanke von Ridje Sprich aus sieben Metern kläglich am „langen“ Pfosten vorbei. „Den hätte sogar ich noch gemacht“, ärgerte sich Bächle. Vier Minute später hatte dann Stöhr völlig freistehend zwölf Meter vor dem VfR-Tor den Ausgleich auf dem Fuß. Rodehau entschärfte die Situation mit einem Reflex.

Allerdings hätte Bad Bellingen nach 22 Minuten auch schon 3:0 führen können. Nach einem Freistoß (18.) von Domagala, der den in Dortmund weilenden Christian Ophoven in der Innenverteidigung vertrat, köpfte der aufgerückte Abwehrmann Kai Schillinger Weils Torhüter Sandro Keller aus vier Metern an. Da fehlten nur Zentimeter zum 2:0.

Und vier Minuten danach setzte sich Tim Siegin auf dem linken Flügel gegen drei Weiler durch und spitzelte die Kugel an Keller vorbei in die Maschen. Allerdings stand der VfR-Torjäger hauchdünn im Abseits.

Nach der Pause war der auf zwei Positionen veränderte SV Weil dann das dominierende Team. Für die nicht überzeugenden Nikola Obradovic und Than Nam Do Le brachte Bächle Daniel Mundinger und Lirian Ismajli. Die Bad Bellinger verlegten sich im zweiten Abschnitt auf Torsicherung, um den 1:0-Vorsprung zu halten Sie hatten in der 55. Minute jedoch großes Glück, dass Ismajlis Ball nach einem Mundinger-Pass von der Latten-Unterkante wieder ins Feld tropfte.

Und dann beeinflusste der Unparteiische mit seiner Rot-Entscheidung (67.) das Derby letztlich entscheidend. Mit einem dicken Hals verfolgte Gottschling das Geschehen von der Bank aus. In den folgenden Minuten fiel Weil im Vorwärtsgang aber überhaupt nicht ein. Der Favorit produzierte Fehlpässe im Sekundentakt. Da platzte auch Bächle der Kragen: „Meine Fresse, lasst den Ball doch laufen, bewahrt Ruhe.“

Bis zur 77. Minute fanden die sichtlich verunsicherten Gäste kein Mittel, den VfR-Abwehrriegel zu knacken. Und dann passierte es doch. Almin Mislimovic verwandelte von links einen Eckball direkt. Geschickt hatte Mun­dinger Rodehau die Sicht versperrt und der Ball flog vorbei ins lange Eck.

Acht Minuten später hatte der VfR auch den einen Punkt verloren. Eine Klassetor des SVW. Sprich, der auffälligste Weiler Offensive, wurde im Sechzehner mit dem Rücken zum Tor angespielt. Er drehte sich blitzschnell und erwischte Rodehau mit einem Flachschuss auf dem falschen Fuß – 2:1.

Trotz des Erfolges sparte Weils Trainer Bächle nicht mit Kritik: „Unsere Chancenverwertung war eine Katas­trophe. Wir hatten an diesem Tag auch nicht die technische Qualität, um den Gegner in Schach zu halten.“

VfR-Trainer Werner Gottschling lobte dagegen: „Meine Mannschaft hat Großartiges geleistet. Selbst in Unterzahl haben wir dagegengehalten. Ohne den Platzverweis hätten wir dieses Spiel gewonnen, weil wir heute die bessere Mannschaft waren.“

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