Fußball „Hier in Lörrach bin ich ein glücklicher Mensch“

Basel - Die angesehene Buchhandlung Bider & Tanner in Basels Aeschenvorstadt war jüngst der Schauplatz einer anregenden Buch-Vernissage. Im Rampenlicht stand dabei mit Ottmar Hitzfeld ein ganz Großer des Weltfußballs.

Über den erfolgreichen Fußball-Profi und noch weitaus erfolgreicheren Fußballtrainer aus dem benachbarten Lörrach ist nun im „kurz & bündig verlag“ ein Porträt in Taschenbuchformat mit dem Titel „Fußballverrückter. Mutmacher. Menschenfänger.“ über den berühmtesten Sohn der Grenzstadt erschienen. Aus diesem Grund plauderten Ottmar Hitzfeld, Autor Wolfram Porr, freier Sport- und Musik-Journalist aus München, sowie Verleger Dominique Oppler in gemütlicher Runde vordergründig über den Menschen Hitzfeld. Und die überaus zahlreich erschienenen Bücher- und Fußball-Liebhaber hingen an den Lippen des berühmten Fußballlehrers.

Stress und Anspannung weichen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit

Als Grenzkind hat Ottmar Hitzfeld Deutschland und die Schweiz im Herzen. In Lörrach aufgewachsen, startete er seine Fußball-Profikarriere beim FC Basel, spielte schon bald für die deutsche Olympiaauswahl und später auch für den VfB Stuttgart.

Der Übergang ins Trainerfach war so fließend wie logisch – ohne Fußball ging und geht es nicht bei Hitzfeld, der mit Borussia Dortmund und Bayern München die Champions League gewann und zu einem der bedeutendsten Fußballtrainer weltweit avancierte. Dabei blieb er stets seinen Prinzipien und seiner Heimat treu.

Im Buch wird Ottmar Hitzfeld ausführlich als Rekordmann beschrieben. Als Trainer gewann er zwei Schweizer und sieben Deutsche Meistertitel, wurde sechsmal Pokalsieger und gewann mit zwei Teams die Champions League. Zudem ist der zweimalige Welttrainer des Jahres immer noch der Bundesligacoach mit dem besten Punkteschnitt.

Seit 2014 ist Ottmar Hitzfeld Fußballrentner. Der Stress und die Anspannung, die ihn gesundheitlich mitnahmen und im Jahr 2004 sogar in einen „Burn-out“ mündeten, sind Ausgeglichenheit und Zufriedenheit gewichen.

Mit seiner Frau Beatrix lebt er wieder in seiner geliebten Heimatstadt Lörrach. Sein Lebensinhalt sind seine Hobbys Golf und Skifahren sowie seine inzwischen drei Enkelkinder. Im Januar 2019 feierte Hitzfeld seinen 70. Geburtstag. Und obwohl er die große Fußballbühne verlassen hat, ist er beliebt wie eh und je.

Sein Vater hielt nicht viel vom Trainerjob

Das Porträt von Wolfram Porr geht den Gründen dafür nach. Lange forschen musste der Autor aber nicht: Hitzfelds Bodenständigkeit, seine Fairness als Sportler, seine Offenheit und Prinzipientreue machen ihn bis heute zu einem der beliebtesten Fußballpromis.

Verleger Dominique Oppler, der an diesem Abend als sinniger Moderator fungierte, interessierten vor allem biografische Momente und Anekdoten im Leben Hitzfelds. So wollte er wissen, warum Ottmar Hitzfeld nach seiner aktiven Zeit denn Trainer geworden war? „Eigentlich wollte ich als Lehrer für Mathematik und Sport arbeiten. Ich hatte in meiner Zeit als Fußballer das Studium der Pädagogik erfolgreich abgeschlossen, sollte aber nun beim Oberschulamt in Freiburg eine Nachprüfung machen. Dafür hatte ich kein Verständnis und habe mich entschieden, den Trainerjob auszuprobieren. Ich wollte Lehrer werden und bin dann Trainer geworden“, sagte Hitzfeld schmunzelnd.

Eine, wie sich im Nachhinein herausstellte weise Entscheidung. Die habe – so Hitzfeld – seinem Vater aber gar nicht gefallen. „Er hielt es für ein Vagabundenleben, wollte ganz und gar nicht, dass ich von Lörrach weggehe.“

Und Ottmar Hitzfeld ist es auch zu Beginn seiner Trainerlaufbahn ziemlich schwergefallen, seine Heimat hinter sich zu lassen. Gelitten hat der damals 42-Jährige vor allem in Dortmund: „Ich hatte großes Heimweh. Die ersten sechs Wochen waren die Hölle. Ich hatte schon überlegt, ob ich dort aufhöre. Gut, dass ich es nicht getan habe.“

Aktuell genießt Ottmar Hitzfeld sein Rentnerdasein. Höhepunkte sind für ihn spannende Unternehmungen mit seiner Ehefrau und die drei Enkel in München zu besuchen. „Ich habe es nie bereut, dass ich mich vor fünf Jahren aus dem Rampenlicht des Weltfußballs verabschiedet habe. Hier in Lörrach bin ich ein glücklicher Mensch“, sagt Ottmar Hitzfeld mit glänzenden Augen.

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