Fußball Hier das Bollwerk, da der Spielwitz

Durchschnaufen: 17 Partien sind im Verbandsoberhaus absolviert. Mehr als drei Monate dauert nun die Winterpause. Genügend Zeit, um nach einer Ruhephase ab Januar an den Schwachpunkten zu arbeiten. Der Blick auf die Tabelle ist aus Sicht der beiden Hochrhein-Teams erfreulich. In Auggen dagegen nicht.

Von Mirko Bähr

Lörrach. Was muss besser werden? Was lief super? Wird es personelle Veränderungen im Winter geben? Wir haben beim FV Lörrach-Brombach, SV Weil und FC Auggen nachgefragt.

FV Lö.-Brombach

Platz zwei

34 Punkte

Wie war es?

Es ist ja nicht so, dass der FVLB bisher die Konkurrenz in Grund und Boden gespielt hat. Tabellenplatz zwei steht vor allem deshalb zu Buche, weil die Truppe von Coach Erkan Aktas äußerst stabil steht, sehr wenig zulässt und mit Dominik Lüchinger einen der besten Torhüter in ihren Reihen hat. Neunmal hielt der Schlussmann seinen Kasten sauber. 16 Gegentore in 17 Partien sprechen eine deutliche Sprache. Das ist Liga-Bestwert.

Was lief gut?

„Wir haben uns schnell gefunden und eine geschlossene Einheit gebildet. Es wurde das Motto: ’Miteinander statt gegeneinander’ auch gelebt“, macht Coach Erkan Aktas deutlich. Man habe sich als Team stetig weiterentwickelt. „Die positiven Ergebnisse haben diesen Prozess natürlich noch verstärkt.“ Siebenmal standen die Grütt-Kicker, die in der Vorsaison der Abstiegszone bedrohlich nahe kamen, auf Rang eins der Tabelle, Platz vier nach dem dritten Spieltag war die schlechteste Platzierung. Zehn Siege schlugen bisher zu Buche, viermal gab es ein Remis, und nur dreimal verließ der FVLB als Verlierer den Platz. Zuhause gewann man sieben der acht Partien.

Wo ist Luft nach oben?

„Spielerisch müssen wir noch flexibler werden, dieses gesteckte Ziel haben wir nicht erreicht“, ist Aktas ehrlich. Und er hat recht. Schön ist es zuweilen nicht, was der FVLB da auf dem grünen Rasen anbietet, aber erfolgreich. Und schlussendlich geht es um Punkte. Weil der Aufstieg in die Oberliga nicht nur aus Sicht des Trainers viel zu früh käme, stünde es dem Team nun mit 34 Zählern auf dem Konto gut zu Gesicht, wenn es sich einen gewissen Spielwitz und die eine oder andere Offensividee aneignete. Vor allem aber gilt es, mutig zu sein, mal das Eins-gegen-Eins zu suchen, statt den Ball lange nach vorn zu schlagen und auf einen Geistesblitz eines Einzelnen zu hoffen. „In unserem Spiel mit dem Ball wird in der Rückrunden-Vorbereitung der Schwerpunkt unserer Arbeit liegen“, macht Aktas klar.

Neue Gesichter?

Weil es defensiv stimmt und die Konstanz in diesem Bereich wirklich eindrücklich ist, verwundert es nicht, dass man mit den Neuzugängen eine gewisse Hoffnung einhergeht, die Offensive zu beleben. Die neuen Akteure, wie Stürmer Vedat Erdogan (kommt vom TuS Maulburg), Spielgestalter Patrice Glaser, der seinen USA-Aufenthalt beendet, oder auch Luigi Squillace, der von einer langwierigen Verletzung zurückkehrt, können zweifelsohne neuen Schwung reinbringen.

Wer geht?

Angreifer Lukas Münch kehrt in seine schwäbische Heimat zurück. Der quirlige Außenspieler David Rodri-guez verlässt Deutschland und kehrt nach seinem Schüleraustausch in sein Heimatland Paraguay zu seiner Familie zurück, wo er ein Studium aufnehmen wird.

Ab wann wird trainiert?

Los geht es für die FVLB-Kicker am 25. Januar mit einem Teamevent in Todtmoos. Wintersport und Party stehen auf dem Trainingsplan, ehe es am darauffolgenden Dienstag ernst wird und im Grütt die erste „echte“ Trainingseinheit vonstatten geht.

SV Weil

Platz drei

29 Punkte

Wie war es?

Nun. Solch eine Hinrunde hatte dem Aufsteiger kaum jemand zugetraut. Zumal nach gutem Beginn der SVW auch noch in ein tiefes Loch fiel. So sprangen von Mitte September bis Anfang November in acht Partien gerade einmal zwei Siege heraus. Nach vier Spieltagen auf Rang eins ging es dann hinunter bis Platz acht. Aber Coach Andreas Schepperle hielt seine Schäflein zusammen und schaffte die Wende. Das vor allem aufgrund einer einzigartigen Offensive. Teilweise wurden die Gegner förmlich überrollt.

Was lief gut?

Ganz klar das Angriffsspiel. Die Weiler rangieren mit 38 Treffern auf Platz zwei dieser Hitliste und haben den Goalgetter schlechthin in ihren Reihen. Ridje Sprich, der Aufstiegsheld, töpfte bereits 20 Mal ein. „Die gesamte Hinrunde war gut. Wir sind hoch zufrieden, wie es bislang gelaufen ist“, sagt Schepperle. Offensiv war es top. Aber auch die Abwehrleistung wurde gegen Ende immer besser. „Wir haben in den letzten fünf Partien vor der Winterpause nur ein Tor gefangen“, stellt „Scheppi“ fest. Vier Siege und ein Remis war dabei die Ausbeute. Schepperle lobt nicht nur die Breite des Kaders, sondern auch dessen Qualität. Und ein Spieler wie Serkan Korkmaz war ein echter Glücksgriff. Nicht nur, weil er auf der Sechser-Position Ruhe und Übersicht bewies, sondern sich selbst nicht zu wichtig nahm. „Serkan hat bisher alle Trainingseinheiten absolviert und stand zusammen mit Sandro Keller jede Minute auf dem Platz.“

Wo ist Luft nach oben?

„Wir müssen auf dem Teppich bleiben“, macht Schepperle klar. Dass der SVW noch nicht zu den Top-Teams der Verbandsliga zähle, sei deutlich sichtbar geworden, als man vier Begegnungen in Serie verloren habe. „Da war uns die Effizienz abhanden gekommen. Und wir haben uns viel zu naiv in der Abwehr angestellt. Wir haben dem Gegner zu viele Freiräume gelassen, was diese gnadenlos ausgenutzt haben“, blickt Schepperle zurück. „Zuletzt waren wir da konsequenter“. Diese Konsequenz müsse nach der Winterpause wieder auf den Platz gebracht werden. Es gelte, konstant und auf solch hohem Niveau weiterzuspielen.

Neue Gesichter?

Ein alter Bekannter findet den Weg zurück ins Nonnenholz. Almin Mislimovic, der technisch sehr begabte Mittelfeldmann, der nach dem Aufstieg die Weiler im Sommer zu den Black Stars nach Basel verlassen hat und sich dort nicht durchsetzen konnte, schlüpft nach der Winterpause wieder ins Weiler Trikot. Zweifelsohne ist Mislimovic eine Verstärkung für den SVW. Allerdings nur dann, wenn er verinnerlicht, dass das neue Spielsystem unter Schepperle schnellen, gradlinigen, direkten Fußball verlangt. Das Spiel in der Vorwärtsbewegung zu verschleppen, ist nicht mehr gefragt. Die lange Zeit sehnlichst gewünschte Verstärkung für die Defensive habe sich nach den guten Leistungen von David Groß & Co. zuletzt deutlich abgeschwächt.

Wer geht?

Der große Pechvogel in Weiler Diensten, Alexander Hermann, der gut drei Jahre aufgrund einer Schambeinentzündung zum Zuschauen verdammt war, verlegt seinen Wohnsitz nach Freiburg und wird sich dort einem Verein anschließen. Der zuletzt verletzte Alexander Schneider wird die Weiler wohl aufgrund seines Studiums im Schwarzwald verlassen.

Ab wann wird trainiert?

Der offizielle Trainingsauftakt ist am 27. Januar im Nonnenholz. Höhepunkt der Vorbereitung ist ein dreitägiges Trainingslager in Bareno am Lago Maggiore. Der SVW nimmt am 15. Februar an einem Vorbereitungsturnier in Herten teil. Mit dabei sind zudem die U21 der Grasshoppers und der Freiburger FC.

FC Auggen

Platz 14

16 Punkte

Wie war es?

Der Blick auf die Tabelle ist ernüchternd. Der FC Auggen befindet sich mittendrin im Abstiegskampf. Nach vielen Jahren, in denen es für den Klub aus dem Winzerdorf nur bergauf ging, müssen sich die Verantwortlichen mit einem drohenden Abstieg auseinandersetzen. Der Trainer steht aber nicht infrage. Marco Schneider steht nicht zur Diskussion. Im Gegenteil. Der Verein würde gerne verlängern.

„Wir müssen das differenziert betrachten“, macht Schneider deutlich. Das eine sei die Punkteausbeute gleichbedeutend mit dem Tabellenstand, und das andere sei die Art und Weise, wie der FCA in den ersten 17 Partien der Spielzeit aufgetreten sind. „Ergebnistechnisch ist es natürlich total enttäuschend, genauso der Blick auf Tabelle“, findet Schneider klare Worte. Aber: „Wir spielen hochwertigen Fußball, der Spaß macht.“ Schneider lobt das Anlaufverhalten, das Verhalten im Ballbesitz, die Dominanz und die Kreativität seines Teams. „Aber das alles zählt nicht, wenn man die Pille nicht ins Tor bringt.“ 21 erzielte Treffer zeigen dieses Dilemma des Tabellenvierzehnten deutlich auf. Nur ein Team traf noch seltener.

Was lief gut?

„Wir haben uns spielerisch weiterentwickelt und waren bis auf das Waldkirch-Spiel in keinem anderen Match wirklich unterlegen“, sagt Schneider. So schlug zumeist auch ein Chancenplus zu Buche. Auch, weil es defensiv sehr gut passte. Immerhin bedeuten die 23 Gegentreffer die drittbeste Quote aller Verbandsligisten.

Wo ist Luft nach oben?

Da braucht man kein Prophet zu sein: Der Torabschluss ist alles andere als verbandsligatauglich. Das hat nicht nur mit Pech zu tun. Und es ist nicht nur eine Person, die so fahrlässig vor dem Tor agiert, sondern es sind eine ganze Reihe an Akteuren, die das Runde nicht ins Eckige bekommen. „Mittlerweile“, weiß Schneider, „hat sich auch etwas in den Köpfen festgesetzt. Wir haben eine junge Mannschaft, die mental noch nicht so gefestigt ist.“ So einen Negativtrend schüttele man nicht so einfach ab. „Die Pause tut jetzt gut“, sagt der Trainer.

Neue Gesichter?

Idrissa Khan wird wieder zum FCA zurückkehren, nachdem er beim Freiburger FC nicht so zum Zug gekommen ist. Schneider freut sich aber auch darauf, wenn sämtliche Leistungsträger wieder ins Team zurückkehren. Wichtige Stützen wie Matthias Dold, Julian Sauer und Jonathan Ehret oder auch der starke Youngster Matej Babic waren oder sind noch immer der Kategorie Langzeitverletzte zuzuordnen. „Phasenweise haben im Vergleich zur vergangenen Runde acht bis neun Mann gefehlt“, erklärt Schneider.

Wer geht?

Niemand.

Ab wann wird trainiert?

Die erste Einheit nach der Pause bestreitet der FCA am 28. Januar. Sieben Testspiele stehen auf dem Plan, unter anderem gegen den FV Lörrach-Brombach.

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