Handball Der Wille versetzt Berge

Mirko Bähr
Die HSG Dreiland feiert den Aufstieg in die Südbadenliga. Foto: /HSG Dreiland

Der Traum ist wahr geworden: Die Handball-Frauen der HSG Dreiland spielen in der nächsten Runde in der Südbadenliga. Nach dem 26:22 im Hinspiel verlieren die Brombach-Weiler Equipe in Ottersweier knapp mit 18:19. Das reicht.

„Wahnsinn“, jubelte Coach Christian Weber nach der Schlusssirene. „Was die Mädels in den vier Spielen der Aufstiegsrelegation abgerissen haben, ist fantastisch.“ Das, so sprudelte es aus ihm heraus, sei das Beste gewesen, was er in den vergangenen beiden Jahren von seinen Schützlingen gesehen habe. „Jede hat alles gegeben, alle haben sich gegenseitig motiviert, brauchte eine Hilfe, waren zwei Teamkolleginnen zur Stelle.“

Eine überragendeAbwehrleistung

Erst gegen den BSV Phönix Sinzheim, dem Landesliga-Vize aus dem Norden, und nun gegen die SG Ottersweier/Großweier, immerhin Tabellenachter der vergangenen Südbadenliga-Saison: „In dieser Relegation haben die Mädels ihr wahres Gesicht gezeigt.“

Allen voran war es eine überragende Abwehrleistung, die dafür sorgte, dass das Ziel Aufstieg nun Realität wurde. „Defensiv standen wir wie eine Eins, und dahinter hatten wir Anke Bächthold und Ena Brisevac im Tor. „Das waren unsere Felsen in der Brandung“. Hatte Bächthold im Hinspiel gezaubert, war es diesmal die am Knie lädierte Brisevac, die auf die Zähne biss und den HSG-Kasten regelrecht vernagelte.

Am Freitagabend sahen die Zuschauer in der Sporthalle in Ottersweier, darunter gut 40 Fans der HSG, die ihr Team lautstark mit Pauken und Vuvuzelas unterstützten, eine echte Abwehrschlacht. Auch die Gastgeberinnen machten es den Gegnerinnen schwer, Tore zu erzielen. So war es nicht verwunderlich, dass es mit einem 9:9 in die Pause ging.

HSG verkraftetRückstände souverän

Mit einem Vier-Tore-Vorsprung ging die HSG ins Spiel. Beruhigend, jedoch niemals die halbe Miete. Und dieser Vorsprung war denn auch nach einem Traumstart der SG nach drei Minuten schon fast egalisiert. 3:0 hieß es für die SG. Schlimmste Befürchtungen waren geweckt. Aber nicht beim Team, das blieb bei sich, spielte unbeirrt weiter. „Die Mannschaft hat gelernt, Rückschläge wegzustecken“, zog Weber einen weiteren Hut.

In Minute 13 ging die HSG beim 5:4 dann erstmals selbst in Führung und hatte das Geschehen auf dem Spielfeld im Griff. Dafür investierten alle Spielerinnen sehr, sehr viel. Kein Ball wurde verloren gegeben. „Jede ist parat gewesen. Ich bin einfach nur sprachlos“, so Weber, der in der Pause seine Mädels ermutigte, genauso weiterzumachen. „Wir hatten ja alles richtig gemacht und wir wussten, dass der Gegner so langsam, aber sicher unter Zugzwang gerät.“ Immerhin musste die SG ja die vier Tore aus dem Hinspiel wettmachen.

Die HSG blieb am Drücker und führte nach 39 Minuten mit 13:10 und nach 49 Minuten mit 15:12. Es lief alles nach Plan. Geduldig warteten die Gäste auf die sich bietenden Möglichkeiten. „Bis zur 58. Minute haben wir das super gemacht.“ Die HSG lag zu diesem Zeitpunkt und nach drei Treffern von Marija Milenkovic in Serie mit 18:16 in Front. Damit brannte nun wirklich nichts mehr an, der Drops war gelutscht.

Nun wich die Konzentration verständlicherweise, wussten doch alle, dass jetzt nichts mehr passieren konnte und der Aufstieg perfekt ist. Die HSG-Mädels sehnten die Schlusssirene herbei und ließen den Gegner in der Schlussphase passieren. Am Ende gewann die SG Ottersweier/Großweier zwar das Rückspiel noch mit 19:18, doch das war nicht mehr als reine Ergebniskosmetik. Es war wohl die Süßeste aller Niederlagen.

Bestes Abschiedsgeschenkfür Trainer Weber

Kein Wunder, dass nach der Partie gefeiert wurde. Alles spontan, nichts Geplantes. Keine Aufsteiger-T-Shirts oder sonst etwas. „Wir haben unser Fokus auf das Spiel gelegt und das war auch gut so. Wir haben unsere Aufgabe souverän erledigt. Der Gegner hat keine Lösung gegen unser Abwehrbollwerk gefunden, und wenn er doch mal durch war, dann stand Ena oder eben Anke im Kasten“, analysiert Weber.

Fast 60 Minuten lang habe seine Equipe im alles entscheidenden Match der Saison „150 Prozent performt“. Am Ende waren alle stehend K.o., aber glücklich. „Wir haben als Mannschaft überzeugt, als echte Einheit, da braucht man keine einzelnen Namen erwähnen, das war Teamwork hoch drei“, strahlte Weber über beide Ohren. Der Aufstieg ins südbadische Oberhaus ist nun also perfekt. Das war das große Ziel des Teams. Und so kommt es in der kommenden Runde wieder zum Nachbarschaftsderby mit der SG Maulburg/Steinen.

„Dieser unbedingte Wille aufzusteigen, die Gier alles zu geben für das große Ziel“, war in dieser Aufstiegsrunde deutlich zu spüren. Solch eine Energie habe er in seinen zwölf Jahren als Handballcoach noch nicht erlebt. „Das war etwas Besonderes“, so Weber, für den diese Partie die letzte als HSG-Trainer war. Und das beste Abschiedsgeschenk lieferten ihm seine Schützlinge am Freitag gleich selbst.

Tore für HSG Dreiland: Knössel 1, Hopp 2, Sautter 3, Wollschläger 5/1, Darius 3, Milkenovic 4.

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