Fußball Ein Gastgeschenk zur Unzeit

Diese 87. Minute wird Dominik Lüchinger so schnell nicht vergessen. Der sonst so sichere Keeper des FV Lörrach-Brombach lässt einen eher harmlosen Schuss unter seinem Körper durchflutschen. Eigentlich, ja eigentlich hält Lüchinger diesen Ball im Schlaf. Gestern nicht. Und damit ist das Remis, das im Oberligaduell gegen den SSV Reutlingen 1905 in greifbarer Nähe ist, dahin.

Von Mirko Bähr

Lörrach. Dieser Patzer führt zum 1:2 aus FVLB-Sicht. Drei Minuten waren da noch ohne Nachspielzeit zu absolvieren. Am Ende schlägt eine 1:3-Pleite gegen den ehemaligen Zweitligisten aus dem Schwabenland zu Buche. Lüchinger und seinen Teamkollegen steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Wieder ist es ein kapitaler Fehler gegen Ende der Partie, der dafür sorgt, dass die Rothemden mit hängenden Köpfen in die Kabine schleichen, während der Gegner mit seinen Schlachtenbummlern einen glücklichen Erfolg feiern darf.

Es ist am Ende eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Wobei es eher der FV Lörrach-Brombach ist, der in der Schlussviertelstunde noch etwas mehr investiert, um vielleicht doch noch vor 440 Zuschauern im Grütt den Sieg nach Hause zu bringen. Aber die Angriffe werden über die gesamte Spielzeit gesehen nicht sauber genug vorgetragen. Mal dort eine Ungenauigkeit im Passspiel, mal da eine unkonzentrierte Ballannahme. Das haben die FVLB-Akteure in dieser Oberliga-Spielzeit schon viel besser gemacht.

Unzulänglichkeiten laden die Gäste ein

Aber auch die Gäste aus Reutlingen können auf dem Naturrasen im Grütt nicht überzeugen. Die aufmerksame FVLB-Defensive hat den Gegner weitestgehend im Griff. Aus dem Spiel heraus glänzt der SSV kaum einmal. Nein, es sind Einladungen der Gastgeber, die dann für höchste Gefahr sorgen.

Reutlingen geht in Minute 17 in Führung. Der FVLB agiert auf der rechten Seite etwas schlampig im Spielaufbau, und mit einem langen Ball auf Onesi Kuengienda wird es brandgefährlich. Der Reutlinger Stürmer kann mit der Kugel umgehen, allerdings nur, wenn er denn auch Lust hat. So ist der Eindruck am gestrigen Sonntag. In dieser Szene will er. Und so schlenzt er den Ball aus 18 Metern rechts an Leon Riede vorbei ins kurze Eck. Lüchinger rechnet mit einer Flanke, und richtet gegen diesen Geniestreich dann nichts mehr aus.

Wer weiß, welchen Verlauf die Partie des zwölften Spieltages nimmt, wenn Daniel Briegel das Geschenk der Reutlinger nach 33 Sekunden annimmt. Der FVLB-Offensivmann spritzt in einen Querpass, läuft alleine auf Tim Zemmer zu und schiebt das runde Leder ins kurze Eck. Er zielt zu genau, trifft nämlich nur den Pfosten.

Der Gastgeber braucht nach dem 0:1 etwas, um wieder reinzufinden. Er ist etwas verunsichert, nimmt nach 30 Minuten aber das Heft des Handelns in die Hand. Einen schönen Angriff über Vincent Kittel und Mirco Böhler setzt Ben Nickel aus 19 Metern noch über den Kasten. Dann aber dürfen auch die Rothemden jubeln. Leon Riede setzt nach, provoziert vor dem gegnerischen Strafraum einen Pressschlag, der schlussendlich im langen Eck des Reutlinger Kasten landet. Gespielt sind 34 Minuten.

Lüchinger muss in der 41. Minute noch einmal in höchster Not klären, ehe es in die Halbzeit geht. Ein aussichtsreicher Angriff über Lamin Colley und Kittel wird kurz darauf im Reutlinger Strafraum gerade noch so unterbunden.

Nach Wiederbeginn ist es Briegel, der in der 58. Minute mit einem Schuss aus 22 Metern Torwart Zemmer zu einer Parade springt. Den daraus resultierenden Eckball köpft Kittel knapp vorbei. Der FVLB hat nun gute Offensivaktionen, kann diese aber nicht zu Ende bringen. Mal steht man sich selbst im Weg, mal landet der Ball nicht dort, wo er hin soll.

Als sich beide Seiten mit einer Punkteteilung zufrieden geben, passiert es. Lüchinger lässt Willie Sauerborns zentralen Schuss durchrutschen. In der Nachspielzeit macht Armin Zukic dann alles klar – 3:1. Die Köpfe bei den FVLB-Kickern sind da längst schon unten.

SPIELENTSCHEIDEND: Hier ein Zähler, da einer: Der FV Lörrach-Brombach bringt sich durch individuelle Fehler immer wieder um den Lohn der Mühen. Und so steckt der Grütt-Klub als Aufsteiger mit acht Zählern im Tabellenkeller fest. Gut nur, dass es auf den ersten vermeintlichen Nichtabstiegsplatz lediglich drei Zähler Rückstand sind. Dennoch geben diese „Böcke“, diesmal ist es Schlussmann Dominik Lüchinger, Anlass zur Sorge. „Wir machen gravierende Fehler, die dann auch spielentscheidend sind“, macht Coach Erkan Aktas deutlich. „Wir haben den Gegner eingeladen. Nur dann wurde er gefährlich“, findet er.

FEHLER: Zu viele technische Fehler sieht Aktas im Spiel seiner Schützlinge. „Wir waren nicht sauber genug in unseren Aktionen.“ Vielleicht hätte ja eine frühe Führung etwas mehr Sicherheit gegeben. „Das könnte sein, dass es dann einfacher ist und wir sicherer auftreten. Aber das ist Spekulation.“

PUNKTE: Gegen solche Gegner müssen im Endeffekt die Punkte geholt werden. „Aber uns fehlt einfach in den entscheidenden Momenten die Konzentration, die letzte Entschlossenheit“, stellt Aktas fest, dessen Team Platz 17 in der Oberliga-Tabelle belegt.

TYPISCH: „Das war ein typisches Unentschieden-Spiel“, ist Reutlingens Coach Maik Schütt nach dem Schlusspfiff ehrlich. Eine Punkteteilung wäre für beide Teams verdient gewesen. „Wir haben keine gute Partie gemacht. Wir hatten Glück gleich zu Beginn, da waren wir noch gar nicht auf dem Platz. Dann hat man die Verunsicherung gemerkt. Es hat mir der Rote Faden in unserem Spiel gefehlt“, stellt Schütt fest. Am Ende sei man froh, diese drei Punkte mitnehmen zu können. „Wir wollten gewinnen.“        Mirko Bähr

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