Fußball Kimmich muss in die Abwehrkette

Uli Nodler

Die deutsche Mannschaft steht am morgigen Sonntag (Anpfiff 20 Uhr) im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien am Abgrund. Nach der Pleite gegen Japan hilft dem DFB-Team wohl nur ein Sieg, um die Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale aufrechtzuerhalten. Gibt’s die zweite Niederlage, dürfte die WM für die Jungs mit dem Bundesadler vorbei sein. Selbst ein Unentschieden gegen Spanien würde die deutschen Chancen auf ein Weiterkommen nur unwesentlich erhöhen.

Von Uli Nodler

Doha. In einer Woche könnte also die Aufbruchstimmung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem Bundestrainer-Wechsel im Sommer letzten Jahres mit Donnerhall ad absurdum geführt werden. Dann hätte es der mit soviel Vorschuss-Lorbeeren auf den Bundestrainerposten gehievte Hans Flick nicht geschafft, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die Großes vollbringen kann.

Die Gründe dafür offenbarten sich im ersten Match gegen Japan schonungslos. Die Defensive weist über 90 Minuten kein Top-Niveau auf. Das gilt sowohl für die beiden Außen- als auch für die Innenverteidiger. Und zu allem Ungemach lässt Flick mit Hummels noch den besten Innenverteidiger der aktuellen Saison zu Hause, weil er sich für die Perspektive statt für die Leistung entscheidet. Gut gemacht, Herr Flick!

Da nützt es dann am Ende nichts, wenn die anderen Mannschaftsteile höchsten Ansprüchen genügen. Wie heißt es so schön: Der Angriff gewinnt Spiele, eine Abwehr die Meisterschaft.

Seien wir mal ehrlich: Ist es nicht so, dass die Erfolgsaussichten für eine Mannschaft mit vielen sehr guten Einzelspielern umso größer sind, wenn sie eingespielt ist. Davon war das deutsche Team weit entfernt. Flick hat das Testen zu weit getrieben. Monate vor der WM hätte er seine Startelf finden müssen. Da waren ihm die anderen großen Nationen weit voraus. Gesetzt waren bei Flick eigentlich nur Neuer im Tor und Kimmich im Mittelfeld. Das reicht nicht, um Titelambitionen anzumelden. Flick hat den Umstieg vom Vereins- und Nationalmannschaftstrainer nicht geschafft.

Wir wollen nun von unseren Experten wissen, wie hoch sie die Siegchance der deutschen Mannschaft gegen Spanien einschätzen, und auch, mit welcher Aufstellung das gelingen könnte.

Ralf Brombacher, Verbandsschiedsrichter-Obmann des Südbadischen Fußballverbandes: „Deutschland muss gegen Spanien seine Torchancen nutzen und hinten einfach nichts zulassen, nicht die Fehler wie im Spiel gegen Japan machen. Wenn es gelingt, die Leistung in den ersten 60 Minuten gegen Japan zu wiederholen, dann könnte es mit dem Sieg etwas werden.

In der Viererabwehrkette würde ich neben dem gesetzten Rüdiger Ginter oder Süle bringen und auf den Außenverteidiger-Positionen Kimmich aus dem Mittelfeld auf rechts ziehen und links entweder Raum oder den Freiburger Günther. In der Mittelfeldzentrale setze ich auf Gündogan und Goretzka. Die Offensivabteilung würde ich mit Musiala, Götze und Havertz besetzen und in der Spitze auf Müller setzen.“

Nils Haunschild, Handballer des Landesligisten HSG Dreiland: „Deutschland hat ja 70 Minuten gegen Japan nicht schlecht Fußball gespielt, hätte da schon 3:0 oder 4:0 führen müssen. Deshalb ist es wichtig, dass die Jungs gegen Spanien ihre Chancen effektiver verwerten. Allerdings muss die deutsche Mannschaft gegen diese Weltklasse-Mannschaft hinten deutlich besser stehen als in der letzten Viertelstunde gegen Japan, dann haut sie die Spanier weg.

In der Abwehr würde ich Kimmich hinten rechts bringen, da wir im Mittelfeld ein Überangebot an Topspielern haben. Rüdiger würde ich in der Innenverteidigung Ginter zur Seite stellen, und auf rechts Raum durch Günther ersetzen. Das deutsche Mittelfeld würde ich mit Gündogan, Goretzka, Sané und Musiala besetzen. Vorne sollen es Füllkrug und Gnabry richten.“

Volker Scherer, Vorsitzender des Bezirksligisten TuS Binzen: „Das muss ich einfach loswerden. Ich war vom Auftritt der deutschen Mannschaft in der letzten Viertelstunde maßlos enttäuscht. Da haben nicht nur die Spieler schwach ausgesehen, sondern auch Trainer Flick, der sich komplett vercoacht hat. Wenn Deutschland nicht die defensiven Fehler abstellt, wird der vierfache Weltmeister gegen Spanien keine Chance haben.

Im Tor ist natürlich Neuer alternativlos. In der Abwehr ist nur Rüdiger gesetzt. Neben ihm würde ich Ginter eine Chance geben. Auf der rechten Abwehrseite würde ich mich für Weltklassemann Kimmich entscheiden. Hinten links sind wir einfach schwach. Deshalb würde ich mit einer Dreierkette operieren und davor eine Fünferkette mit Goretzka, Gündogan, Götze, Musiala und Sané, wenn er fit ist. Wenn nicht, rückt Gnabry in die Mannschaft. Und ganz vorne würde ich mit Füllkrug auf einen echten Mittelstürmer setzen.“

Tobias Jehle, Sportchef des Verbandsligisten FV Lörrach-Brombach: „Wenn ein Sieg gegen diese spanische Topmannschaft gelingen soll, dann muss sich die deutsche Mannschaft am Sonntag in einer überragenden Form präsentieren und die sich bietenden Chancen auch reinmachen. Aber noch wichtiger ist, dass Deutschland defensiv um Welten besser agiert. Denn: Spanien wird deutlich besser sein als Japan.

Vor Neuer würde ich in der Abwehr von rechts auf Raum, Ginter, Rüdiger und Kimmich setzen. Im Mittelfeld würde ich Gündogan und  Goretzka in der Zentrale bringen und davor Sané und Musiala. Im Angriff ist für mich Füllkrug erste Wahl.

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