Fußball Die Champions League fest im Visier

Clirim Recica (vorne) hat noch einiges vor.Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Clirim Recica hat in seiner noch jungen Karriere schon so einiges erlebt. Zurzeit ist der gebürtige Lörracher vereinslos, Sorgen bereitet ihm das aber nicht. Der ehemalige kosovarische Junioren-Nationalspieler vertraut seinen Stärken und hat große Ziele.

Von Fabian Schreiner

Lörrach. Recica genießt es aktuell, wieder zuhause bei seiner Familie zu sein. Sechs Monate war er nicht mehr in Lörrach. Der 22-Jährige stand bis zum 30. Juni beim österreichischen Zweitligisten Wacker Innsbruck unter Vertrag. „Eine Verlängerung habe ich nun aber abgelehnt. Ich hätte für ein Jahr plus Option unterschreiben können, aber ich war nicht ganz zufrieden, da es in Innsbruck auch Probleme mit dem Investor gegeben hatte.” Nun ist Recica also erst einmal vereinslos und ablösefrei. „Das ist überhaupt nicht schlimm. Es gibt einige Angebote. In den nächsten Tagen wird sich ein neuer Verein finden.” Der Deutsch-Kosovare weiß aber: „Der nächste Schritt in meiner Karriere ist ein ganz wichtiger. Deshalb überstürze ich jetzt auch nichts. Ich bin noch jung. In meinem Alter bringt es nichts, auf der Bank zu sitzen, ich muss spielen”, macht er deutlich und fügt selbstbewusst hinzu: „Eines Tages will ich auf jeden Fall Champions League spielen.”

Fußballspielen beim SV Weil erlernt

Trotz seiner erst 22 Jahre ist Recica sehr aufgeräumt und reflektiert. Kein Wunder: Schließlich zog der Mann, der beim SV Weil das Fußballspielen lernte, bereits mit 17 Jahren von zuhause aus. „Ich bin 2017 zum VfR Aalen gewechselt und habe dort zum ersten Mal alleine gewohnt. Bis auf die ersten zwei Wochen war das kein Problem. Ich bin ein offener Typ und habe schnell viele neue Leute kennengelernt.” Am nordöstlichen Rand der Schwäbischen Alb machte Recica auch sein Fachabitur. „Das war mir wichtig. So habe ich etwas in der Hand.” Während seiner Zeit beim VfR nahm das 1,79 Meter große Kraftpaket an einem Sichtungsturnier in Duisburg teil – und überzeugte. Anschließend wurde der kosovarische Verband auf ihn aufmerksam. „Eines Tages bin ich dann nach Kosovo zur U19-Nationalmannschaft geflogen. Wenig später durfte ich meine ersten Länderspiele bestreiten. Wir spielten zweimal gegen Bulgarien. Das war schon ganz besonders. Ich hatte Gänsehaut bei der Nationalhymne.” Doch es kam noch besser. Im März 2018 lief Recica bei der U19-Europameisterschaft für Kosovo auf. „Da war ich dann doch noch etwas nervöser als sonst, aber in unserem Alter ist es fast schon egal, ob es ein Freundschafts- oder Turnierspiel ist. Du musst Gas geben und zeigen, was du drauf hast.” Kosovo schied in der Gruppenphase aus, zog gegen Gastgeber Portugal mit Francisco Trincao, der jüngst vom FC Barcelona an die Wolverhampton Wanderers ausgeliehen wurde, und Irland den Kürzeren. Immerhin: Gegen die Slowakei behielt die Auswahl um Recica die Oberhand. „Das war insgesamt schon ein wahnsinniges Erlebnis, irgendwann will ich auch für die A-Nationalmannschaft spielen. Dazu habe ich mich stark präsentiert, und mehrere Vereine zeigten Interesse an mir.”

Außenverteidiger bei Wormatia Worms

Je höher die Liga, desto mehr wird der Fußball auch zu einem Geschäft. Das erlebte Recica am eigenen Leib. „Meine ersten zwei Berater sahen nur das Geld, sie gaben mir leere Versprechungen. Manchmal ist der Fußball leider schon ein ekliges Business.“

Den Defensivspezialisten zog es nach seiner Zeit in Aalen weiter in die Oberliga nach Oberachern. „Das war meine schlimmste Zeit. Ich habe nicht in das System des Trainers gepasst. Als ich dann nach Worms ging, wurde es wieder besser. Dort konnte ich überzeugen.” Als Außenverteidiger zählte Recica in der Oberliga bei Wormatia Worms zu den besten Vorlagengebern. Doch auch in Rheinland-Pfalz hielt es ihn nicht lange. Sein Berater Kosta Kilikidis von der MK Sport Consulting GmbH & Co KG, der unter anderem auch Spieler wie Taxiarchis Fountas von Rapid Wien, Florian Flick (Schalke 04) oder Danny Blum (VfL Bochum) unter Vertrag hat, transferierte Recica nach Österreich in die Reservemannschaft von Wacker Innsbruck. „Mittlerweile habe ich mich an das Umziehen gewöhnt”, lacht er. In zwölf Spielen für die „Zweite” erzielte Recica zwei Treffer und bereitete drei weitere Tore vor. Auch seinen ersten Profivertrag unterschrieb der U-Nationalspieler Kosovos in dieser Zeit. Dank starker Vorstellungen in der 3. Liga Österreichs durfte Recica vor etwas mehr als einem halben Jahr mit den Profis mit ins Trainingslager nach Slowenien. Dort traf er auf den Lörracher Fabio Viteritti, mit dem er sich super versteht. „Wir haben uns oft Streiche gespielt. Mit Fabio war es immer witzig.” Es dauerte nicht lange, bis Recica nun auch seinen ersten Einsatz in der ersten Mannschaft hatte. Am 21. Spieltag der abgelaufenen Spielzeit lief Recica gegen Blau-Weiß Linz in der Startelf auf. „Das war ein super Gefühl. Schade, dass keine Fans im Stadion erlaubt waren.” Und plötzlich hatte Recica auch einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Zudem stieg sein Marktwert laut „transfermarkt.de“ auf 50 000 Euro an. „Ich weiß gar nicht, wie das mit dem Wikipedia-Eintrag zustande kam. Scheinbar kennt mich da einer besser als ich mich selbst.”

Für den Aufstieg in die Bundesliga reichte es letztlich nicht, Wacker beendete die Saison auf Rang vier. Recica hat dennoch nur Positives für den Traditionsklub übrig: Wir waren wie eine Familie in Innsbruck. Ich habe mich noch nie zuvor so wohlgefühlt. Auch Trainer Daniel Bierofka hält viel von mir. Er ist cooler Typ, auch wenn er uns in der Vorbereitung gequält hat.” Bierofka lief in der deutschen Bundesliga übrigens für den TSV 1860 München, VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen auf. Wie es nun für Recica weitergeht, ist noch offen. Recica, der in der Jugend auch für den FC Basel, SC Freiburg und den Offenburger FV kickte, hält sich im Moment selbst fit, geht sechsmal in der Woche trainieren. „Morgens bin ich im Kraftraum und am Nachmittag absolviere ich am Tüllinger Intervall-, und Bergläufe. Natürlich mache ich auch etwas mit dem Ball. Neulich habe ich mich mit Ylber Lokaj, mit dem ich in der Weiler Jugend zusammengespielt habe, in Riehen getroffen. Da dürfen Hütchen und Koordinationsleiter aber nicht fehlen.” Recica sagt über sich selbst: „Ich bin auf dem Platz ein richtiges Mentalitätsmonster. Ich kann einfach nicht verlieren. Meine mentale Stärke hat mich schon durch die ganze Karriere getragen. Das ist sicherlich auch ein Grund für meinen Erfolg”, lässt der junge Mann wissen, der aber auch klarstellt: „Ohne meine Eltern wäre ich nicht so weit gekommen. Meine Mama gibt mir immer Tipps und mein Vater ist mein Idol.”

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